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Nach dem Großbrand in der Berckstraße ist dort nur vordergründig wieder Ruhe eingekehrt
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Eine Woche danach

Elke Gundel 01.11.2015 0 Kommentare

Carportbrand in der Berckstraße
Ausgebrannte Fahrzeuge, Carports in Schutt und Asche: Auch sieben Tage nach dem Feuer bietet sich an der Berckstraße ein Bild der Zerstörung. (Frank Thomas Koch)

Es ist ruhig in der Berckstraße. Die Oktobersonne taucht die schmale Wohnstraße in Horn-Lehe in ein warmes, milchiges Licht. Doch das Idyll trügt: Eine Woche nach dem Großbrand im Carport einer Reihenhaussiedlung sind die Anwohner nicht wirklich zur Ruhe gekommen. Sie habe „ein mulmiges Gefühl“, sagt eine junge Mutter. Vor allem in den Tagen direkt nach dem Feuer, das 16 Autos zerstört und zwei Häuser so stark beschädigt hat, dass sie unbewohnbar sind, habe sie sich gefragt: „Passiert das wieder?“ Schließlich stand rasch fest, dass es um Brandstiftung geht. Auch eine zweite Frage treibt die Nachbarn um: „Warum macht jemand so etwas?“

Eine Antwort auf diese Fragen hat die Polizei noch nicht. Mit Informationen halten sich die Ermittler zurück. Polizeisprecher Nils Matthiesen versichert, die Nachforschungen der Kripo „laufen auf Hochtouren“. Es würden Zeugen befragt, Spuren und Bilder vom Tatort ausgewertet. Die Brandexperten der Polizei schätzten den Schaden auf mehrere hunderttausend Euro. Wie hoch der Schaden tatsächlich sei, müssten letztlich Sachverständige klären. Die Anwohner gehen davon aus, dass es um eine Summe von mindestens einer Million Euro geht.

Sie sind erleichtert, dass niemand verletzt wurde. Einerseits. Andererseits sind viele von ihnen zutiefst verunsichert. Denn um ein Haar, schildert ein Anwohner, hätte das Feuer auf die hinter dem Carport in zweiter Reihe liegenden Häuser übergegriffen. Das hätten selbst die Einsatzkräfte in der Brandnacht ein ums andere Mal betont. „Dann hätte die Feuerwehr das nicht mehr löschen können“, ist sich der Mann sicher. Stattdessen wäre es seiner Einschätzung nach nur noch darum gegangen zu verhindern, dass weiter entfernt liegende Gebäude ebenfalls ein Opfer der Flammen werden.

Die Häuser in der zweiten Reihe stehen nur wenige Meter entfernt von dem Carport, in dem das Feuer gewütet hat. Auf den ersten Blick wirken sie intakt. Doch beim näheren Hinschauen zeigt sich: Sämtliche Fenster auf der Frontseite, die dem Feuer zugewandt war, sind gesprungen. „Zum Glück sind die Scheiben nicht rausgefallen“, sagt eine Anwohnerin. Dennoch müssten die Fenster samt Rahmen ersetzt werden. Nicht nur das: Die enorme Hitze ließ die Außendämmung bei mehreren Wohnhäusern schmelzen. Deshalb müssten nun auch die Fassaden der Frontseite saniert werden, erzählen die Nachbarn.

In den vergangenen Tagen seien die Sachverständigen der Versicherungen in der Siedlung ein- und ausgegangen, schildert eine Bewohnerin. Das Auto ihrer Familie und vier Fahrräder seien verbrannt, dazu kommen die Schäden am Haus. Dass sie ihren Einkauf trotzdem wieder mit einem Rad erledigen könne, sei der Hilfe von Bekannten zu verdanken: „Sie haben uns Fahrräder geliehen.“ Auch die Unterstützung aus der direkten Nachbarschaft sei groß, bestätigt die junge Mutter. Weniger erfreulich seien dagegen die vielen Schaulustigen gewesen, die die Siedlung in den Tagen nach dem Brand regelrecht belagert hätten.

Vor der Carportanlage, von der kaum noch etwas übrig ist, bleiben nach wie vor Passanten stehen. „Mein Gott!“, oder „Das sieht ja wüst aus!“, ist ihre Reaktion beim Anblick dessen, was das Feuer in der Nacht zum 24. Oktober angerichtet hat: In den verkohlten Resten der Unterstände stehen die ausgebrannten Autowracks. Nur noch das Metall ist übrig. Die Häuser rechts und links des Carports sind am schwersten betroffen. Aus einem dieser Gebäude räumen Mitarbeiter einer Spezialfirma für Brand- und Wasserschäden gerade die komplette Einrichtung aus. Flammen, Hitze, Ruß, Gestank und Löschwasser haben nicht nur die Häuser unbewohnbar gemacht, sondern auch alles, was darin war, in Mitleidenschaft gezogen.

Die Feuerwehr war in der Brandnacht zunächst nur mit zwei Fahrzeugen ausgerückt: Weil der ursprüngliche Notruf lautete, es brenne ein Auto. Tatsächlich stand bereits die gesamte etwa 40 Meter lange Carportanlage in Flammen, als die Einsatzkräfte eintrafen. Und bis die Verstärkung vor Ort war, seien alles in allem 20 Minuten vergangen, berichten mehrere Nachbarn. Insgesamt waren am Ende 120 Feuerwehrleute mit 32 Fahrzeugen etwa zwei Stunden damit beschäftigt, den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen.

Für viele Anwohner sei das jetzige Feuer der verstörende Höhepunkt einer Entwicklung, die vor etwa zwei Jahren begonnen habe, schildert ein Anwohner: Die Zahl der Einbrüche und Autoaufbrüche nehme zu. Außerdem werde immer mal wieder ein Kleidercontainer oder Mülleimer angezündet. So sei in der Brandnacht ein weiteres Auto in einer benachbarten Carportanlage aufgebrochen worden. Der oder die Täter hätten Pfandflaschen aus dem Wagen gestohlen. Polizeisprecher Nils Matthiesen will sich dazu mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. In den zwei Wochen vor der Brandnacht habe ein Kleidercontainer in der Berckstraße gebrannt; außerdem habe es einen Einbruch gegeben, zählt der Anwohner weiter auf. Auch dazu sagt Matthiesen nichts.

Seinen Worten nach hat es in den vergangenen vier Monaten in der Berckstraße drei Autoaufbrüche und einen Wohnungseinbruch gegeben. In der benachbarten Ronzelenstraße seien in demselben Zeitraum vier Wohnungseinbrüche gemeldet worden. Daraus lasse sich keine Steigerung ableiten. Die Feuerwehr schätzte die Lage ebenfalls als unauffällig ein, ergänzt Pressesprecher Michael Richartz. Seit dem 1. August habe es zehn Brandeinsätze im Quartier rund um die Berckstraße gegeben – sechsmal ausgelöst durch eine Brandmeldeanlage. Dazu kamen 13 Einsätze wegen technischer Hilfeleistungen.

Anders sehe die Tendenz im Bezug auf sämtliche Stadtteile des Bremer Ostens aus, fügt Matthiesen aber hinzu. Dort seien die Zahlen in den vergangenen Wochen gestiegen – seit dem 1. Oktober habe es 87 Einbrüche gegeben. In 40 Prozent der Fälle seien die Täter aber an guter Sicherungstechnik gescheitert oder durch aufmerksame Nachbarn gestoppt worden.

Die Anwohner in der Berckstraße beruhigen solche Zahlen nicht. Ganz im Gegenteil, sagt einer der Nachbarn: Ein Einbruch pro Monat in einer Straße, die etwa 800 Meter lang ist – aus seiner Sicht sei das nicht normal.


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Leserkommentare
holger_sell am 23.10.2019 14:58
Dann schreiben Sie doch einfach mal nichts.
Jede Entscheidung gegen die Pläne des PM erhöht die Chance auf eine neue Volksabstimmung. Mit dem ...
IhrenNamen am 23.10.2019 14:46
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