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Ein Floh kommt nicht allein

Ulrike Haverkamp 23.08.2016 0 Kommentare

Irrtümer rund um den Floh: Was Hundehalter wissen müssen
Wenn sich in ihrem Fell Flöhe eingenistet haben, werden Hunde häufig von einem heftigen Juckreiz gequält.  (Markus Scholz, dpa-tmn)

Sie sind der Albtraum aller Haustierhalter: Flöhe. Die Parasiten können Juckreiz, Allergien und Krankheiten verursachen. Über die Plagegeister kursieren viele Gerüchte. So heißt es, dass sie ausschließlich bei warmem Wetter unterwegs seien und dann von Hund zu Hund sprängen. Dies ist jedoch falsch. Flöhe bevorzugen zwar Temperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius und vermehren sich bei niedrigen Außentemperaturen nicht so stark, können aber das ganze Jahr über auftreten.

Meist bleiben Flöhe in ihrem bis zu 100 Tage währenden Leben einem Wirt treu. In der Regel passiert es beim Gassigehen, dass ein Floh einen Hund befällt. Ein erwachsener Floh kann geschützt in seinem Kokon bis zu einem Jahr ohne Nahrung überleben und darauf warten, dass sich ein Wirt nähert. Auch die häufig zu hörende Aussage, dass Flöhe ohne Blutmahlzeit schnell stürben, entspricht also nicht der Wahrheit. Dass sich ein möglicher Wirt in seiner Nähe befindet, erkennt ein Floh an der Erschütterung des Bodens und am Kohlendioxidgehalt von dessen Atem. Um zum Wirt zu gelangen, können die kleinen Tiere bis zu 45 Zentimeter weit springen.

Anders als manche Menschen annehmen, nisten sich Flöhe nicht nur in verschmutzten, sondern auch in blitzblanken Wohnungen ein. Der Nachwuchs der Tiere findet in Bodenritzen, im Teppich, zwischen Sofakissen und in den Körbchen von Hund und Katze einen Unterschlupf. Durch Staubsaugen und Putzen verringert sich zwar die Anzahl der Flöhe, aber ganz beseitigt werden sie nicht. Um das Flohproblem in den Griff zu bekommen, müssen alle Tiere im Haushalt behandelt werden. Außerdem müssen Betten, Polstermöbel und Teppiche gereinigt werden, wie Katharina Raue erklärt. Sie leitet die Abteilung Diagnostik und Dienstleistung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Nach dem Staubsaugen muss der Staubbeutel verschlossen und umgehend entsorgt werden“, sagt sie. Hundedecken und Textilien sollten von Haltern bei 60 Grad gewaschen werden. Nicht waschbare Textilien können bei minus 18 Grad über mehrere Tage eingefroren werden, um Flöhe abzutöten.

Die Aussage, ein Floh allein sei kein Grund zur Sorge, gehört ins Reich der Ammenmärchen. „Die ausgewachsenen Flöhe sind nur die Spitze des Eisbergs“, erläutert Katharina Raue. Über 90 Prozent der Population befänden sich in der Umgebung, und zwar als Larven, Flohpuppen oder in Form von Eiern. Ein Flohweibchen könne an einem Tag 40 bis 50 Eier legen. Folglich befindet sich ein Floh in Gesellschaft einer großen Zahl von Artgenossen.

Bei allergischen Hunden reicht ein Stich, um einen Juckreiz auszulösen. Ein Floh beißt zwei- bis viermal pro Tag. Der in Deutschland ganzjährig am häufigsten auftretende Floh ist nicht wie häufig angenommen der Hunde-, sondern der Katzenfloh. Von seinem Namen sollten sich Tierhalter nicht täuschen lassen: Er ist nicht auf einen Wirt spezialisiert und befällt auch Hunde, Ratten und Menschen. Oft bemerken Zweibeiner den Parasitenbefall sehr spät, denn Flohstiche jucken nicht immer.

Mögliche medizinische Folgen

Meist wird unterschätzt, dass ein Flohbefall für Tier und Mensch medizinische Folgen haben kann. Flohstiche können zu Hautirritationen führen und Bakterien sowie Bandwürmer (Gurkenkernbandwurm) übertragen. „Die Floh-Allergie-Dermatitis, kurz FAD, ist bei Hunden und Katzen eine der häufigsten Ursachen für Fellverlust und Hautentzündungen“, sagt Katharina Raue.

Ein Floh saugt während einer Saugphase von zwei bis zehn Minuten so viel Blut, dass ein starker Parasitenbefall bei jungen oder schwachen Tieren zu Blutarmut oder gar zum Tod führen kann. Zu den bakteriellen Erkrankungen gehört die Bartonellose, auch Katzenkratzkrankheit genannt. Auch Menschen können erkranken.

Häufig zu hören ist auch der Hinweis, dass es eine abschreckende Wirkung auf Flöhe habe, wenn das Haustier mit Knoblauch gefüttert werde oder ein Bernsteinhalsband trage. Tatsächlich aber lassen sich die kleinen Parasiten davon nicht beeindrucken. Handelsübliche Anti-Floh-Sprays, Puder und Shampoos dienen aufgrund ihrer kurzen Wirksamkeit eher als Erste Hilfe und sind zur langfristigen Bekämpfung und Vorbeugung nicht geeignet. „Wir empfehlen Mittel wie die Anti-Floh-Pille, Halsbänder und Spot-ons, die direkt am Tier aufgetragen werden“, sagt Christine Throl, Sprecherin von „Öko-Test“. Spot-on-Präparate wirken rund vier Wochen. Tabletten und Halsbänder können über Monate Flöhe abtöten. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sie auch vor anderen Parasiten wie Zecken schützen. Nach Ablauf des Zeitraums muss die Behandlung wiederholt werden.

Chemische Mittel wie Vernebler sollten Expertenangaben zufolge nur in Ausnahmesituationen eingesetzt werden, etwa wenn der Flohbefall mehrere Monate anhält. Um Behandlungsfehler zu vermeiden, müssen die Angaben auf dem jeweiligen Beipackzettel genau befolgt werden. Unter Umständen sei es ratsam, einen Schädlingsbekämpfer einzuschalten, sagt Christine Throl. Generell sollte vor dem Einsatz von Flohmitteln aller Art ein Tierarzt konsultiert werden. Am sichersten und einfachsten ist ein dauerhafter Flohschutz. „Qualität ist unabhängig vom Preis“, erklärt die „Öko-Test“-Sprecherin. „Flohhalsbänder gibt es bereits für weniger als zehn Euro.“


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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