Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Amateurfunker auf der Alexander von Humboldt
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Mit der ganzen Welt in Kontakt

KRISTINA BELLACH 24.04.2016 1 Kommentar

„Hallo“, sagt Kristjan Schröder in das Mikrofon hinein, „hier ist D-L-O-B-R.“ Wer sich am anderen Ende meldet, weiß der 22-jährige Amateurfunker bis dahin noch nicht.

Funkertreffen auf der Alexander von Humboldt. Holger Schultz DL 1 BLE.
Holger Schultz ist fleißig am Funken auf der Alexander von Humboldt. (Andreas Kalka)

Als Ingo aus der Nähe von Bremerhaven stellt sich sein Gesprächspartner vor. „Was macht ihr denn so?“, erkundigt der sich. „Wir haben auf der Alex eine kleine Clubstation aufgebaut, sitzen hier, trinken Kaffee und schnacken“, erklärt Schröder. Ingo ist begeistert und würde gerne eine QSL-Karte zugeschickt bekommen. Diese bestätigt in Amateurfunkerkreisen eine erfolgreich hergestellte Funkverbindung und ist als Sammelstück heiß begehrt.

Die kleine Station, die die Funker vom Deutschen Amateur-Radio-Club auf der in der Überseestadt liegenden Alexander von Humboldt aufgebaut haben, ist eine Premiere. Der Amateurfunk habe nämlich ein ganz dickes Problem, erklärt Renken: sein schlechtes Image. „Da hat man das Bild von alten Leuten im Kopf, die mit ihrem Funkgerät das Fernsehbild stören.“ Der 47-Jährige und seine Mitstreiter wollen zeigen, dass der Amateurfunk sich sehr gewandelt hat.

Ein Blick in die kleine Kajüte zeigt: wirklich alt ist hier niemand. Nerds? Fehlanzeige. Klar, alle, die da sind, haben ein Faible für Technik – ohne das geht es nicht. Und die alte Funkertaste? Die gibt es auch noch, für die, die es mögen. Alle anderen können ihrem Hobby genauso mit modern-ster Technik nachgehen, per Laptop und digitaler Datenübertragung.

„Das geht hier durch einige Zeitalter der Kommunikation“, bestätigt Holger Schultz. Persönlich mag er das Funken nach alter Schule am liebsten, der Nostalgie wegen; Schröder und Clubbruder Jens Rosebrock hingegen bedienen sich dem neusten Stand der Technik mit ausgefeilten Computerprogrammen.

Außergewöhnliche Kontaktaufnahme

Die Kontaktaufnahme per Funkfrequenz hat Holger Schultz schon immer begeistert. „Als kleiner Räuber habe ich per Radio Morsesignale von Schiffen gehört“, erinnert er sich. „Da hat eine kleine Stimme in mir gesagt: Das will ich auch.“ Aus dem Wunsch wurde eine jahrelange Passion. Ob der Kontakt aus dem Umland kommt, und somit klar und deutlich zu hören ist, oder begleitet von Störgeräuschen vom anderen Ende der Welt – es ist jedes Mal spannend.

„Man verabredet sich nicht“, sagt Schröder. „Man macht den Kasten an, ruft Hallo, und guckt, wo man hinkommt.“ Eine tolle Sache, findet der Informatikstudent, der sich in einer Gruppe des Bremer Vereins Hackerspace auf seine Funkerprüfung vorbereitet hat. Ohne die geht es nicht. Anders als beim CB-Funk, der für jedermann frei ist, benötigen Amateurfunker eine Lizenz, die man erst mit einem ordentlichen Know-How über Regelungen und den Verhaltenskodex bekommt.

Als eine junge Frau die Station betritt, stellt Renken gerade Kontakt zu einem der rund zwei Millionen Amateurfunker her, die es weltweit gibt. „My name is Vlado“, meldet sich ein Mann aus Tschechien. Renken stellt sich selbst vor und nennt die Kennung der Clubstation: „Delta-Lima-Zero-Bravo-Romeo“, buchstabiert er ins Mikrofon. Nach einer kurzen Begrüßung ist das Gespräch schon wieder beendet. Manchmal geht es eben nur darum: mit irgendjemandem auf der Welt in Kontakt zu treten. Manchmal aber trifft man Gleichgesinnte, mit denen man lange plaudert oder sich wieder trifft.

Renken dreht nochmals an einem der Regler und trifft auf einer anderen Frequenz auf einen Mann aus dem russischen Perm, nahe des Urals. Rauschende und quietschende Störgeräusche begleiten den Monolog des Russen. Für das ungeübte Ohr wird die Rede zum unverständlichen Kauderwelsch, die Funker haben jedoch kein Problem. „Das ist eine Sache der Gewohnheit“, sind sich Renken und Schultz einig. Man könne Gehirn sowie Gehör darauf trainieren, aus dem Rauschen heraus Geräusche wahrzunehmen.

Morsen üben

Die junge Frau, die neugierig ist, was bei so einem Funkertreffen abläuft, hat sich inzwischen zu Schultz gesellt und übt das Morsen. Auf der Morsetaste drückt sie kurz-lang-kurz, in immer anderen Kombinationen. Ihr Ziel ist es, ihren Namen zu morsen. Als Vanessa Stamm es geschafft hat, überreicht Schultz ihr eine Urkunde. „War schon schwierig, die Abstände richtig hinzukriegen. Hat aber Spaß gemacht,“ meint sie. Als nächstes möchte sich die sechsjährige Julie, die mit ihrem Vater Mathias Koch da ist, im Morsen versuchen. Geduldig hört das Mädchen zu, wie Schultz den Rhythmus vorgibt. „Gerade für Kinder ist das Funken eine tolle Sache“, stellt Renken fest. Wer seinen Nachwuchs in Sachen Physik und Technik fördern möchte, sei hier goldrichtig.

Und wenn bei Naturkatastrophen und Kriegen oft die Kommunikation per Telefon und Internet zusammenbricht, bleibt der Funk bestehen. „Als beim Erdbeben auf Haiti die komplette Infrastruktur zerstört war, haben Funkamateure dezentrale Punkte aufgebaut und konnten so die Rettungsmaßnahmen koordinieren“, berichtet Schultz. Mit dem nötigen Fachwissen und etwas Kreativität sei im Nu ein Provisorium aufgebaut: „Man braucht nur ein paar Meter Draht, ein bisschen Gedöns drumherum, und innerhalb von ein bis zwei Stunden ist man soweit.“

Und dann wäre da noch die Völkerverständigung: „Es gibt überhaupt keine Grenzen“, bestätigt Renken. Die Amateurfunker seien eine eingeschworene Gemeinschaft, die ohne Vorbehalte den Kontakt halte. Ob früher in die DDR oder heute in die Ostukraine, per Funkwelle sprechen die Menschen miteinander – auch ohne sich vorher jemals gekannt zu haben.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Community-Regeln des WESER-KURIER
Community-Regeln des WESER-KURIER

Um eine anregende, sachliche und für alle Parteien angenehme Diskussion auf www.weser-kurier.de sowie auf Facebook zu ermöglichen, haben wir folgende Richtlinien entwickelt, um deren Einhaltung wir Sie bitten möchten. 

Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Der WESER-KURIER bei Twitter
WESER-KURIER Kundenservice