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Oppositionsgruppe kämpft bisher vergeblich für mehr Transparenz und Teilhabe
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Streit in Hamburgs Handelskammer

Markus Lorenz 20.06.2015 0 Kommentare

Handelskammer Hamburg
Hamburgs Handelskammer öffnet sich – zumindest beim „Tag der offenen Tür“. (Daniel Bockwoldt, dpa)

Eine sonst so diskrete Hamburger Institution öffnet sich der Stadt – zumindest am Sonnabend und Sonntag. Die ehrwürdige Handelskammer lädt zum „Tag der offenen Tür“ in ihren imposanten Sitz am Adolphsplatz – das allererste Mal in 350 Jahren.

Hinter den Kulissen freilich sei die mächtigste Kammer Deutschlands weiterhin allzu verschlossen, kritisiert das Bündnis „Die Kammer sind Wir“. Seit anderthalb Jahren dringt die Oppositionsgruppe auf mehr Transparenz und Teilhabe. Doch inzwischen ist klar: Die Zusammenarbeit mit der Kammerspitze um Präses Fritz Horst Melsheimer ist gescheitert. „Präses Melsheimer zerschneidet das Tischtuch“, verkündet das Bündnis via Twitter – und konstatiert finster: „O.k., Herr Melsheimer, wir haben verstanden.“

Die „Rebellen“ um Unternehmensberater Tobias Bergmann halten die einflussreichste Wirtschaftsvertretung der Hansestadt mit 150 000 Mitgliedsfirmen für eine unzeitgemäße Black Box althanseatischen Unternehmertums. Das zu ändern und die Kammer durchzulüften, waren Bergmann und seine Mitstreiter angetreten. Im Januar 2014 schaffte es „Die Kammer sind Wir“ ins Parlament der Institution, das Plenum.

13 von 66 Sitzen gingen an die Reformbewegung, womit erstmals eine Opposition in dem Gremium vertreten ist. Politisch haben die meisten der Neulinge ihre Wurzeln bei SPD und Grünen.

Voller Lust, Energie und Hartnäckigkeit legen sich die Rebellen seither mit den Etablierten an. Hauptforderungen: öffentliche Plenarsitzungen, Bekanntgabe der Stimmergebnisse für Melsheimer und seine Präsidiumskollegen, Rückzahlung der 50-Millionen-Euro-Rücklagen an die Mitglieder sowie die Offenlegung des Gehalts von Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz. Erreicht haben sie von alledem bislang – nichts.

Dafür ist jetzt regelmäßig Streit an der Tagesordnung, wenn die Plenarmitglieder zusammentreten. Dies zwar stets hinter verschlossenen Türen, doch die Verbalgefechte landen meist ohne Umwege in Hamburger Redaktionen. Konflikte und abweichendes Stimmverhalten freilich sind völlig ungewohnt für eine Einrichtung, die seit Jahrhunderten nach dem Konsensprinzip beraten und entschieden hat. Motto: Intern können wir uns die Meinung sagen, nach außen sprechen wir mit einer Stimme für Hamburgs Wirtschaft.

Schon zur Hälfte der dreijährigen Wahlperiode ist unübersehbar, dass Kammer-Rebellen und Führungsspitze keine Freunde mehr werden. Zum bisher letzten großen Knall war es in der Mai-Sitzung gekommen, in der die Kritiker diverse Satzungsänderungen der Kammerführung durchfallen ließen. Als noch während der Sitzung Einzelheiten nach außen drangen, sah Melsheimer das eherne Prinzip der Vertraulichkeit grob verletzt. In der Juni-Sitzung konterte er mit scharfen Angriffen auf seine Kritiker.

Offiziell wollen Kammerchef und Hauptgeschäftsführer von einem Ende der Zusammenarbeit mit „Die Kammer sind Wir“ nichts wissen. „Es gibt selbstverständlich weiterhin Gespräche“, sagt Kammersprecher Jörn Arfs. Auch verweist er auf begonnene Reformen, etwa eine besseres Internetangebot für Unternehmen und stärkere Präsenz in den Bezirken.

Überdies kündigt Kammersprecher Arfs an: „Im Herbst wird der Hauptgeschäftsführer sein Gehalt veröffentlichen.“ Gleichwohl heißt es hinter vorgehaltener Hand, die Kammerführung sehe das Verhältnis zur Oppositionsgruppe für irreparabel zerrüttet.

Das öffentlich ausgetragene Zerwürfnis kommt in doppelter Hinsicht zur Unzeit. Gerade im Jahr ihres 350. Geburtstages möchte sich die Handelskammer als Vertreter ehrbaren Hamburger Unternehmertums und Garant des Wohlstands in der Hansestadt präsentieren. Zudem ist die Kammer eine Säule der Hamburger Olympia-Bewerbung. Vorwürfe, am Adolphsplatz seien Ewig-Gestrige am Werk, können die Olympia-Werber im Vorfeld des Referendums kaum gebrauchen.


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Leserkommentare
WK-28203 am 22.10.2019 11:44
Nur leider sind die bestimmten Bahnen/Busse der BSAG schon überfüllt, dort gibt es einfach kaum noch Platz drin...

Um es mal direkt ...
peteris am 22.10.2019 11:19
Ach die "armen Landwirte". Monokultur,Massentierhaltung und Grundwasserverseuchung, sind das Markenzeichen der so "armen Landwirte", was auch noch ...
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