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Imke Wilberg hat es in der Bremer Wirtschaft weit nach oben geschafft
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Die Einmischerin

Maren Beneke 15.01.2017 0 Kommentare

Das Schicksal einer Marktfrau, die vor mehreren Jahrhunderten in Bremen gelebt hat, ist Imke Wilberg nach einem Museumsbesuch im Gedächtnis geblieben. Als Mutter von 15 Kin-
dern mit verschiedenen Vätern war jene Marktfrau darauf angewiesen, ihr eigenes Geld zu verdienen. Was tat sie also? Sie fuhr den Fischern mit ihrem Boot entgegen, kaufte einen Teil ihrer Ware und war damit die Erste auf dem Marktplatz. Ein Beispiel, das zeigt: Es gab sie auch damals schon, erfolgreiche Bremer Unternehmerinnen mit guten Ideen.

Imke Wilberg ist auch so jemand: Geschäftsführende Gesellschafterin der Personalberatung Human Lead, Aufsichtsrätin, Plenarmitglied der Handelskammer, Landesvorsitzende des Wirtschaftsrats der CDU, Rotarierin und Mutter – die 49-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren in Bremen einen Namen gemacht. Auch, weil sie die Dinge hinterfragt und kein Problem damit hat, unbequem zu sein.

So sind Eiswette und Schaffermahlzeit Veranstaltungen, mit denen Wilberg kaum etwas anfangen kann. Denn dort hat sie als Frau in Zeiten, in denen Gleichberechtigung in der Gesellschaft längst normal geworden sein sollte, noch immer keinen Zugang. „Ich liebe Traditionen. Aber Traditionen dürfen nicht zum Selbstzweck verkommen und müssen immer wieder neu belebt werden“, sagt sie.

Wilberg sitzt mit ihrem Unternehmen an einem traditionsreichen Ort: der Baumwollbörse. Von ihrem Büro im sechsten Stock sieht sie den Marktplatz mit Rathaus und Schütting, dahinter vieles von dem, wofür die Bremer Wirtschaft steht: die Brauerei, die Überseestadt mit dem Weser Tower, das Hochregallager und viele andere Gebäude, in denen viel Umsatz gemacht wird. Mit Firmen wie diesen verdient Wilberg heute ihr Geld.

Aufgewachsen ist die 49-Jährige in Eichenried, wenige Kilometer von Münchens Stadtgrenze entfernt. Den Großteil ihrer Kindheit verbrachte sie mit Jungs. „Ich konnte immer alles genauso gut“, erinnert sich Wilberg. An ihre Grenzen stieß sie erst, als sie sich mit ihren Freunden beim Fußballverein anmelden wollte. Der Trainer schickte sie damals gleich wieder nach Hause. Warum er noch nicht einmal sehen wollte, wie gut Wilberg kicken konnte, hat die Unternehmerin lange nicht verstanden.

Nach der Schulzeit folgte Station auf Station: als Au-pair und später als Studentin lebte Wilberg in Paris, in Kiel war sie für ein Lehramtsstudium eingeschrieben, als Stewardess bereiste sie die Welt und entschied sich dann, Juristin zu werden. Zunächst das Studium in Passau, später in München. Zwischendurch ein Auslandssemester im schottischen Edinburgh. Fragt man Wilberg heute, wie oft sie schon umgezogen ist, kommt sie auf mehr als 40 Mal – neue Städte, neue Perspektiven.

Über ein Praktikum bekam die begeisterte Ruderin 1997 schließlich eine Stelle als Personalreferentin bei Siemens. Als eine ihrer ersten Aufgaben musste Wilberg damals mit Ende 20 gleich Aufhebungsgespräche mit Mitarbeiterinnen des Konzerns führen. „Leicht war das nicht“, erinnert sie sich. Sie habe viel gelernt in dieser Zeit.

Danach der Wechsel als Bereichsleiterin zu Conenergy nach Essen und später als Personalberaterin zu Peter Braun in Bremen. Wieder zwei neue Lebensmittelpunkte, beide Male folgte Wilberg, die in der Zwischenzeit zwei Töchter bekommen hatte, ihrem Mann. Die Elternzeit fiel jeweils kurz aus. „Wenn Frauen zu Hause bleiben möchten, finde ich das gut“, sagt Wilberg. „Aber für mich ist das nichts.“ Und dann ist sie wieder bei dem Thema, das sie immer mal wieder umtreibt: Als amtierender Eiswett-Präsident nahm ihr Chef Peter Braun Wilberg und ihren Mann – eigentlich in umgekehrten Rollen – einst mit zu der Veranstaltung. Während Wilbergs Partner beim Stiftungsfest an den Tischen im Congress Centrum Platz nehmen durfte, wartete die Personalberaterin zusammen mit den anderen Ehefrauen im Park-Hotel. „Die Gesprächsthemen sind uns relativ schnell ausgegangen“, erinnert sich die Unternehmerin an ihr erstes und letztes Mal bei der Veranstaltung. Am Sonnabend wird sie daher nicht dabei sein.

Weil sie als Frau an Veranstaltungen wie der Eiswette nicht teilnehmen darf, dürfte ihr das ein oder andere Geschäft entgehen, ist sich Wilberg sicher. „Auch wenn immer das Gegenteil behauptet wird: Natürlich besteht dort die Möglichkeit, Menschen seine Visitenkarte in die Hand zu drücken, an die man im normalen Leben nie so leicht rankommen würde“, sagt die 49-Jährige. Was sie aber am meisten ärgert, ist, dass „Frauen auf eine antiquierte Rolle degradiert“ werden. Das schade dem Ruf der Stadt: „Statt ‚buten un binnen, wagen un winnen’ wird Bremen von außen als unzeitgemäß und kleinstädtisch wahrgenommen“, sagt Wilberg. Dabei gebe es in der Stadt genügend Potenzial.

Zum Beispiel durch Frauen wie Wilberg. 2011 machte sie sich selbstständig, kurze Zeit später wurde sie ins Plenum der Handelskammer und in die Aufsichtsräte von Gesundheit Nord und der Bremischen Volksbank gewählt. „Ich mag es komplex“, sagt die Firmenchefin, „ansonsten wird mir schnell langweilig.“ Ihre Mandate und Ehrenämter zeigen: Die Bayerin ist in der Stadt bestens vernetzt und weit oben in der Bremer Wirtschaft angekommen.

Wilberg will etwas bewegen. Auch wenn das in einer Stadt wie Bremen nicht immer einfach sei. „Man kann sich nicht immer nur beklagen“, sagt das langjährige CDU-Mitglied. „Wenn sich etwas ändern soll, dann muss man sich engagieren, sich einmischen.“ Ob sie ein Leuchtturm für andere Frauen ist? „So würde ich mich selbst nie bezeichnen“, sagt Wilberg. Für ihre Töchter versuche sie Vorbild zu sein. Sie will zeigen, dass es sich lohnt, auf eigenen Beinen zu stehen. So wie die Marktfrau aus dem Museum.

„Traditionen müssen neu belebt werden.“ Imke Wilberg

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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
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