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Die Maya und das Wasser

Jürgen Wendler 02.09.2016 0 Kommentare

Maya-Stätte nahe Chichen Itza in Mexiko
Diese Aufnahme zeigt Überreste eines Gebäudes der Maya in Mexiko. Forscher diskutieren verschiedene mögliche Gründe für den Niedergang der Mayakultur. Einer davon ist Wassermangel. (epa efe Jacinto Kanek, dpa)

Auf ungefähr 1,4 Milliarden Kubikkilometer beziffern Wissenschaftler die Gesamtmenge an Wasser auf der Erde. Ein Würfel mit diesem Volumen hätte eine Kantenlänge von rund 1120 Kilometern. Der weitaus größte Teil des Wassers befindet sich in den Meeren. Nur bei ungefähr drei Prozent handelt es sich um Süßwasser. Das meiste Süßwasser ist im Eis der Polargebiete und in Gletschern gebunden. Unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung verdunstet Wasser, um am Ende wieder als Niederschlag zur Erde zurückzukehren. Dass Wassermangel eine der größten Gefahren für das Leben einzelner Menschen darstellt, ist allgemein bekannt. Kann er auch den Niedergang von Kulturen verursachen?

Antwort: Die Geschichte liefert Anhaltspunkte dafür, dass Wasserknappheit tatsächlich zu einer Bedrohung für Zivilisationen werden kann. So hat der US-amerikanische Anthropologe Brian Fagan schon vor Jahren die These vertreten, dass beim Zusammenbruch der Mayakultur im südlichen Tiefland von Mexiko Dürren eine große Rolle gespielt hätten. Zwischen 800 und 1000, in der Phase des Niedergangs, erreichte die Trockenheit in der Region einen Höhepunkt. Die Maya nutzten das Mittel der Brandrodung, um Mais und Bohnen ziehen zu können. Dabei beuteten sie die Natur über das verträgliche Maß hinaus aus. Als sich die Umweltbedingungen verschlechterten, so Fagan, sei die Versorgungskapazität des Landes erschöpft gewesen.

Erwiesen ist, dass die Bevölkerungszahl im Gebiet der Maya in vergleichsweise kurzer Zeit stark abnahm und dass keine monumentalen Steinbauten mehr errichtet wurden. Als mögliche Erklärungen für den Niedergang der Kultur diskutieren Wissenschaftler auch Kriege und Epidemien. Dass Dürren und Wassermangel entscheidend gewesen sein könnten, halten auch Forscher der Technischen Universität Wien für möglich, die für ihre Untersuchungen unter anderem historische Daten nutzen. Sie versuchen, die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Phänomenen und dem Wasserhaushalt mit mathematischen Modellen zu beschreiben. Die Grundlage liefern dabei einfache Zusammenhänge, die sich mathematisch darstellen lassen, etwa der Zusammenhang zwischen Nahrungsangebot und Geburtenrate oder auch der Zusammenhang zwischen der Erinnerung an Zeiten des Wassermangels und dem Willen, neue Wasserreservoirs zu schaffen.

Mayas bauten Wasserreservoirs 

Dass die Maya Wasserreservoirs gebaut haben, um für Trockenzeiten gerüstet zu sein, ist schon länger bekannt. Mit ihren Modellen simulieren die Wiener Forscher, welche Auswirkungen die Wasserbautechnik auf die Gesellschaft hatte. Gibt es keine Wasserreservoirs, ist damit zu rechnen, dass die Bevölkerungszahl nach einer Dürre abnimmt. Sind dagegen Wasservorräte vorhanden, kann die Zahl der Menschen weiter steigen. Genau dies könnte nach Darstellung der Wissenschaftler bei den Maya geschehen sein und letztlich schwerwiegende Folgen gehabt haben. Die Menschen hätten sich möglicherweise auch bei Trockenheit so verhalten wie zuvor und den Wasserbedarf nicht gesenkt. Bei einer weiteren Dürrephase könnte die Bevölkerung dann stark zurückgegangen sein.

Ob dies wirklich so gewesen sei, werde sich vermutlich nie endgültig klären lassen, räumen die Wiener Experten sei. In jedem Fall aber zeigten die Simulationen, wie verwundbar technisierte Gesellschaften seien. Die an den Forschungsarbeiten beteiligte Wissenschaftlerin Linda Kuil zieht aus den Erkenntnissen den Schluss, dass Gesellschaften gut beraten seien, Verhaltensweisen zu überdenken und den Ressourcenverbrauch zu verringern. Sonst könne es trotz kluger technischer Lösungen passieren, dass sie nicht sicherer, sondern immer anfälliger würden.

Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Weltbevölkerung von derzeit gut sieben auf etwa 9,3 Milliarden Menschen im Jahr 2050 wachsen wird. Wie sie in ihrem Weltwasserbericht 2016 erklären, sind das Bevölkerungswachstum, die damit verbundene größere Nachfrage nach Nahrungsmitteln und ein höherer Lebensstandard gleichbedeutend mit einem steigenden Wasserbedarf. Die Menge an Grundwasser, die der Mensch nutze, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht. Neben dieser Entwicklung trügen auch die Auswirkungen des Klimawandels dazu bei, dass das Risiko des Wassermangels zunehme. Wassermangel sei eine akute Bedrohung. In Zukunft wird es deshalb nach Darstellung der Organisation darauf ankommen, die Ressource Wasser besser als bislang zu nutzen. So könne Abwasser recycelt und Regenwasser verwendet werden.

Dem Weltwasserbericht zufolge haben zurzeit schätzungsweise 663 Millionen Menschen keinen Zugang zu Wasser, das mit Sicherheit frei von Krankheitserregern ist. Das heißt: Das Wasser, das sie trinken, wird zum Beispiel auch von Tieren genutzt. Verschmutztes Wasser gilt als eine der Hauptursachen für Krankheiten. Rund 2,4 Milliarden Menschen können keine sanitären Anlagen nutzen. Für das Jahr 2050 erwarten die Vereinten Nationen, dass mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung in Gegenden leben werden, in denen Wassermangel ein ernstes Problem darstellt. Besonders problematisch werde die Situation aller Voraussicht nach in Nord- und Südafrika sowie in Süd- und Zentralasien sein. Auch im Mittelmeerraum, in Teilen Südamerikas und Westaustraliens könnten Probleme auftreten.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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