Hautspezialist Ansgar Weyergraf über Vorurteile in der Öffentlichkeit und erfolgreiche Therapien bei Psoriasis
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„Schuppenflechte ist nicht ansteckend“

Sabine Doll 28.04.2014 0 Kommentare

Symptome der Schuppenflechte
Rote Flecken auf der Haut, die sich mit der Zeit verdicken, und darauf helle Schuppen - das sind die wichtigsten Symptome bei Schuppenflechte (Psoriasis). Foto: Arno Burgi (dpa)

Rötlich entzündete und schuppige Hautstellen – das sind die sichtbaren Symptome der Schuppenflechte. Die chronische und genetisch bedingte Erkrankung kann sich aber auch auf die Gelenke und andere Organe ausweiten. Die gute Nachricht: Es gibt heute mehrere Therapien, mit denen sich die Psoriasis in den meisten Fällen gut behandeln lässt. Darüber sprach Sabine Doll mit Dr. Ansgar Weyergraf, Chefarzt der Dermatologie und Allergologie in der Fachklinik Bad Bentheim.

Was passiert bei einer Schuppenflechte im Körper, wie entsteht die Erkrankung?

Ansgar Weyergraf
Ansgar Weyergraf ist Chefarzt in der Fachklinik Bad Bentheim sowie ihr Ärztlicher Direktor. Dort werden unter anderem Patienten, die an Schuppenflechte leiden, behandelt. (frei)

Ansgar Weyergraf: Die Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der Zellen des Immunsystems eine Entzündung an der Haut, aber auch an anderen Körperstrukturen hervorrufen.

Welche Körperstrukturen sind das?

Am häufigsten ist die Verbindung Haut- und Gelenkbefall. Bei den meisten Patienten ist zunächst die Haut betroffen, im weiteren Verlauf können die Gelenke befallen sein. In Deutschland betrifft dies etwa jeden fünften behandelten Patienten. Darüber hinaus gibt es auch andere Organe, die zwar nicht in unmittelbarem Zusammenhang betroffen sind, aber zufällig ebenfalls entzündliche Veränderungen aufweisen. Das können chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, aber auch entzündliche Augenerkrankungen wie Uveitis sein. Sie treten häufiger auf, wenn man eine Schuppenflechte hat. Außerdem gibt es durch die allgemeine Entzündungsreaktion ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen, da auch die Gefäßleiden, die wir sehr häufig sehen, eine entzündliche Ursache haben.

Was bedeutet das für die Behandlung?

Da die Erkrankung so komplex verlaufen kann, ist es sinnvoll, auf mögliche Begleiterkrankungen besonders zu achten und schwer betroffene Patienten in spezialisierten ärztlichen Zentren und Schwerpunktpraxen zu behandeln.

Welche Hautbereiche sind besonders häufig und stark betroffen?

Klassische Stellen sind die Streckseiten der großen Gelenke wie Knie und Ellenbogen. Sehr häufig sind auch der Bereich des Kreuzbeins oder die Kopfhaut betroffen. Es gibt zudem besondere Verteilungsformen. Das ist zum Beispiel die Psoriasis inversa, die sich vor allem an Hautfalten, im Leisten- oder auch im Genitalbereich entwickelt. Eine weitere Unterform der Schuppenflechte tritt an Händen und Füßen auf; sie beeinträchtigt die Patienten im Alltag in besonderem Maße.

Wann tritt eine Schuppenflechte zum ersten Mal auf?

Es gibt zwei Erkrankungsgipfel: Die meisten Patienten sind in den Jugendjahren rund um das 20. Lebensjahr erstmalig betroffen. Dann gibt es einen kleineren Gipfel um das 60. Lebensjahr.

Die Psoriasis verläuft in Schüben. Gibt es ein Muster, wie häufig und intensiv diese Schübe auftreten?

Einen typischen oder festen Verlauf kann man nicht vorhersagen. Wir wissen aber: Zeigt sich die Erkrankung früh und stark, ist auch das Risiko für eine Psoriasis Arthritis – also den Gelenkbefall – sowie für einen schwereren Verlauf hoch. Davon ist etwa ein Drittel der Patienten betroffen. Bei den übrigen Patienten verläuft die Erkrankung eher milde, sodass etwa nur die Haut an Ellenbogen und Knien befallen ist. Der weitere Verlauf ist sehr schwer abzusehen, denn es spielen viele unterschiedliche Auslöser eine Rolle, die die Entwicklung der Erkrankung ungünstig beeinflussen können.

Um welche Auslöser handelt es sich?

Der wichtigste Auslöser sind Infekte. Dann können bestimmte Medikamente wie etwa Betablocker, Operationen und auch Stress und psychische Krisen eine Rolle spielen.

Gibt es Möglichkeiten zur Vorbeugung?

Das ist sehr schwierig. Man rät zu einem allgemeinen gesunden Lebensstil wie einer vernünftigen Ernährung oder regelmäßigem Sport und Stressvermeidung, um das Immunsystem allgemein zu stärken.

Die Erkrankung hat auch ganz andere Folgen: Viele Patienten ziehen sich zurück, weil sie sich für die Hautveränderungen schämen. Es kommt sogar vor, dass Betroffene aus Schwimmbädern oder Fitnessstudios verwiesen werden. Wie erklären Sie sich diese Reaktionen?

Es gibt leider immer noch viel Unwissenheit über die Erkrankung. Die Hauptsorge ist wahrscheinlich, dass Schuppenflechte ansteckend ist; das ist aber nicht der Fall. Leider geraten die Patienten immer noch in solche Situationen, die sehr belastend und unschön sein können. Die Bäderverordnung lässt einen Verweis übrigens nicht mehr zu, in der Praxis sieht das aber häufig noch anders aus. Viele Patienten waren aus diesem Grund seit Jahren nicht mehr im Schwimmbad. Die Erkrankung wird als Stigmatisierung erlebt, der soziale Rückzug ist oft ein wesentliches Symptom.

Wie gut kann der Hautzustand durch eine Behandlung verbessert werden?

Therapieziel sollte in jedem Fall eine wesentliche Besserung und im Idealfall eine Abheilung sein. Aber: Damit ist keine Heilung erreicht, da die Erkrankung im Kern nach wie vor nicht heilbar ist.

Mit welcher Behandlung lässt sich eine

Abheilung erreichen?

Dafür stehen uns heute mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Basistherapie ist eine Salbenbehandlung. Reicht diese nicht aus, ist die UV-Therapie, insbesondere die sogenannte Balneophototherapie sehr erfolgreich. Dabei baden die Patienten in warmem Wasser mit bestimmten Zusätzen wie einer gesättigten Salzlösung, anschließend werden sie mit künstlichem UV-Licht bestrahlt. Auch ambulante Hautarztzentren bieten diese Therapie an. Vielen Patienten kann damit so gut geholfen werden, dass damit für mehrere Jahre eine Abheilung erreicht werden kann.

Was ist mit den Patienten, bei denen die Phototherapie keinen Erfolg bringt?

Da sollte man nicht zögern, eine Systemtherapie einzuleiten. Dabei handelt es sich um eine medikamentöse Therapie, bei der eine Behandlung von innen in Form von Tabletten oder Spritzen erfolgt. Das Grundprinzip hierbei ist die Kontrolle der Entzündungsreaktion. Beim Einsatz dieser Medikamente gibt es eine Art Stufenplan: Seit Jahrzehnten bewährte Wirkstoffe werden zuerst eingesetzt. Ist diese Wirkstoffgruppe nicht erfolgreich oder der Einsatz aus verschiedenen Gründen nicht möglich, stehen uns sogenannte Biologika zur Verfügung. Eine Systemtherapie ist immer dann gerechtfertigt, wenn ein mittelschwerer bis schwerer Befall vorliegt.

Ist die Systembehandlung für jeden Patienten geeignet?

Bei mittelschwerem bis schwerem Befall grundsätzlich ja – wobei es wegen bestimmter Nebenwirkungen Gründe gibt, die dagegen sprechen können. So wird etwa eine gute Nieren- und Leberfunktion vorausgesetzt. Ist dies nicht der Fall, ist die Auswahl des Medikaments schon stärker eingeschränkt. Außerdem muss man schauen, welche anderen Erkrankungen vorliegen und welche Medikamente ein Patient zusätzlich einnimmt. Das ist in jedem Fall individuell abzuklären. Wichtig ist: Die Systembehandlung wirkt nur so lange, wie die Medikamente auch eingenommen werden. Nach dem Absetzen zeigen sich die Symptome wieder nach einer gewissen Zeit.

Wann ist ein Klinikaufenthalt sinnvoll?

Die meisten Patienten können ambulant sehr gut behandelt werden. Kommt es trotzdem zu einer Zunahme oder einem Fortschreiten der Erkrankung, sollte eine Klinikbehandlung erfolgen. Der Vorteil ist bei einer stationären Behandlung, dass durch die Dichte der therapeutischen Möglichkeiten in relativ kurzer Zeit eine Stabilisierung des Hautbildes erreicht werden kann. Auf dieser Basis kann die ambulante Weiterbehandlung möglichst nahtlos anschließen. Neben der akut-stationären Behandlung besteht noch das Angebot der Rehabilitationskliniken. Der Vorteil einer medizinischen Reha ist, dass die Patienten dort neben der Hautbehandlung detailliert über ihre Erkrankung und das Selbstmanagement aufgeklärt werden können. Dieses Wissen ist ebenfalls wesentlich für einen günstigen weiteren Verlauf der chronischen Erkrankung.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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