Landesfrauenrat Niedersachsen ehrte Dora Garbade und macht Ganderkesee zum „Frauen-Ort“

Zwischen Tatkraft und Trinkfestigkeit

Dank Dora Garbade, der früheren Gutsfrau auf Gut Nutzhorn und Landfrau der ersten Stunde, ist die Gemeinde Ganderkesee ab sofort auf der Landkarte der "Frauen-Orte Niedersachsen" des Landesfrauenrates vertreten. Gestern würdigten die Initiatorinnen die Namenspatronin mit einer opulenten Auftaktveranstaltung in der Gaststätte Backenköhler. Dort wurde auch der erste Dora-Garbade-Preis vergeben, den Charlotte Ruschulte, Bürgermeisterin der Gemeinde Ohne (Grafschaft Bentheim) erhielt.
23.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Simone Becker
Zwischen Tatkraft und Trinkfestigkeit

Agnes Witschen, Vorsitzende des Landfrauenverbandes Weser-Ems (Zweite von links) überreichte der ersten Dora-Garbade-Preisträgerin Charlotte Ruschulte (Zweite von rechts) das goldene Bienchen der Landfrauen. Darüber freuen sich auch Garbade-Enkel Bernhard Skupin sowie Anneliese Frahne, ehemaliges Vorstandsmitglied des Landfrauenverbandes Weser-Ems.

Simone Becker

Dank Dora Garbade, der früheren Gutsfrau auf Gut Nutzhorn und Landfrau der ersten Stunde, ist die Gemeinde Ganderkesee ab sofort auf der Landkarte der "Frauen-Orte Niedersachsen" des Landesfrauenrates vertreten. Gestern würdigten die Initiatorinnen die Namenspatronin mit einer opulenten Auftaktveranstaltung in der Gaststätte Backenköhler. Dort wurde auch der erste Dora-Garbade-Preis vergeben, den Charlotte Ruschulte, Bürgermeisterin der Gemeinde Ohne (Grafschaft Bentheim) erhielt.

Ganderkesee-Stenum. Bis zum letzten Platz war gestern der Festsaal des Landidyll-Hotels Backenköhler besetzt. Die rund 220 überwiegend weiblichen Gäste hörten sich geduldig Grußworte, Reden und Gratulationen an. In den rund drei Stunden Festakt spielte Fred Molde zwischendurch auf seinem Schifferklavier, bevor es am Ende belegte Brötchen gab. Anlass für die Feierlichkeit war die Ehrung der Land-, Lehr- und Gutsfrau Dora Garbade vom Gut Nutzhorn. Am Tag ihres 120. Geburtstages wurde die Gemeinde Ganderkesee vom Landesfrauenrat Niedersachsen in den illustren Kreis der "Frauen-Orte" aufgenommen.

Garbade ist inzwischen die 18. historische Frauenpersönlichkeit, die auf diese Art geehrt worden ist. Aus diesem Anlass entschlossen sich die beiden Garbade-Enkel Bernhard und Rudolf Skupin überdies, ein Heft mit Döntjes über ihre Großmutter und einen Dora-Garbade-Preis in Höhe von 500 Euro auszuloben. Siegerin wurde Charlotte Ruschulte, Landfrau und Bürgermeisterin aus der Gemeinde Ohne, die im Landkreis Grafschaft Bentheim liegt. "Die Wahl fiel nicht schwer. Ich spürte Dora Garbade im Raum, als ich von der Kandidatin las. Sie ist genauso mutig, tatkräftig und hat den gewissen Weitblink wie meine Großmutter", lobte Skupin, der von ihr auch liebevoll "Schnucki" genannt wurde. Insbesondere die Trinkfestigkeit der Großmutter stellte der Enkel heraus, die gern mal einen gestandenen Kerl mit "Grand Marnier" unter den Tisch getrunken haben soll.

Diese Eigenschaft teilt die Preisträgerin Charlotte Ruschulte jedoch nicht. "Eine Gemeinsamkeit ist auf jeden Fall, dass ich auch einen Mann habe, der sagt: Mach mal!", erzählte die 55-Jährige in ihrer Dankesrede. Was die beiden Frauen ebenfalls verbindet, ist ihr Engagement für die Landfrauen. Vor drei Jahren wurde sie als Mitglied des Landfrauenverbandes Weser-Ems in den Vorstand des Deutschen Frauenrates gewählt. Außerdem bildete sie jahrelang im Bereich Hauswirtschaft junge Menschen aus und gründete den Verein Bürgerbus Schüttorf-Wettringen.

Für Dora Garbade war Bildung ebenfalls ein wichtiger Schwerpunkt ihres Schaffens. Sie unterrichtete ab 1926 rund 100 Lehrmädchen, was nicht alle Männer damals schätzten: "Mit dir tanze ich nicht Dora, du holst uns die Frauen aus dem Haus", war ihre Stimme von einer Tonbandaufnahme zu hören. Sie war seit 1948 das einzige weibliche Mitglied in der Landwirtschaftskammer Oldenburg, sie gründete 1960 das Evangelische Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen und war bis 1963 Vorsitzende des Landfrauenverbands Weser-Ems.

Als Auszeichnungen erhielt sie neben der "Golden Biene" des Deutschen Landfrauenverbandes die Ehrennadel des Niedersächsischen Landvolkverbandes und im Jahr 1958 auch das Bundesverdienstkreuz. "Es wurde Zeit, Dora zu ehren", sagte Landrat Frank Eger, der mit einem Frauen-Ort scherzhaft ein Gebäude assoziierte, zu dem Männer gern gehen.

Tatsächlich sind die 18 Frauen-Orte des niedersächsischen Landfrauenrates Orte zur Ehrung und zur Erinnerung an herausragende Frauen. Erzählt wird dabei von ihren Leistungen, die sie auf politischem, kulturellem, sozialem, wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Gebiet erbracht haben. In Niedersachsen sind es Frauen, wie die Frauenrechtlerin Helene Lange in Oldenburg, die Schriftstellerin Wilhelmine Stiefkes in Leer oder die Tänzerin Mary Wigmann in Hannover.

Zu entdecken gibt es die Frauen in Führungen und Ausstellungen. So bieten Karin Bellers und Elisabeth Kühling am Sonntag, 7. April, sowie am Sonntag, 6. Oktober, Gäs-teführungen über das Gut Nutzhorn, in dem Dora Garbade lebte, ausbildete und arbeitete, an. "Wir freuen uns auch schon auf die Ausstellung zum Leben und Wirken einer tatkräftigen Landfrau, die am 18. August im Rathaus eröffnet wird", kündigte Ganderkesees Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas an.

Zwischen Tatkraft und Trinkfestigkeit

Landesfrauenrat Niedersachsen ehrte Dora Garbade und macht Ganderkesee zum „Frauen-Ort“

Zitat:

"Ich spürte Dora Garbade im Raum, als ich von der Kandidatin las."

Bernhard Skupin, Garbades Enkel

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