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Bremer Anziehungskraft Waterfront

Jürgen Hinrichs 25.02.2017 1 Kommentar

Einkaufs Center - Waterfront -
Einer der Anziehungspunkte in der Waterfront ist der große Food-Court. Die Besucher werden dort mit Videos und Musik unterhalten. (Frank Thomas Koch)

Sechs junge Frauen, Schülerinnen aus demselben Jahrgang, die kurz vor dem Abitur stehen. Jede von ihnen hat eine dieser Tüten in der Hand, die in der Waterfront überall zu sehen sind. Es gibt eine regelrechte Schwemme davon, hellbraunes Papier, blaue Aufschrift. Tüten von Primark, dem Textil-Discounter aus Irland.

Die Frauen haben sich dort eingedeckt. „Wir planen zum Abschluss der Schule eine Motto-Woche und wollen uns verkleiden“, sagt eine von ihnen, „es soll assig aussehen, richtig billig.“ Gefunden haben sie davon jede Menge, die Tüten sind voll. Die Frauen lachen, hat Spaß gemacht.

Primark ist vor bald acht Jahren in die Waterfront gezogen. Es war damals die erste Filiale in Deutschland, mittlerweile sind es mehr als 20, die sich über das gesamte Land verteilen.

Beliebte Kleidung trotz kritischer Produktion

Mode zum Spottpreis, das kommt offenbar an, egal wie kritisch es mittlerweile gesehen wird, wenn Kleidung derart billig angeboten wird, dass in der Produktion Hungerlöhne gezahlt werden müssen.

In Bremen kostet die Bluse an diesem Tag fünf Euro, die Jeans neun, Schuhe bekommt man für zehn. Ein kompletter Anzug, in schwarz, zur Konfirmation oder Beerdigung? Kein Problem. Auch der ist mit 38 Euro noch erschwinglich.

Einkaufs Center - Waterfront -
Die Tüten des irischen Textil-Discounters Primark sieht man in der Waterfront überall. Das Unternehmen hatte seine erste deutsche Filiale in Bremen eröffnet, mittlerweile gibt es republikweit mehr als 20 davon. (Frank Thomas Koch)

Der Discounter ist mit seiner Verkaufsfläche von 5380 Quadratmetern ein Frequenzbringer im Einkaufszentrum. Die Sorge, dass Primark das Niveau runterzieht, ist darüber längst verflogen. Von den Kunden haben alle etwas, mindestens aber das große Multiplex-Kino in der Waterfront und die Anbieter in der Gastronomie. 

„Essen kann man hier gut“, sind sich die sechs Frauen einig, die mit ihren Tüten gen Heimat abziehen. Der Food-Court, sie schwören drauf. Die Größe allein, das weite Rund, die hohe Decke, viel Licht und Luft. Auf der Videowand werden Musikclips gezeigt.

Platz für 24 000 Menschen

Groß und hell ist die gesamte Waterfront. Auch in den Stoßzeiten gibt es kein Gedränge. Genug Platz, um jeden Tag zwischen 10 und 20 Uhr durchschnittlich 24 000 Menschen aufzunehmen. Platz nach oben auch, zu den großflächigen Dachfenstern, die viel Tageslicht hereinlassen. Die Waterfront zwängt nicht ein, sie gibt frei. Architektonisch ist das Einkaufszentrum gelungen.

Gemanagt wird das Center mit seinen rund 120 Geschäften, Restaurants und Dienstleistungsbetrieben, darunter acht Telefonläden, von der ECE. Das Unternehmen der Hamburger Versandhaus-Familie Otto betreibt nach eigenen Angaben europaweit die meisten Shopping-Center.

Seit August 2015 hat es auch in der Waterfront die Zügel in der Hand. Einher ging das mit einem Eigentümerwechsel. Das Einkaufszentrum gehört jetzt mehrheitlich dem dänischen Rentenversicherer ATP, die Familie Otto ist mit fünf Prozent beteiligt.

"Es gibt noch Potenzial"

Mit der ECE kam Kirsten Jackenkroll, sie leitet die Waterfront. Die 35-Jährige war vorher in Hameln, dann in Koblenz für ECE-Center verantwortlich. In den beiden Städten betreute sie jeweils eine Ladenfläche von rund 20 000 Quadratmetern, in Bremen ist es mit 44 000 Quadratmetern mehr als das Doppelte.

„Und es gibt noch Potenzial“, sagt Jackenkroll. 9000 Quadratmeter allein dort, wo früher das Space Center war, ein Vergnügungsangebot zu Zeiten, als es noch den Space Park gab, das gescheiterte Einkaufszentrum mit Rakete und Vorläufer der Waterfront.

Einkaufs Center - Waterfront - Center Managerin Kirsten Jackenkroll
Kirsten Jackenkroll ist die Chefin der Waterfront. (Frank Thomas Koch)

Erschließen ließe sich die freie Fläche nur durch den alten Eingang des Space Centers neben dem Elf-Säle-Kino Cinespace. Schon das verhindert, dass sich dort weitere Läden ansiedeln. „Man müsste sicherlich auch noch einmal einen siebenstelligen Betrag investieren“, glaubt die Center-Managerin.

Sollte sich der Investor dazu entschließen, könnte es am Ende wie beim Space Center wieder etwas mit Entertainment sein. „Wir sind da in verschiedenen Gesprächen.“ Es soll etwas Besonderes sein, nichts, was Bremen schon hat.

Jackenkroll hat Betriebswirtschaft studiert, sie ist Diplom-Kauffrau und hat sich während ihres Studiums auf Veranstaltungsmanagement spezialisiert. „Unsere Vision ist, den Menschen zu vermitteln, dass sie bei uns ihren Kurzurlaub verbringen können“, sagt sie. Einkaufen und Erlebnis, die Rezeptur aller großen Einkaufszentren.

Einkaufs Center - Waterfront -
Der Haupteingang zum Shoppingcenter. (Frank Thomas Koch)

Buntes Unterhaltungsprogramm gehört dazu

In der Waterfront gehören Drachenfeste, US-Car-Treffen, eine Eisbahn vor Weihnachten oder Modenschauen zum Unterhaltungsprogramm. Es wird geklettert, Speedboot gefahren und im Simulator gesurft. Auf dem Areal draußen an der Weser ist vieles möglich. Der Plan des vorherigen Eigentümers, die Waterfront zum Fluss hin stärker zu öffnen, ist aufgegeben worden.

Ein Erfolg sind Aktionen wie das Mitternachts-Shopping im Dezember: „Da hatten wir 62 500 Besucher.“ Stolz ist Kirsten Jackenkroll auf die neue App, „das ist unser verlängertes Schaufenster“. Aufs Smartphone geladen zeigt sie, was es im Center so alles gibt. Die Managerin sieht sich mit ihren Angeboten auf einem guten Weg, doch es gibt auch Kritik.

In einem Brief an ECE-Chef Alexander Otto haben sich drei Geschäftsführer von Läden in der Waterfront vor einigen Wochen bitterlich beschwert. Nach der Übernahme durch die ECE seien die Zahlen rückläufig, weniger Besucher, weniger Umsatz.

Besucherzahlen seien stabil

Aktivitäten im Center gebe es deutlich weniger, und es seien außerdem immer die gleichen. Die Werbung in Zeitungen und im Radio erreiche fast den Nullpunkt. Der Kontakt zum Centermanagement sei zusammengebrochen.

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Das Schreiben, das in Kopie auch an den WESER-KURIER ging, trägt keine Unterschriften. Die Verfasser wollen anonym bleiben, um, wie sie erklären, keinen Repressalien ihrer Firmenchefs ausgesetzt zu werden. „Das ist schade“, sagt Kirsten Jackenkroll, „was soll ich da tun?“

Nachvollziehen kann sie die Kritik nicht, in keinem der Punkte, die Besucherzahlen zum Beispiel seien stabil, das werde verlässlich gezählt. Ganz kalt lässt der Brief die Center-Managerin allerdings auch nicht. „Es gibt Arbeitskreise, in die sich jeder einbringen kann, es gibt Gesellschafterversammlungen, und wir haben für die Mitarbeiter des Centers eine Party veranstaltet, zu der 350 Menschen gekommen sind.“

Nur vier der 120 Läden stehen leer

Sollte es unter den Händlern tatsächlich Unzufriedenheit geben, möglicherweise sogar schmalere Umsätze, musste deswegen bislang aber so gut wie keiner von ihnen aufgeben. Nur vier der 120 Läden stehen leer.

Hinzugekommen ist in jüngster Zeit der Lebensmittel-Discounter Lidl, es ist das erste Mal, dass in der Waterfront auch dieses Segment bedient wird. Der Laden auf einer Fläche von rund 1200 Quadratmetern hat einen separaten Eingang. Noch ist er nur spärlich besucht, wenigstens in den Vormittagsstunden. Die Kunden müssen offenbar erst einmal lernen, dass es ihn gibt.

Auch sonst herrscht zu dieser Zeit noch kein großer Trubel. Die Waterfront ist ein Spätstarter. Mittags sind die Plätze auf dem Food Court dann fast alle besetzt. Morgens dagegen nur im Alex am Rand des Courts. Frühstücksbüfett!

 

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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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