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Mahndorfer Bundesliga-Prellballer trotzen dem Trend
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Fixe Jungs

Rainer Jüttner 11.01.2016 0 Kommentare

Prellball TV Mahndorf Bundesliga Herren
Blicken dem ersten Heimspieltag optimistisch entgegen: Yannick Laube, Joshua Laube und Lainus Wübbeling (von links). Felix Schmitt ist dann bereits in Sottrum. (Rainer Jüttner)

Okay. Auf den ersten Blick sieht es nicht gerade nach dem Domizil eines Bundesligisten aus. Dort an der Mahndorfer Heerstraße, genau gegenüber dem Edeka-Laden, zeugen nur ein Paar Autos auf dem Parkplatz der Grundschule davon, dass hier überhaupt irgendetwas stattfindet. Jetzt noch einmal quer über den Platz und halb um das Gebäude herum, und man steht vor dem eher düsteren Eingangsbereich der Turnhalle. Tür auf – und schon hört man das Quietschen der Sohlen auf dem Parkett, das dumpfe Aufschlagen der Körper auf dem Hallenboden, das Anfeuern und den Jubel nach einer gelungenen Aktion – keine Frage – beim Training der Bundesliga-Prellballer des TV Mahndorf geht es voll zur Sache.

Allein diese Geräuschkulisse passt so gar nicht zu dem immer wieder bemühten Klischee vom Prellball als Altherrensport. Und das, was sich dann tatsächlich in der Halle abspielt, schon gar nicht. Gerade eben hat sich Lainus Wübbeling katzengleich nach einem Ball gehechtet und ihn gerade noch so eben im eigenen Feld annehmen können. Yannick Laube rennt zur Mitte des Spielfeldes und bereitet den Ball behutsam für den eigenen Angriff vor und sein Bruder Joshua schlägt den Ball mit Brachialgewalt flach über die Schnur in das gegnerische Feld – das gegenüber stehende Team ist chancenlos. Keine Frage, die Mahndorfer sind verdammt fix auf den Beinen – Altherrensport geht anders.

Prellball TV Mahndorf Bundesliga Herren
Mahndorfs Schlagmann und Kapitän Joshua Laube demonstriert hier mal ganz langsam den Aufschlag beim Prellball. In Normalzeit wäre der Bewegungsablauf einfach zu schnell gewesen. (Rainer Jüttner)

Fakt ist, dass die Spieler in der Bundesliga Nord im Durchschnitt 25 bis 30 Jahre alt sind, bestes Sportleralter also. Die Mahndorfer nehmen in dieser Klasse somit eine besondere Stellung ein, denn Yannick Laube (25), Lainus Wübbeling (22), Joshua Laube (21) und Felix Schmitt (19) bringen es im Durchschnitt gerade einmal auf knapp 22 Jahre.

Es ist ihr letztes gemeinsames Training als Viererpack. Felix Schmitt wird das Quartett verlassen. Er schließt sich dem TV Sottrum an. „Letztlich der Liebe wegen“, sagt er und verrät, dass er dafür sogar eine dreimonatige Sperre inkauf nimmt. Seine alten Teamkollegen nehmen ihm das nicht krumm, sehen dem Rest der Saison aber mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn bundesligatauglicher Ersatz ist so schnell nicht zu beschaffen. Künftig müssen die Mahndorfer folglich als Trio auflaufen. „Das kann Vor- und Nachteile haben“, sagt Joshua Laube. „Einerseits sind alle viel mehr in Bewegung. Alle sind ja somit an jedem Ballwechsel beteiligt - sind also auch konzentrierter“. sagt der Kapitän. Größter Nachteil ist auf der anderen Seite aber eben genau diese Lücke in den Mahndorfer Reihen. „Wenn wir einen Gegner erwischen, der in der Lage ist dies für sich ausnutzen, kann das natürlich nach hinten losgehen“, fügt der Schlagmann hinzu.

Letztlich überwiegt aber der Mahndorfer Grundoptimismus, zumal das Team seine Ansprüche ohnehin bereits runtergeschraubt hat. 12:10 Punkte stehen auf dem Konto – das sieht nicht nur durchwachsen aus. „Nein, das ist tatsächlich enttäuschend“, sagt Laube und führt als Hauptgrund dafür selbstkritisch eine unheilvolle Liaison von Pech und eigenem Unvermögen an.

Sechs Jahre ist das Mahndorfer Quartett mittlerweile zusammen, zudem feierten Felix, Joshua und Lainus 2008 mit dem Gewinn des deutschen Schülertitels ihren bislang größten Erfolg.

Damit gehört der TV Mahndorf zu den letzten Bastionen einer langsam dahin siechenden Sportart. Neben den Bundesligaherren schickt der Verein noch Teams bei den Herren 40 und 50, bei den Frauen 40 sowie eine Mädchen-Schüler und zwei Mädchen-Jugendmannschaften in die Punktspielserie.

Männlichen Nachwuchs gibt es zurzeit nicht. „Wir haben mit dem großen Problem zu kämpfen, dass die Kinder Prellball – wenn überhaupt – aus der Schule und dann eben nur als Rentnersport kennen“, sagt Joshua Laube. Er und sein Bruder Yannick sind dagegen von Kleinauf durch ihre Familie in der Prellballszene zu Hause gewesen. „Das hat bei uns eine lange Tradition. Als Kinder sind wir natürlich häufig zu den Spielen oder Meisterschaften mitgefahren und irgendwann haben wir eben selber gespielt“, erklärt Laube.

Zu seiner Prellballfamilie gehört auch sein Vater Heinz. Der heute 60-Jährige ist seit 1992 in Mahndorf und hatte zuvor beim ATS Buntentor, bei der NTV von 1877 und dem TV Bremen 1875 Prellball gespielt. Er half auch Bernd segele das Mahndörfer Bundesligateam aufzubauen und steht der Mannschaft neben Spartenleiter Udo Elfers noch als Trainer zur Verfügung. Bremer Prellball-Legenden wie sie oder der langjährige Bundesligaspieler Stefan Walter gehören zu den Vorbildern der Laube-Brüder. „Als ich 2008 ins Herrenteam aufrückte, war das für mich schon etwas ganz Besonderes“, erinnert sich .

Und bei der Aufzählung hanseatischer Prellball-Ikonen fällt natürlich auch immer wieder der Name Inge Mahler. Inge Mahler ist so etwas wie die Mutter Beimer des Prellballsports. Sowohl die ARD-Fernsehserie Lindenstraße als auch die Bremer Prellballszene wären ohne diese Protagonisten undenkbar. Mahler hat beim MTV Eiche Schönebeck ein echtes Leistungszentrum in dieser so genannten Rückschlagsportart geschaffen und kümmert sich seit einer halben Ewigkeit intensiv um den Prellballnachwuchs.

Aber zurück zum Training der Mahndorfer. Dort geht es weiter im Spiel Vier-gegen-Vier munter zur Sache. Die ganze Vorbereitung gilt zurzeit dem einzigen Mahndorfer Heimspieltag am 16. Januar. In der Arberger Halle Heisiusstraße geht es für das Mahndorfer Trio dann vor allem darum, nicht den Anschluss zu verlieren und die Chance auf den vierten Tabellenplatz zu wahren. Denn nur die ersten Vier werden sich wieder für Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifizieren.

„Die ersten drei der Tabelle sind schon ziemlich außer Reichweite, aber zum Vierten fehlt uns nur ein Punkt“, sagt Joshua Laube. Und den wollen die Mahndorfer in ihren sechs Spielen egalisieren.

Zeitplan

13.25 Uhr: Mahndorf – Wohnste

14.25 Uhr: Burgdorf – Mahndorf

15.15 Uhr: Markoldendorf – Mahndorf

16.05 Uhr: Marienfelde – Mahndorf

17.05 Uhr: Osterode – Mahndorf

17.30 Uhr: Mahndorf – Schladen

Bundesliga Nord Bälle Punkte

1. TSV Marienfelde 1890 430:285 22:0

2. TuS Concordia Hülsede 399:334 20:2

3. MTV Markoldendorf 376:324 18:4

4. MTV „Jahn“ Schladen 359:338 13:9

5. TSV Burgdorf 1849 347:325 12:10

6. TV Mahndorf 351:339 12:10

7. TuS“Gut Heil“Aschen-Strang 328:334 10:12

8. MTV Eiche Schönebeck I 360:368 9:13

9. MTV Osterode 338:378 7:15

10. MTV Wohnste 298:365 4:18

11. MTV Eiche Schönebeck II 316:412 3:19

12. Wittenauer SG 305:405 2:20


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Leserkommentare
Video2000 am 18.10.2019 19:07
Zynisch könnte man sagen, in vielen Schulen in BHV siehts ja nicht besser aus. Nein, man hat schon viel zu viel Geld in dieses "Wahrzeichen" ...
Bunker-F76 am 18.10.2019 19:04
Bedeutet dies auch, dass der Mann im Falle einer Verurteilung in ein Jugendgefängnis muss?
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