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Forscher: Palliativversorgung in Deutschland unterentwickelt

Alexander Pitz 07.02.2015 0 Kommentare

Bei der Betreuung unheilbar Kranker ist Deutschland nach Ansicht führender Experten immer noch unterentwickelt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften üben in einer gemeinsamen Stellungnahme deutliche Kritik an den „erheblichen Defiziten“, die sich im internationalen Vergleich zeigten.

Die Bundesrepublik liege bei der Palliativversorgung „höchstens im Mittelfeld“, sagt Hans-Peter Zenner, Medizin-Professor der Universität Tübingen. Länder wie die USA, Großbritannien und Schweden seien wesentlich besser aufgestellt. Hierzulande gebe es „zu viele weiße Flecken“. „Der Zugang ist weder gleich noch gerecht“, so Zenner.

Der Göttinger Palliativmediziner Friedemann Nauck sieht das ebenso. Mancherorts gebe es spezialisierte Teams, die sich um Patienten mit unheilbaren Krankheiten kümmerten, anderswo gebe es überhaupt keine Angebote. Nicht einmal die Hälfte der schätzungsweise 80 000 Patienten mit spezialisiertem palliativen Versorgungsbedarf erhielten eine entsprechende Betreuung. Besonders in ländlichen Regionen sei die Lage besorgniserregend. Zudem gebe es unter den Bundesländern starke Unterschiede bei der Finanzierung. Während etwa Hessen und Bayern einen hohen Aufwand betrieben, gebe es in Niedersachsen große Lücken. Nauck plädiert daher für bundesweit einheitliche Regeln, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Notwendig seien auch einheitliche Standards für die Qualitätssicherung. „Wir brauchen eine nationale Palliativstrategie“, sagt der Experte. Zudem müsse mehr Geld in die Forschung investiert werden.

Der Hannoveraner Mediziner Nils Schneider kritisiert die „schweren Schnittstellenprobleme“, die es im Versorgungssystem gebe. Oft finde gar kein Informationsaustausch zwischen Hausärzten und Kliniken oder zwischen den verschiedenen Fachärzten statt. „Das System ist ineffizient“, bestätigt Hans-Peter Zenner. Um manche Patienten kümmerten sich bis zu 80 Experten – Mediziner, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Psychologen, Geistliche oder auch Juristen. Eine vernünftige Koordination werde allzu häufig versäumt.

Die aktuelle Verknüpfung der Sterbehilfe-Debatte mit der Frage des Ausbaus von Palliativangeboten halten die Forscher indes für „unglücklich“. „Der medizinisch assistierte Suizid ist kein Gegenstand der Palliativmedizin“, stellt Zenner klar. Die beiden Aspekte müssten getrennt voneinander betrachtet werden. Der Mediziner Nauck sagte, eine Verbesserung der Palliativmedizin könne Ängste nehmen und im Optimalfall den Sterbewunsch verschwinden lassen.

Anja Tewes, Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbandes Bremen, hält die Versorgungssituation in Deutschland ebenfalls für verbesserungswürdig, weist jedoch darauf hin, dass die Lage in der Stadt Bremen – verglichen mit anderen Regionen – relativ gut sei. „Es gibt 28 stationäre Hospiz- und Palliativplätze und eine ganze Reihe ambulanter Dienste“, so Tewes. Allerdings gebe es zu wenig geeignete Angebote für schwerkranke Kinder. Auch in Alten- und Pflegeheimen gebe es Defizite. Problematisch sei obendrein der Mangel an speziell ausgebildeten Pflegekräften und Ärzten.


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Leserkommentare
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