Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Made in Niedersachsen: Worpsweder Start-up OpenZ entwickelt ERP-Software / Open Source als Erfolgsrezept
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Die Nerds vom Hof

Jörn Hüttmann 04.01.2015 0 Kommentare

Made in Bremen
Stefan Zimmermann (zweiter von links) und sein Team haben mit ihrer Software OpenZ im Oktober einen Preis für die beste Open-Source-Unternehmenssoftware gewonnen. (Hans-Henning Hasselberg)

Der Kies knirscht bei jedem Schritt. Vorbei am Pferdestall und der Mosterei führt die Einfahrt zum alten Bauernhof, dessen Geschichte sich bis ins Jahr 1610 zurückverfolgen lässt. Der Sitz von OpenZ ist nicht gerade der Ort, an dem man eine erfolgreiche Softwarefirma vermuten würde. Und doch entsteht in Worpswede eine preisgekrönte Unternehmenssoftware.

Made in Bremen
Um abzuschalten, geht Stefan Zimmermann reiten. (Hans-Henning Hasselberg)

Stefan Zimmermann interessiert sich für Material, Geld, Maschinen und Menschen. „All das sind die Ressourcen eines Unternehmens, und die müssen gesteuert werden.“ Ein einfacher Terminkalender reicht dafür in den meisten Fällen nicht mehr aus. „Ein Unternehmen will am Ende immer wissen, was ein Einsatz oder ein Produkt kostet.“ Um das schnell und übersichtlich zu erfassen, werden beim Enterprise-Resource-Planning (ERP) alle Prozesse eines Unternehmens in einer Software abgebildet. Das ist Zimmermanns Welt.

Vom ersten Kundenkontakt über Produktion, Verkauf bis zur Abrechnung – Zimmermanns Software OpenZ bündelt sämtliche Arbeitsschritte in einer Plattform, die unabhängig vom Betriebssystem über jeden Internetbrowser zu bedienen ist. Immer mit dem Ziel, die Effektivität des Unternehmens zu steigern. „Jede Information wird nur einmal eingegeben, das spart auf der einen Seite eine Menge Tipparbeit“, sagt Zimmermann. Auf der anderen Seite leite die Software Aufträge automatisch an die richtigen Abteilungen weiter und zeige alle wichtigen Kennziffern, wie Kosten, Auslastung von Maschinen und Mitarbeitern, auf einen Blick. „Sie liefert die Zahlen, auf deren Basis Unternehmer ihre Entscheidungen fällen können“, sagt Zimmermann. „Wann man den nächsten Auftrag annehmen kann und was dafür alles nachbestellt werden muss zum Beispiel.“

Das Grundprinzip des ERP ist nicht neu. Software-Giganten wie SAP und Microsoft haben es zu einem Millionengeschäft gemacht. In dieser Klasse möchte Zimmermann mit seiner Firma OpenZ aber gar nicht mitspielen – obwohl OpenZ auch das könnte, da ist sich Zimmermann sicher. Sein Ansatz ist kleinteiliger. Er setzt auf frei zugängliche Software, sogenannten Open-Source-Programme.

Im Unterschied zu den großen Konkurrenten kostet die Basisversion aus Worpswede nichts, da sie eine Weiterentwicklung des frei verfügbaren Programms Openbravo ist und der Programmkern deshalb auch weiterhin der Öffentlichkeit als Open-Source-Produkt zur Verfügung gestellt werden muss. Das macht die Software auch für kleinere Firmen interessant.

„Allerdings ist jeder Betrieb anders, deshalb ist Flexibilität besonders wichtig.“ Die Systeme auf die einzelnen Betriebe anzupassen, sei bei den großen Anbietern jedoch sehr teuer. „Das ist bei OpenZ nicht so“, sagt Stefan Zimmermann.

Die Software ist so aufgebaut, dass sie sich leicht um weitere Module erweitern lässt, wenn eine Firma nicht mit dem normalen Funktionsumfang zurechtkommt. Gleichzeitig können versierte Nutzer auch selbstständig kleinere Änderungen am Programm vornehmen, beispielsweise wenn für die Bestellung von Schuhen für die Mitarbeiter das Feld für die Schuhgröße fehlt.

In den Anpassungen liegt auch das Geschäftsmodell von OpenZ begründet. Für die Entwicklung der Erweiterungen und die Migration von Daten auf neue Programm-Versionen darf OpenZ Geld nehmen. „Das ist kein Geschäft für große Shareholder“, sagt Zimmermann. Aber für mittelständische Unternehmen wie OpenZ sei es ein prima Geschäftsmodell. „Das ist die Richtung, in die sich der Markt bewegen wird.“

Zwar seien die ersten Jahre seit Gründung der Firma 2010 schwer gewesen, „aber mittlerweile läuft das Geschäft“, sagt Zimmermann. Im Gemeinschaftsbüro mit Holzofen und Ausblick in Richtung Hamme sitzen heute drei Programmierer hinter ihren großen Monitoren: Zusammen mit Zimmermann sind sie der harte Kern von OpenZ. Zur Firma gehören noch drei weitere Mitarbeiter, die nicht auf dem Hof arbeiten. Außerdem kooperiert das Team noch mit elf Partnerfirmen, an die es Aufträge weitergibt, für die es keine Kapazitäten hat.

Außerdem wurde OpenZ im Oktober vom Center for Enterprise Research der Universität Potsdam und der Fachzeitschrift ERP Management zur besten ERP-Software im Bereich Open Source gewählt. „2014 war ein gutes Jahr“, sagt Zimmermann.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Community-Regeln des WESER-KURIER
Community-Regeln des WESER-KURIER

Um eine anregende, sachliche und für alle Parteien angenehme Diskussion auf www.weser-kurier.de sowie auf Facebook zu ermöglichen, haben wir folgende Richtlinien entwickelt, um deren Einhaltung wir Sie bitten möchten. 

Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Der WESER-KURIER bei Twitter
WESER-KURIER Kundenservice