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Hauskonzert der Stefes-Stiftung zugunsten einer Traumatherapie für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge
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Musik als Beitrag zur Menschlichkeit

Meike Müller 10.11.2013 0 Kommentare

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Die drei Solisten (von links) Lynda Anne Cortis, Thilo Seevers und Johannes Liedbergius konnten im Hauskonzert überzeugen. Ganz rechts der Moderator Bernd Kleemann. (Meike Müller)

Das 4. Hauskonzert der Stefes-Stiftung im privaten Wohnhaus der Stiftungsvorsitzenden Gabriela Stefes stand unter dem Motto „Ein Winter auf Mallorca“, mit Werken Chopins, Schumanns, Liszts und Mahlers, die in ihren Kompositionen die Aufbruchsstimmung oder gar Rast- und Heimatlosigkeit der Künstler des 19. Jahrhunderts widerspiegeln.

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sDie Initiatoren des Hauskonzerts und die Nutznießer des sozialen Engagements (von links): Henrik Stefes, Ralph Keller (Refugio), Gabriela Stefes, Marc Millies (Refugio) und Thomas Stefes. (Meike Müller)

Chopin verbringt im Winter 1838 drei Monate auf Mallorca, gemeinsam mit der französischen Schriftstellerin George Sand, die sich durch ihre Gegensätzlichkeit voneinander angezogen fühlen. In dieser Zeit entsteht unter anderem die „Regentropfenprélude“, inspiriert durch die starken Regenfälle auf der winterlichen Mittelmeerinsel. Robert Schumann zieht es in seinen Werken aus dem „Liederkreis“ imaginär ebenfalls in die Fremde. Schumann vereint dabei alle Themen der Romantik von Natur, Fernweh, Wander- und Reiselust sowie Wehmut miteinander.

Auch Franz Liszt ist zeit seines Lebens getrieben von Veränderung. Er reist als Konzertvirtuose durch ganz Europa und ist ein Star seiner Zeit, mit einem ausgeprägten Hang für schöne Frauen. Er ist Lehrer vieler bekannter Schüler, bevor er die weltlichen Weihen erhält und 1860 das Melodram „Der traurige Mönch“ komponiert.

Gustav Mahler macht sich in seinen „Liedern eines fahrenden Gesellen“ ebenfalls auf, seiner Wehmut über die verschmähte Liebe zu der Sopranistin Johanna Richter Ausdruck zu verleihen. Die Komponisten des 19. Jahrhunderts waren in ihrem Schaffen der Zeit des Bürgertums weit voraus und bestrebt, die Zeichen des Aufbruchs zu dokumentieren. Sie konnten dies thematisch in ihren Werken verarbeiten. Sie sammelten durch Reisen Inspirationen und konnten den Ort ihres Schaffens und Lebens frei bestimmen.

Traumatisiert durch Krieg

Ganz im Gegensatz zu Menschen die ihre Heimat aufgrund von Repressalien und Verfolgung verlassen müssen und zu Flüchtlingen werden. Jährlich werden im Behandlungszentrum von Refugio, mit Sitz in der Parkstraße, etwa 250 Flüchtlinge und Folteropfer aus über 30 Ländern behandelt. Viele von ihnen sind durch Kriegserlebnisse, Folter und Flucht stark traumatisiert. Ralph Keller leitet als Traumatherapeut das musiktherapeutische Projekt bei Refugio, in dem auch unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge betreut werden.

Anhand des Beispiels eines somalischen Jugendlichen, der in seiner Heimatstadt Mogadischu mit Krieg und Gewalt aufgewachsen ist, von der Terror-Gruppe Al-Shabaab gekidnappt wurde und zwangsrekrutiert werden sollte, verdeutlicht Keller die Problematik von Jugendlichen, die ohne ihre Eltern in ein fremdes Land geflüchtet sind. Der Junge konnte zwar mit Hilfe seiner Familie über Libyen, Malta und Italien nach Deutschland flüchten, steht hier aber ohne emotionale Unterstützung da und ist durch Gewalt und Flucht traumatisiert. Seit einem Jahr steht er unter Jugendschutz, erläutert Keller. Er versucht, seine Deutschkenntnisse zu verbessern und geht zur Schule. „Durch Musiktherapie bei Refugio erhält er die Möglichkeit, seine Identität wiederzufinden und das Leben neu zu entdecken“, erklärt Keller sein Projekt.

Die Arbeit von Refugio wird durch Mittel der Senatorin für Soziales gefördert, ist aber auf Spenden angewiesen. „Die gesetzlichen Krankenkassen stellen ausschließlich ärztliche Versorgung für Asylsuchende sicher“, bedauert Marc Millies, der für Öffentlichkeitsarbeit bei Refugio zuständig ist. Therapeutische Maßnahmen fielen nicht darunter, obwohl Gesundheit von Seele und Körper zusammenhängen. Zudem arbeitet Refugio mit Dolmetschern und Ärzten zusammen, die teilweise selber einen Migrationshintergrund haben. „Das macht den Austausch zwischen Jugendlichen und Ärzten leichter“, erklärt Millies.

Im zweiten Teil des Hauskonzerts spielt Lynda Anne Cortis (Cello), von Thilo Seevers am Klavier begleitet, Stücke unterschiedlicher Komponisten, darunter die „Träumerei“ von Schumann, Stücke von Bach und Schubert und den „Song of Birds“ von Pablo Casals. Ein Stück, das der spanische Komponist oft als Zugabe seiner Konzerte und als Protest gegen das Franco-Regime spielte. „Die Musik muss einem Ideal dienen; sie muss einen Beitrag zu etwas leisten, das größer ist als sie selbst, einen Beitrag zur Menschlichkeit“, zitiert Bernd Kleemann den Komponisten Casals, der zeit seines Lebens gegen Diktatur und Unterdrückung gekämpft hat.

Das Hauskonzert der Stefes Stiftung kann dank der hervorragenden musikalischen Leistungen der Interpreten und einladenden Atmosphäre im Haus der Gastgeberin sowie der spendenfreudigen Gäste als ein voller Erfolg für Refugio gewertet werden. Die Organisation kann in ihrer Arbeit mit minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen auf 5000 Euro zählen.

Für Hauskonzerte 2014 der Stefes Stiftung können sich kulturell Interessierte, die sich auch für soziale Projekte engagieren möchten, unter info@stefes.de bei Gabriela Stefes melden.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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