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Frida Gold und ihre faszinierende Sängerin Alina Süggeler feiern mit dem Publikum ein perfektes Konzert
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Der Vamp mit dem Skateboard

Iris Hetscher 14.03.2014 0 Kommentare

Pfiffe, Unruhe, Ungeduld. Das Publikum ist nicht begeistert von der fast halbstündigen Umbaupause im Aladin. Und dann dauert es weitere Minuten, in denen nichts passiert – bis Frida Gold endlich die Bühne betreten. Muss das sein? Vielleicht. Immerhin ist das Quartett aus dem Ruhrpott mit einer echten Diva unterwegs, und die lassen sich gerne bitten.

Diese Diva wird von den Fans bedingungslos geliebt. Kaum hat Frontfrau Alina Süggeler sich das Mikro gegriffen und gleich als zweites Stück die Hitsingle „Love is my rebellion – Liebe ist meine Rebellion“ angestimmt, ist schlagartig aller Unmut vergessen. Der Saal groovt, der Saal schaut gebannt in Richtung Bühne, auf der die Band die nächsten eineinhalb Stunden eine faszinierende Show inszeniert. Die ist komplett auf die Sängerin zugeschnitten – Alina Süggeler ist Pop durch und durch. Auf einer Leinwand im Hintergrund sind Videos zu sehen, in denen sie mal lasziv, mal schmollend, mal verträumt in unterschiedlichen Outfits und mit verschiedenen Frisuren zu sehen ist. Sie tanzt, singt, lacht oder läuft im weißen Hemdchen eine einsame Straße entlang.

Süggeler, die auch als Model arbeitet und von der Zeitschrift „Grazia“ zu den „zehn schönsten Frauen weltweit“ gekürt wurde, zeigt sich gerne. Das passt, denn ein Popstar muss über ein gerüttelt Maß an Exhibitionismus verfügen – und über Originalität.

Auch das bietet die 29-Jährige. Ihr ganz eigener Stil ist eine Mischung aus Vamp und dem Mädchen, das sich vom Nachbarsjungen gerne mal das Skateboard ausleiht. Das Haar ist an einer Seite kurz rasiert, an der anderen kinnlang, sie trägt ein weißes Sportjersey-Shirt zu schwarzen, knielangen weiten Lederhosen und Turnschuhen.

Das wirkt extrem cool und ist außerdem die genau richtige Ausstattung für die mitunter schweißtreibende Show, die Süggeler und ihre Jungs (Andi Weizel am Bass, Julian Cassel an der Gitarre und Thomas Holtgreve am Schlagzeug) dem Publikum bieten.

Die ist auch abseits der Video-Projektionen perfekt durchinszeniert, wirkt aber keinen Moment unterkühlt. Die Band spielt Songs von ihren beiden CDs „Juwel“ und „Liebe ist meine Religion“ und versteht es, mit unterschiedlichen Stimmungen zu jonglieren. Frida Gold haben klug arrangierte Dancefloor-Kracher wie ihre erste Single „Zeig’ mir, wie Du tanzt“ oder „Time is always now“ auf Lager, die glasklar und mit so viel Wumms gespielt werden, dass die Bässe mächtig im Saal vibrieren. Auch die Reminiszenz an ihre musikalischen Urahnen Spandau Ballet klingt ausgeschlafener als das Original aus den Achtzigern: „Gold“ ist ja quasi der Patensong für die Band aus dem Ruhrgebiet. Süggelers starke, ausdrucksvolle Stimme kommt dabei live erheblich besser zur Geltung als bei den Studioaufnahmen.

Ganz großes Kino gibt es bei den Balladen, da scheut die Band auch nicht davor zurück, tief in die Kitsch-Kiste zu greifen: Bei „Im nächsten Leben“ sind Schwarz-Weiß-Filmchen von Klein-Alina im Garten zu sehen. Das vielleicht anrührendste Stück „Breathe on“ verschafft dagegen allen im Aladin eine Gänsehaut – und zwar mit ganz einfachen Mitteln. Alina Süggeler steht zunächst allein auf der Bühne, Gitarrist Julian Cassel mitten im Publikum, irgendwann ist auf einmal auch Süggeler dort und lässt die Zuhörer immer wieder den Refrain „... und ich atme weiter“ singen. Mehr Gefühl geht nicht. Auf den bisher größten Hit der Band muss bis zu den Zugaben gewartet werden: „Wovon sollen wir träumen“ gibt es dafür in einer neu arrangierten langen Version.

So viel Professionalität und Spielfreude bei Frida Gold ließ ihre Vorband dann endgültig ziemlich alt aussehen. „Liam“ hatten sich zu Beginn des Konzerts redlich bemüht, das Publikum mit einer brachialen Mischung aus Grönemeyer- und Reamonn-Einflüssen in Stimmung zu bringen. Darauf hätte man gerne bereits nach dem ersten einfallslos zusammengestrickten Song verzichtet. Und stattdessen lieber noch ein paar Momente länger mit Musik aus der Aladin-Konserve auf die fabulösen Frida Gold gewartet.

Fotos vom Konzert im Aladin finden Sie unter www.weser-kurier.de/freizeit


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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