Wirtschaftsförderung Bremen
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Präsident des Industrie-Clubs: Konkrete Inhalte machen attraktiv

17.02.2015 0 Kommentare

Die Denkfabrik - Diekhöner
Seit 2011 ist Günther W. Diekhöner Präsident des Bremer Industrie-Clubs. (Christina Kuhaupt)

Bremen ist fünftgrößter Industriestandort in Deutschland. Im vergangenen Jahr aber haben internationale Konzerne 450 Stellen in Bremen gestrichen. Über Erfolge und Versäumnisse der Wirtschaftsförderung hat Kathrin Aldenhoff mit dem Präsidenten des Industrie-Clubs Bremen, Günther W. Diekhöner, gesprochen.

Herr Diekhöner, Sie sind mit Ihrer Denkfabrik 1981 aus Braunschweig nach Bremen gekommen. Warum?

Günther W. Diekhöner: Ich bin Bremer und ich war der Meinung, dass Bremen ein gutes Geschäftsfeld für uns bietet. Das hat sich auch so bewahrheitet.

Ist Bremen attraktiv für Unternehmen?

Ich finde, es ist außerordentlich attraktiv. Aber vielleicht wird diese Attraktivität nach außen nicht genügend sichtbar gemacht. Wir Bremer sind sehr zurückhaltend und sagen ungern, wie gut es uns geht und wie toll es bei uns ist. Das sollten wir vielleicht ein bisschen mehr tun. Wir haben zum Beispiel einen tollen Flughafen, der mit der Straßenbahn erreichbar ist. Das finde ich nirgendwo anders in Deutschland. Wir haben kurze Wege in Politik und Verwaltung. Man kennt sich im Laufe der Jahre. Sie haben alle positiven Voraussetzungen, um sich hier als Unternehmer wohlzufühlen.

Was hat Bremen richtig gemacht bei der Industrieansiedlung?

Man hat rechtzeitig erkannt, dass wir diversifizieren müssen. Wir waren vom Werftbau abhängig und haben schwer darunter gelitten, als die Aufträge wegbrachen. Man hat versucht, den Industriestandort zu halten und hat gleichzeitig stark in Dienstleistung investiert. Das Umsteuern hat hervorragend geklappt. Im Technologiepark zum Beispiel gibt es wenige Produzenten, aber viele Dienstleister. Und dann hat man den Industriestandort weiter gestärkt, zum Beispiel mit Daimler und Airbus. Es wurde das eine getan, aber das andere nicht gelassen. Das beweist sehr viel Weitsicht und Augenmerk. Wir sind im Moment fünftgrößter Industriestandort, das ist schon was.

Dennoch haben die internationalen Konzerne im vergangenen Jahr 450 Stellen gestrichen. Was hat Bremen falsch gemacht?

Wir sind ein Standort, der geprägt ist von Familienunternehmen. Auch die Beck GmbH war mal ein Familienunternehmen. Über viele Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte haben wir auf Familienunternehmen gesetzt. Einige haben inzwischen an internationale Konzerne verkauft. Es ist der normale Wettbewerb, dass Bremen dann nicht unbedingt zum Europazentrum dieser globalen Konzerne wird. Auf der anderen Seite hat Daimler in Bremen sein weltweites Kompetenzzentrum für die C-Klasse angesiedelt. Es verlassen uns Firmen, aber es kommen auch welche dazu. Man kommuniziert das Negative, aber das Positive wird wie selbstverständlich hingenommen.

Gibt es Versäumnisse bei der Industrieansiedlung?

Als ich 1994 das Grundstück im Technologiepark gekauft habe, hieß es, dieser Bereich sei für technologieorientierte Unternehmen reserviert – quasi ein Inkubator. Mittlerweile ist diese Vorgabe aufgeweicht, der reine Charakter ist verwässert. Man hätte noch konsequenter auf technologiebezogene Themenschwerpunkte fokussieren sollen. Zwar läuft es auch so gut, der Technologiepark ist ausgelastet. Aber es sollte noch mehr herausgestellt werden, wie gut man hier vernetzt arbeiten kann. Die Unternehmen haben Universität und Hochschule vor der Tür. Wir arbeiten nahezu täglich mit wissenschaftlichen Einrichtungen als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Für uns ist das ein ideales Umfeld. In München zum Beispiel weiß das aber niemand.

Müsste die Wirtschaftsförderung aktiver und selbstbewusster sein?

Sie ist selbstbewusst und aktiv. Aber aus Gesprächen mit Unternehmen weiß ich: Sie wollen nicht nur wegen niedriger Quadratmeterpreise nach Bremen kommen. Wir haben eine exzellente Wissenschaftslandschaft und exzellente mittelständische Unternehmen. Wir sind dann hochattraktiv, wenn wir konkrete Inhalte bieten, zum Beispiel konkrete Projekte oder Themenschwerpunkte. Dann ist Bremen für Unternehmen attraktiv. Aber das ist auch eine etwas andere Art der Wirtschaftsförderung.

Wenn Sie als Unternehmer einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass der Wissens- und Technologietransfer noch stärker gefördert wird. Das ist ein Potenzial, das gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wir müssen das Know-how der Wissenschaft noch stärker mit Bremer Unternehmen verknüpfen. Und das nachhaltig.

Zur Person: Günther W. Diekhöner ist Präsident des Industrie-Clubs Bremen. Der Diplom-Ingenieur ist Chef der Denkfabrik, einer Unternehmensberatung. Deren Schwerpunkte sind unter anderem Forschung und Entwicklung.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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