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Giuliano Musio schreibt über die Gabe des „Scheinwerfens“
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Eine ganz besondere Familie

Anja Kümmel 05.07.2015 0 Kommentare

Giuliano Musio
Giuliano Musio wurde 1977 in der Nähe von Bern geboren. Er hat Germanistik und Anglistik studiert. „Scheinwerfen“ ist sein erster Roman. (Affolter/Savolainen)

Und eine wunderbare Metapher für die vergessenen Erinnerungen, die uns ein Leben lang umgeben. Um Verdrängtes geht es auch beim Scheinwerfen, einer Fähigkeit, die in der Familie Weingart seit vielen Generationen vererbt wird. Nach dem Tod von Emil Weingart führt dessen Frau den Familienbetrieb in einer noblen Gegend Berns weiter. Zwischen all den Qigong- und Shiatsu-Praxen, den Tanz-, Mal- und Edelsteintherapien fällt das Scheinwerfen kaum als etwas Besonderes auf. Derzeit arbeiten in der Praxis die Brüder Julius und Toni zusammen mit deren Cousine Sonja, die zugleich Julius‘ Partnerin ist. Seine Hauptfiguren hat Musio mit genau dem richtigen Maß an Skurrilität und Identifikationspotenzial ausgestattet, um zugleich interessant, liebenswert und psychologisch glaubwürdig zu wirken: Da ist zum einen der Zwangsneurotiker Julius, den fortwährend die Angst plagt, Sonja könne ihn betrügen. Und zum anderen Toni, der mit seiner Homosexualität noch nicht ganz im Reinen ist und ständig unter Liebeskummer leidet. Als Dritter im Bunde stößt später der geistig zurückgebliebene Halbbruder Res dazu, der zunächst weder von seiner gutsituierten Familie noch von seiner Gabe ahnt. Bezüglich der Verwicklungen des Familienclans hat sich Musio genug Stoff für mindestens zweihundert Folgen Vorabendserie aufgeladen. Und ein bisschen seifenopernmäßig fühlt sich der Roman streckenweise dann auch an, was leider zulasten des eigentlich interessanten Themas geht: den Tücken der Erinnerung. Erst im letzten Kapitel wird tatsächlich deutlich, was es heißt, wenn die Vergangenheit durch andere Menschen hindurch nach einem greift. Wie es sein muss, fremde Gewaltfantasien in sich zu spüren, oder den Tod eines anderen am eigenen Leib zu erfahren. Das ist Psycho-Horror par excellence.

Giuliano Musio: Scheinwerfen. Luftschacht-Verlag, Wien. 404 Seiten, 25,20

Scheinwerfen
Giuliano Musio wurde 1977 in der Nähe von Bern geboren. Er hat Germanistik und Anglistik studiert. „Scheinwerfen“ ist sein erster Roman. (fr)

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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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