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Baufinanzierung wird teurer ‒ dennoch sind die Konditionen für Immobilienkäufer weiterhin günstig
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Ende der extremen Niedrigzinsen

Olaf Grahl 05.12.2016 0 Kommentare

Wer jetzt Zinskonditionen studiert, wird überrascht sein. Die Zeit der extrem niedrigen Zinsen ist vorbei. Für viele unbemerkt haben die Konditionen längst die Marke von einem Prozent wieder überschritten.

Für eine 10-jährige Zinsbindung müssen inzwischen bis zu 1,77 Prozent Zinsen bezahlt werden. Auch die Bremer Institute haben die Baugeldzinsen erhöht, in der Spitze um 0,30 Prozent seit Mitte September wie bei der PSD Bank Nord. Bei der Bremischen Landesbank stiegen die Effektivzinsen von 1,41 auf 1,75 Prozent. Die Zinsen kletterten zwischen Mitte September und Ende November in der Region um durchschnittlich 0,26 Prozent, wie ein Vergleich der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt.

„Wir haben in den letzten Wochen deutliche Zinsanhebungen gesehen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, die Bankkonditionen analysiert. „Mehr als 50 Banken und Sparkassen haben seit der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten die Baugeldzinsen angehoben.“

Der Zinsanstieg um 0,26 Prozent mag nicht viel erscheinen, aber insgesamt verteuert das eine Baufinanzierung über zehn Jahre Laufzeit um rund 6500 Euro. Bei einem Kredit über 250 000 Euro steigt die monatliche Belastung (nur Zinszahlungen ohne Tilgung) von 227 Euro auf 281 Euro. Bei einer 15-jährigen Zinsbindung muss mit einer ähnlichen Mehrbelastung gerechnet werden. In diesem Bereich sind die Zinsen zum Teil schon deutlich über zwei Prozent gestiegen.

Die Zinswende geht von den USA aus. „Setzt der neue US-Präsident sein Wahlprogramm wie geplant um, nimmt das Inflationsrisiko in den USA deutlich zu“, sagt Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Der künftige US-Präsident will die Steuern senken und für Infrastrukturprogramme insgesamt eine Billion Dollar ausgeben. Das spricht für steigende Staatsverschuldung, höheres Wachstum und höhere Inflation. Dann müsste die US-Notenbank ihre Zinsen stärker als bislang erwartet anheben, sagt Bargel. „Erfahrungsgemäß bleibt ein höheres Zinsniveau in den USA nicht ohne Folgen für den Euroraum, sodass hierzulande die Zinsen tendenziell anziehen sollten.“

Die Zinsexperten rechnen Mitte Dezember mit einer Erhöhung der US-Leitzinsen. „Auch im nächsten Jahr gehen wir noch von zwei weiteren Zinserhöhungsschritten der US-Notenbank aus“, sagt Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank. Dennoch werde die Europäische Zentralbank (EZB) weiter eine sehr lockere Geldpolitik verfolgen und ihren Leitzins bei null Prozent belassen, erwartet Niefünd. Doch warum beeinflusst die Zinsentwicklung in den USA so stark das Zinsniveau in Deutschland?

Die Baugeldzinsen richten sich nach den Renditen von Pfandbriefen. Das sind Anleihen, die mit Grundstücken besichert sind. Sie entwickeln sich im Gleichklang mit Bundesanleihen. Das sind Anleihen, die der Staat herausgibt. Da die Renditen der Bundesanleihen in den vergangenen Wochen stark gestiegen sind, haben auch die Renditen der Pfandbriefe angezogen. Folglich wurden auch Baukredite teurer. Bisher sind viele Großanleger mit ihrem Geld in zehnjährige Bundesanleihen geflüchtet. Das hat sogar zu einer negativen Rendite geführt. Nun liegen die Renditen wieder bei 0,24 Prozent. In den USA wird aber eine zehnjährige Staatsanleihe bereits mit 2,35 Prozent verzinst. Dieser Abstand sorgt dafür, dass Geld aus Europa in die USA abfließt. Denn auch in Europa zieht die Inflation an. Für Deutschland erwarten die Experten 2017 eine Preissteigerungsrate von 1,5 Prozent. Verglichen mit dem aktuellen Niveau ist das fast eine Verdoppelung. „Die aktuelle Marktlage spricht dafür, dass die Zinsen für eine Baufinanzierung momentan eher wieder steigen“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bank. Nur das milliardenschwere Aufkaufprogramm von Staats- und Firmenanleihen der EZB verhindert, dass die Zinsen schneller steigen.

Eine Rückkehr zu Konditionen von weniger als einem Prozent ist in den nächsten Monaten wenig wahrscheinlich. Dennoch sollten sich Immobilienkäufer nicht verunsichern lassen, denn die Zinsen sind nach wie vor sehr günstig. Wer Angebote vergleicht, findet noch immer sehr attraktive Zinsen. Die günstigsten Konditionen haben Baugeldvermittler. Auch wenn die Zinsen für eine 15-jährige Zinsbindung etwas höher sind, sollte diese Zinsbindung in Erwägung gezogen werden. Denn so haben Bauherren mehr Sicherheit und können die Restschuld stärker verringern. „Außerdem haben sie nach zehn Jahren ein einseitiges Kündigungsrecht, falls dann die Zinsen noch tiefer als jetzt sein sollten“, sagt Herbst.

Für die nächste Zeit ist erst einmal Entspannung beim Baugeld angesagt. „Die Finanzierungsbedingungen bleiben ausgezeichnet. Wir haben im Jahr 2016 neue Allzeittiefs beim Baugeld gesehen und können davon ausgehen, dass es im Jahr 2017 trotz leichter Tendenzen zu höheren Konditionen nicht teuer wird“, sagt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender des Baugeldvermittlers Interhyp AG. Diese Einschätzung teilt die Mehrheit der von Interhyp befragten Experten. Nach einer kurzfristigen Seitwärtsbewegung sehen sie im nächsten Jahr ein etwas höheres Zinsniveau. Das Aufwärtspotenzial bleibt wegen der zaghaften Konjunkturerholung in der Eurozone begrenzt.


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:18
... und wer schon jetzt eine relativ hohe Rente bekommt, wird somit auch
r e l a t i v ... m e h r von einer Rentenerhöhung haben.
(Ab ...
Majajanosch am 23.10.2019 17:07
Geschenke? Da sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen kommen beispielsweise bei mir knapp 500€ runter vom Bruttoverdienst. Im jetzigen ...
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