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Erfolg hängt stark von Drittmitteln ab

Jürgen Wendler 07.04.2015 0 Kommentare

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Der Campus der Universität Bremen mit dem Fallturm: Der 146 Meter hohe Turm, der 1990 in Betrieb genommen wurde, lässt sich durchaus als Sinnbild verstehen – als Sinnbild dafür, dass Bremen auf dem Gebiet der Wissenschaft hoch hinaus möchte. (studio b bremen)

Wer mit Menschen aus anderen Teilen Deutschlands über Bremen spricht, stellt fest, dass sich manche Vorstellungen regelrecht ins öffentliche Bewusstsein eingebrannt zu haben scheinen, so zum Beispiel die vom besonders armen Bundesland. So berechtigt diese Vorstellung ist, so klar ist auch, dass Bremen nach wie vor Erfolgsgeschichten zu bieten hat. Eine, die auch überregional inzwischen vielen bewusst ist, ist die der Wissenschaft.

Mit der sogenannten Exzellenzinitiative verfolgen Bund und Länder das Ziel, Qualität und internationales Ansehen deutscher Forschung zu erhöhen. Seit einigen Jahren werden deshalb bundesweit Forschungseinrichtungen mit Milliardenbeträgen gefördert. Die Universität Bremen ist 2012 zu einer von insgesamt elf Exzellenzuniversitäten gekürt worden. Sie ist in diesem Kreis die einzige im nordwestdeutschen Raum. Um ihr Zukunftskonzept umzusetzen und zum Beispiel Nachwuchswissenschaftlern bessere Möglichkeiten zu eröffnen, erhält sie bis 2017 mindestens 86 Millionen Euro.

Erfolge wie dieser sind das Ergebnis der Neuausrichtung der Bremer Wissenschaft seit den 1980er-Jahren. Ein Schlagwort, das in diesem Zusammenhang an der Universität Bremen zu hören ist, lautet „Campus der Talente“. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass den finanziellen Möglichkeiten, renommierte Wissenschaftler nach Bremen zu locken, enge Grenzen gesetzt sind. Das Bundesland versucht deshalb, auf den Nachwuchs, den Reiz der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Einrichtungen und Fachgebieten sowie bestimmte Schwerpunkte zu setzen. Dazu zählen die Meeres- einschließlich der Umweltwissenschaften, die Materialwissenschaften einschließlich Luft- und Raumfahrt, Informations-, Kommunikations-, Sozial- und Gesundheitswissenschaften sowie Logistik.

Geforscht wird nicht nur an der Universität und anderen Hochschulen, etwa der Hochschule Bremen und der Jacobs University, sondern auch in zahlreichen weiteren Einrichtungen. So sind zum Beispiel auf dem Gebiet der Meeresforschung neben dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) an der Universität auch das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut, das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie tätig. Mit Materialien und ihrer Bearbeitung befassen sich außer Forschern der Universität und der Hochschule Bremen beispielsweise auch Experten des Instituts für Werkstofftechnik und des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung.

Bei der Bremen International Graduate School of Social Sciences, einer sozialwissenschaftlichen Einrichtung zur Ausbildung von Doktoranden, die bereits seit 2008 im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert wird, arbeiten Universität Bremen und Jacobs University eng zusammen. Auf dem Gebiet der Gesundheitswissenschaften beschäftigt sich das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie mit Daten, die Informationen über Ursachen von Krankheiten und Möglichkeiten der Vorbeugung liefern. Auf diesem Gebiet ist zudem das Institut für Bildgestützte Medizin (Fraunhofer MEVIS) aktiv. Ähnlich vielfältig stellt sich die Situation im Bereich Luft- und Raumfahrt dar. Während im Fallturm des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation Experimente unter Bedingungen der Schwerelosigkeit gemacht werden, entwickeln Experten des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz unter anderem Robotertechnologien für den Einsatz auf fremden Himmelskörpern oder auch am Meeresgrund.

Viele Wissenschaftler betonen immer wieder, dass ihnen die enge Zusammenarbeit im kleinsten Bundesland zugutekomme. Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften, Preise und Auszeichnungen zeugen vom Niveau der Forschung, für die das nötige Geld häufig nicht aus Bremen stammt. Einrichtungen wie das Alfred-Wegener-Institut, das Max-Planck-Institut und das Deutsche Zentrum für Künstliche Intelligenz profitieren von der überregionalen Forschungsförderung. Vor diesem Hintergrund hat der Bremer Senat in seinem Wissenschaftsplan dieses Ziel formuliert: „In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, den erreichten Stand abzusichern, die finanziellen Voraussetzungen im personellen, infrastrukturellen und baulichen Bereich dafür zu schaffen und dafür zusätzliche Mittel des Bundes zu mobilisieren.“

Die Politiker werden sich daran messen lassen müssen, ob sie dazu beitragen können, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Dass dies nicht nur im Interesse der Lösung von Forschungsfragen wünschenswert ist, zeigen diese Zahlen: Nach Angaben des Senats sichern die bremischen Hochschulen und Forschungsinstitute direkt und indirekt mehr als 21 000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze im kleinsten Bundesland. Güter und Dienstleistungen im Wert von etwa 1,2 Milliarden Euro pro Jahr können auf sie zurückgeführt werden.

Am Etat der Universität Bremen lässt sich ablesen, warum das Thema Finanzen auf Dauer zu einem Problem werden könnte. Von den insgesamt rund 290 Millionen Euro, die dort pro Jahr benötigt werden, stammt ungefähr ein Drittel aus sogenannten Drittmitteln, das heißt: Das Geld wird nicht von der Hochschule selbst oder dem Bremer Wissenschaftsressort zur Verfügung gestellt, sondern von anderen Geldgebern, zum Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Mit anderen Worten: Die Forschung im kleinsten Bundesland ist in hohem Maße davon abhängig, dass es Wissenschaftlern auch in Zukunft gelingen wird, mit ihren Ideen und der Qualität ihrer Arbeit Geldgeber zu überzeugen. Wo es im Verhältnis zu den Kosten zu wenig Drittmittel gibt, drohen Probleme. Erlebt haben dies zuletzt zum Beispiel die Mitarbeiter des Zentrums für Humangenetik an der Universität Bremen, das vor der Schließung steht.

Im bremischen Haushalt sind für dieses Jahr insgesamt rund 316 Millionen Euro für die Hochschulen vorgesehen. Klagen darüber, dass zu wenig Geld zur Verfügung stehe, werden immer wieder laut. Wer sich in den Hochschulen umhört, stößt durchaus auf Zweifel, ob in den nächsten Jahren genügend Geld vorhanden sein wird, um zum Beispiel Gebäude instand zu halten und die wichtigsten Aufgaben zu finanzieren. Zu Letzteren gehört, mit der Ausbildung junger Menschen dazu beizutragen, dass der Bedarf an Fachkräften gedeckt werden kann. Nach Angaben des Senats sind etwa zwei von drei Akademikern in bremischen Unternehmen in Bremen ausgebildet worden.

Wissenschaft in Zahlen

34594 Studenten waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes 2013/14 an den Hochschulen im Land Bremen eingeschrieben, die meisten davon, nämlich 18504, an der Universität. An der Hochschule Bremen studierten 8577 Menschen, an der Hochschule Bremerhaven 3214, an der Jacobs University 1290, an der Hochschule für Künste 900, an der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft 1690, an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung Bremen 336 und an der Hochschule für internationale Wirtschaft und Logistik 83.

4564 Menschen zählten laut Statistischem Landesamt 2013/14 zum wissenschaftlichen und künstlerischen Personal an bremischen Hochschulen. Hauptberuflich waren davon 2946 an den Hochschulen tätig, unter ihnen 668 Professoren. Die meisten hauptberuflichen Professoren, nämlich 294, arbeiteten an der Universität Bremen. Zum nebenberuflichen Personal gehörten unter anderem Gast- und Honorarprofessoren.

4260 junge Menschen werden nach Einschätzung von Experten in diesem Jahr in Bremen die Schule beenden und dabei die Berechtigung erwerben, an einer Hochschule zu studieren. Die voraussichtliche Zahl der Studienanfänger im Land Bremen wird auf 7044 geschätzt.

316 Millionen Euro will der Senat in diesem Jahr für die Hochschulen im Land Bremen ausgeben. Der Wissenschaftsplan sieht vor, dass diese Größenordnung etwa gleich bleibt. Auch für 2020 gehen die Politiker von 316 Millionen Euro aus.

1/3 der Gruppe von Menschen, die zum Studieren ins Bundesland Bremen kommen, bleibt nach dem Studienabschluss hier.

9 Institute zählt das Land Bremen zu den landeseigenen außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Bei ihnen handelt es sich um das Institut für angewandte Systemtechnik Bremen, das Bremer Institut für Angewandte Strahltechnik, das Bremer Institut für Produktion und Logistik, das Faserinstitut Bremen, das Institut für Informationsmanagement Bremen, das Institut für Marine Ressourcen, das Institut für Werkstofftechnik, das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik und die ZARM-Fallturmbetriebsgesellschaft.

6242 Studenten haben im Jahr 2013 an Bremer Hochschulen ihre Abschlussprüfungen bestanden. 3192 davon waren Frauen.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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