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Rolf Surhoff arbeitet seit 60 Jahren bei der Firma Emigholz – wechseln wollte er nie
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Eine Frage der Verbundenheit

Alexandra Knief 09.08.2016 0 Kommentare

Rolf Surhoff, Emigholz
60 Jahre im selben Unternehmen – Rolf Surhoff feiert in diesem Jahr sein Diamant-Jubiläum bei der Firma Emigholz. (Karsten Klama)

Statt Karriere in der Küche begann er eine kaufmännische Ausbildung beim Reifenfachbetrieb Emigholz. Das ist jetzt 60 Jahre her und noch immer ist Surhoff bei Emigholz beschäftigt. Einmal die Woche hilft er im Bereich der Internen Warenkontrolle. Und das, obwohl er eigentlich seit 15 Jahren in Rente ist. „Ich will nicht nur zu Hause rumsitzen“, sagt Surhoff. „Solange ich das gesundheitlich noch kann und das Gefühl habe, die Leute freuen sich, dass ich hier bin, helfe ich.“

Nachdem Surhoff seine Lehre beendet hatte, wurde er im Betrieb übernommen und war erst einmal im Verkauf tätig. Damals saß das Unternehmen noch in der Bürgermeister-Smidt-Straße. An die Zeit seiner Ausbildung erinnert er sich noch genau. 30 Mark im Monat habe er im ersten Lehrjahr bekommen. Im zweiten und dritten gab es dann schon etwas mehr Geld. Neben den eigentlichen Ausbildungsinhalten gehörten auch viele Botengänge zu seinem Alltag. „Ich musste die Post aus dem Postfach holen und auf dem Weg zur Arbeit die Zeitung besorgen“, erinnert er sich mit einem Lachen. „Kaffee, Blumen, Gemüse – ich musste alles Mögliche besorgen. Einmal habe ich sogar eine Korsage meiner Chefin von der Reparatur abgeholt.“

Natürlich durfte auch der ein oder andere Streich während der Lehrzeit nicht fehlen. „Wir haben zum Beispiel die Türklinken mit schwarzem Reifenkleber angemalt“, erzählt der 74-Jährige und fügt leise hinzu: „Nicht nur während der Lehre, auch noch ein bisschen danach.“ Heutzutage ginge so etwas in seinen Augen nicht mehr. Jetzt sei alles ein wenig ernster.

Das Unternehmen wuchs stetig. 1964 wurde die heutige Zentrale in der Utbremer Straße eröffnet. 1967 folgte eine Filiale in der Neuenlander Straße. 1969 kamen zwei weitere Filialen dazu, in Zeven und in Bremen-Nord. Surhoff wurde Filialleiter in Nord. Auch der Außendienst gehörte dort zu seinen Aufgaben. „Wir kamen da auf die grüne Wiese und mussten erst einmal Kunden suchen“, sagt er. Dies fiel ihm am Anfang gar nicht so leicht. „Wenn man die ersten Erfolge hatte, geht das einfacher, aber als ich beim ersten großen Kunden vor der Tür stand, war ich schon aufgeregt.“

Surhoff blieb in Bremen-Nord, bis sich 1981 ein schwerer Betriebsunfall ereignete, bei dem er sein Bein verlor. „Das Leben hat sich von einer Sekunde auf die andere geändert“, sagt er. „Man muss dann damit leben wollen oder nicht damit leben wollen. Ich habe mich für das leben wollen entschieden.“

Fast ein Jahr lang musste er die Arbeit ruhen lassen. 1983 wurde er dann Geschäftsführer vom Gesamtbetrieb. Schon vor seinem Umfall habe er das Angebot erhalten, in der Geschäftsleitung zu arbeiten. „Das schlägt man natürlich nicht aus“, sagt Surhoff.

Als Geschäftsführer kümmerte er sich um die gesamte Materialwirtschaft des Unternehmens, um den Einkauf, die Kalkulation und die zentrale Verkaufslenkung. „Alles, womit Emigholz sich nach außen darstellte – dafür war ich verantwortlich“, sagt Surhoff. Besonders wichtig war es ihm dabei immer, das gute Arbeitsklima, was er in seiner bisherigen Zeit im Unternehmen erlebt hat, aufrechtzuerhalten und anderen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. „Ich habe immer nach dem Motto gelebt: Behandle Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest“, sagt Surhoff. So habe es ihm auch Firmengründer Theodor Emigholz während seiner Lehre vorgelebt.

2001 gab er die Führungsposition an seinen Nachfolger ab und ging in Rente. Gleichzeitig trat er aber im Unternehmen auch eine Teilzeitstelle an und prüft seitdem den Verbleib von verschwundener oder falsch gebuchter Ware.

Das Geschäft habe sich nach Ansicht von Surhoff im Laufe der Jahre verändert. Mit dem Verbot der Preisbindung in den Siebzigerjahren stieg der Wettbewerb, auch in der Reifenbranche; durch das Internet ist alles schnelllebiger geworden und die Vergleichbarkeit für Kunden gestiegen.

Auch wenn die Technik ihre Vorteile hätte, ist Surhoff froh, auch die „alten Zeiten“ miterlebt zu haben. „Für mich sage ich, das Internet hat nicht nur die Geschäftswelt, sondern die ganze Welt ein bisschen kälter gemacht“, sagt er. Botschaften werden von einem Bildschirm zum anderen geschickt, und es wird viel weniger miteinander geredet. Immer alles sofort wissen, immer erreichbar sein – alles sei heute viel stressiger als früher. „Ich hatte früher auch zwei Telefone – noch mit Wählscheibe. Das war auch hektisch, aber anders hektisch“, sagt er.

Surhoff hat immer gerne bei Emigholz gearbeitet und tut es auch heute noch. „Ich bin mit der Firma groß geworden und verwachsen“, sagt er. Die Tür der Familie Emigholz habe immer offen gestanden, wenn es mal Probleme gab. „Ich erlebe im Familienunternehmen jetzt die vierte Generation mit, das heißt schon etwas.“ Das Verhältnis zu den Kollegen sei immer gut gewesen und er habe nie das Bedürfnis verspürt, den Arbeitsplatz zu wechseln. „Ich habe sogar meine Frau hier bei Emigholz kennengelernt“, sagt Surhoff mit einem verschmitzten Lächeln. „Sie hat in der Buchhaltung gearbeitet.“ Mittlerweile sind die beiden seit 45 Jahren verheiratet.

Dass er kein Koch geworden ist, habe er nie bereut. „Ich koche zu Hause viel mit meiner Frau. In Teamwork“, sagt er. Außerdem ist er in Walle in der Kommunalpolitik aktiv, arbeitet viel im Garten und fährt zwei Mal im Jahr für ein paar Wochen mit seiner Familie nach Sylt. „So bin ich ganz gut ausgelastet“, sagt der 74-Jährige. Ohne Emigholz gibt er jedoch zu, wäre ihm schon ein bisschen langweilig.

Zum Unternehmen Emigholz ist ein inhabergeführtes Handels- und Dienstleistungsunternehmen rund um Reifen- und Kfz-Service. Es wurde 1929 von Theodor Emigholz gegründet und wird heute von Harald Emigholz in der dritten Generation geleitet. Mit Sohn Christian ist mittlerweile auch die vierte Generation im Unternehmen tätig. Insgesamt ist Emigholz heute an 18 Standorten in Nordwestdeutschland vertreten und beschäftigt um die 200 Mitarbeiter. Zu den Schwerpunkten des Unternehmens zählt der Reifenservice für Nutzfahrzeuge, der Rundum-Service für Pkw und Flotten, Autoreparaturen, Inspektionen sowie die Reifenberatung. Das Angebot richtet sich sowohl an private als auch an gewerbliche Kunden.
„Behandle Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“ Rolf Surhoff

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Leserkommentare
Turugeno am 22.10.2019 12:54
Vorschläge kann jeder machen, da braucht es sicherlich keine Abstimmung mit dem Koalitionspartner für. Deutschlands Rolle in Nordsyrien beschränkt ...
FloM am 22.10.2019 12:53
... Die Bevölkerung wird vergiftet!!!!

Dank jahrzentelanger Nachfrage nach billigem Fleisch und Gemüse!
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