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Förderung aus Bundesmitteln für steptext dance project und Deutsches Tanzfilminstitut
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Bremen – die Tanzstadt im Norden

MEIKE ROTERMUND 17.03.2015 0 Kommentare

Zwei Giraffen tanzen Tango
Gerhard Bohner hat in seiner Bremer Zeit von 1978 bis 1981 unter anderem das Stück „Zwei Giraffen tanzen Tango“ entwickelt, das 1980 mit Livemusik am Theater am Goetheplatz uraufgeführt wurde. (Gert Weigelt)

Alle Großen des Tanztheaters waren in Bremen, haben hier gearbeitet, Neues für die Bühne entwickelt: Susanne Linke, Johann Kresnik, Reinhild Hoffmann, Urs Dietrich. Bremen ist die Tanzstadt – gerade in der Wahrnehmung von außerhalb. So ist es kein Zufall, dass sich mitten in der Hansestadt das Deutsche Tanzfilminstitut findet. Vor rund zehn Jahren ist es in das alte Polizeigebäude eingezogen. Wenn lange zwei kleinere Ebenen übereinander bespielt wurden, füllen die umfangreichen Filmschätze jetzt weitläufig die erste Etage. Das Tanzfilminstitut kann sich jetzt über eine Projektförderung aus Bundesmitteln freuen.

Begonnen hat das Archiv mit privaten Aufnahmen der Initiatorin Heide-Marie Härtel. Selbst Tänzerin im Bremer Ensemble, hat Härtel die Einrichtung Ende der 1980er-Jahre gegründet, die sich der Sammlung, Aufbereitung und Produktion von audiovisuellem Material zum Tanz widmet. Inzwischen sind hier Hunderte von Stunden Filmmaterial versammelt, die die Geschichte des zeitgenössischen Tanzes dokumentieren. So ist auf den Grundlagen des Filmarchivs auch das entstanden: Die Theaterwissenschaftlerin Susanne Schlicher hat hier geforscht und Informationen zu der kompakten Überblicksdarstellung „TanzTheater – Traditionen und Freiheiten“ zusammengetragen. So ist das Institut ein wichtiger Ort für den Tanz.

Ganz aktuell sind dem etablierten Bremer Filminstitut aus dem Tanzfonds-Erbe der Kulturstiftung des Bundes Fördergelder in Höhe von 90 000 Euro bewilligt worden. Damit soll ein spannendes Projekt realisiert werden. Wenn Pina Bausch spätestens seit dem opulenten Wim Wenders-Film als Grande Dame des Wuppertaler Tanztheaters gefeiert wird – übrigens sollte auch sie Ende der 70er-Jahre an der Weser verpflichtet werden – gibt es eine ganze Reihe weiterer maßgeblicher Protagonisten des zeitgenössischen Tanzes, die wichtige Impulse für die Entwicklung des Tanztheaters gegeben haben.

John Neumeier als Zeitzeuge

Für diese hat Filmemacherin Heide-Marie Härtel das überzeugende Porträtkonzept „Zeugen des Tanzes“ entwickelt. In der ersten Runde werden fünf Choreografen und ein Kritiker vorgestellt, unter andere John Neumeier, Gisela Peters-Rohse, Nele Härtling und Klaus Geitel, alle geboren zwischen 1924 und 1939. Gilt es doch die verbleibende Zeit zu nutzen, in der diese Zeitzeugen noch Auskunft geben können. In einem kleinen Format von jeweils 30- bis 45-minütigen Porträts werden Interviews, Archivmaterial und Aufnahmen von einem aktuellen Projekt zusammengefasst, denn die meisten der Tanzzeugen sind bis heute schaffend aktiv. Daneben gibt es ein weiteres spannendes Bremer Tanzprojekt, das sich über eine Bundesförderung in Höhe von 85 000 Euro aus dem Tanzfonds-Erbe freut: Helge Letonja, Tänzer des Bremer Ensembles unter Susanne Linke, heute international agierender Choreograf und Mitbegründer des Bremer steptext dance projects, hat mit seiner Projektidee um das Werk Gerhard Bohners die Jury überzeugt. Bohner hat in seiner Bremer Zeit von 1978 bis 1981 unter anderem das Stück „Zwei Giraffen tanzen Tango“ entwickelt, das 1980 mit Livemusik am Theater am Goetheplatz uraufgeführt wurde. In der Bremer Zeit des innovativen Choreografen zeigt sich eine Abkehr von psychologisch motivierten Rollen oder Handlungen hin zu einer Dramaturgie der Collage aus Einzelszenen und Bildern, in der auch Alltägliches seinen Platz findet. Die Szenen folgen einem assoziativen Aufbau. Skurrile Figuren begegnen, Elemente des Absurden finden sich, die Realitätsebenen vermischen sich. Bohner arbeitete zum Beispiel mit Doppelkörpern oder integrierte einen Tanz mit Schwimmflossen. Elemente, die charakteristisch sind für das, was man heute als deutsches Tanztheater versteht. Anhand des Werkes von Gerhard Bohner könne die Geschichte des modernen Tanzes in der Bundesrepublik geschrieben werden, wie schon Schlicher umriss. Helge Letonjas Projekt umfasst zwei Phasen, zunächst geht es um die Rekonstruktion des Bohner-Stücks. Damit findet sich eine konkrete Schnittstelle zum Tanzfilminstitut, ist hier doch das Filmmaterial überliefert. Andererseits geht es Letonja um eine künstlerische Befragung des Werkes auf dessen heutige Relevanz. So kann man gespannt sein, was der Choreograf in den kommenden Monaten mit den Tänzerinnen und Tänzern des steptext dance projects entwickelt. Helge Letonja und Heide-Marie Härtel freuen sich gemeinsam, dass sie mit ihren Produktionen einen Beitrag leisten können, den zeitgenössischen Tanz auch in und für die Zukunft als gesellschafts- und kulturreflexive Kunst vor Ort zu verankern.


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Leserkommentare
Majajanosch am 23.10.2019 17:07
Geschenke? Da sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen kommen beispielsweise bei mir knapp 500€ runter vom Bruttoverdienst. Im jetzigen ...
suziwolf am 23.10.2019 17:03
Womit Sie den Punkt getroffen haben
@Kretschmar 🎯 ...

Nur, der ,schwarz arbeitende‘ 🎅🏿
(🙊🙈🙉)
hätte nichts davon.
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