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Von den ersten Büchern

Jürgen Wendler 23.08.2016 0 Kommentare

Ausstellung
Ein Beispiel für Bücher des frühen Mittelalters ist der Codex Brixianus. Dieses Evangeliar ist im sechsten Jahrhundert wahrscheinlich in Italien entstanden. (A2824 Franz-Peter Tschauner)

Inzwischen ist es für viele Menschen zu einer Selbstverständlichkeit geworden, Texte vor allem auf einem Computerbildschirm zu lesen – auch längere. Dass das klassische Buch trotzdem noch längst nicht ausgedient hat, lässt sich unter anderem an den Zahlen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ablesen. 2015 sind fast 90.000 Bücher als Neu- oder Erstauflagen erschienen. Die Zahl der verkauften E-Books lag bei 27 Millionen. Am gesamten Buchumsatz hatten diese gleichwohl nur einen Anteil von viereinhalb Prozent. Anhänger des Buchs in seiner klassischen Form nennen als dessen Vorteil unter anderem, dass es ein haptisches Erlebnis beschere. Solche Bücher lassen sich anfassen, ertasten. Und wer etwas ergreifen kann, begreift es vermutlich auch auf eine besondere Weise. Klar ist, dass die Fähigkeit, Bücher herzustellen, zu den wichtigsten Errungenschaften der Menschheit gehört.

Im Zusammenhang mit der Geschichte des Buchs kommt vielen Menschen zuallererst der Name Johannes Gutenberg in den Sinn. Er ebnete im 15. Jahrhundert der Massenproduktion von Büchern den Weg, indem er den Buchdruck mit beweglichen Lettern entwickelte. Bewegliche Lettern sind einzelne Buchstaben aus Metall, die früher in Setzkästen aufbewahrt wurden, um mit ihrer Hilfe Texte zum Drucken zusammenzusetzen. Gutenberg hat im Europa des 15. Jahrhunderts mit solchen wiederverwendbaren Lettern den Buchdruck revolutioniert. Zuvor war es üblich, den Text einer Seite in einen Holzblock zu schneiden, die Oberfläche einzuschwärzen und dann auf ein Stück Papier zu pressen. Dieses Verfahren war wesentlich aufwendiger.

Dass die Geschichte des Buchs sehr viel weiter zurückreicht als bis zur Zeit Gutenbergs, zeigt die Tatsache, dass es in Mesopotamien bereits vor mehreren Jahrtausenden Versuche gab, beschriftete Tontafeln mithilfe von Scharnieren zu Büchern zu machen. Dass dabei nur wenige Tafeln verbunden werden konnten, liegt auf der Hand. Eine ähnliche Erfahrung machten die Griechen der Antike, die Holz- und Wachstafeln zusammenfügten. Größere praktische Bedeutung erlangten deshalb zu jener Zeit nur die Bücher in Rollenform.

Texte auf Papyrus

Statt Tontafeln verwendeten die Ägypter zum Beschreiben schon im dritten vorchristlichen Jahrtausend Papyrus. Fachleute vermuten, dass der Ausdruck Papyrus auf ein ägyptisches Wort zurückgeht, das einen Hinweis auf den Pharao enthält. Die Herstellung des Schreibmaterials war im Ägypten der Pharaonen ein königliches Privileg. In der im dritten vorchristlichen Jahrhundert entstandenen berühmten Bibliothek von Alexandria lagerten Hunderttausende Papyrusrollen.

Aus den zerschnittenen Stängeln der bis zu drei Meter hohen Papyrusstauden wurden Blätter gefertigt, die mithilfe des Pflanzensafts zu Papyrusrollen von Dutzenden Metern Länge verklebt werden konnten. Um die Blätter herzustellen, wurde das Mark aus dem Stängel der Papyrusstauden in lange dünne Streifen geschnitten. Diese wurden dann dicht nebeneinander gelegt. Anschließend kam eine zweite Schicht aus Papyrusstreifen darüber – und zwar so, dass die Streifen der beiden Schichten im rechten Winkel zueinander verliefen. Das Ganze wurde dann gepresst, getrocknet und poliert – zum Beispiel mithilfe von Muschelschalen oder glatten Kieselsteinen. Der stärkehaltige Saft aus den Pflanzenzellen stellte sicher, dass die Streifen miteinander verklebten. Zum Beschreiben des elfenbeinfarbenen Materials, das erst im Laufe der Zeit eine gelbliche oder bräunliche Färbung bekam, dienten den Menschen der Antike schwarze oder rote Flüssigkeiten. Die schwarze Flüssigkeit wurde mit Ruß hergestellt, die rote mit Ocker. Zum Schreiben benutzte man anfangs einen schräg gekappten Binsenhalm, später einen an der Spitze gespaltenen Rohrhalm. Von den Ägyptern übernahmen andere Völker die Praxis, auf Papyrus zu schreiben, so etwa die Griechen und die Römer. Noch im Mittelalter war es in Europa lange Zeit üblich, Papyrus zu verwenden.

Erfindung des Pergaments

Am häufigsten genutzt wurde im Mittelalter jedoch Pergament, das sich bereits im Altertum neben Papyrus als Material zum Beschreiben durchgesetzt hatte. Der Name geht auf die Stadt Pergamon in Kleinasien auf dem Gebiet der heutigen Türkei zurück. Dort soll es im zweiten vorchristlichen Jahrhundert eine große Sammlung von Schriftrollen gegeben haben, die der ägyptische König – auch Herr über die Bibliothek von Alexandria – angeblich als Konkurrenz empfand. Deshalb, so heißt es in einem antiken Text, habe er die Ausfuhr von Papyrus nach Kleinasien verboten. Sprich: In Pergamon musste nach einer Alternative gesucht werden. Forscher halten diese Geschichte allerdings für eine Legende. Sie nehmen an, dass das Pergament schon vor jener Zeit erfunden worden war. Das Pergament wurde aus Tierhäuten hergestellt, die gewaschen, enthaart, entfettet, gebeizt und auf einen Rahmen gespannt wurden. Anschließend wurde das Material mit einer scharfen Klinge von beiden Seiten abgeschabt, um die gewünschte Dicke zu erhalten. Gegenüber Papyrus hatte Pergament den Vorteil, dass es haltbarer war und von beiden Seiten beschriftet werden konnte.

Wer als Erster auf die Idee kam, Pergament zu falten, zusammenzuheften, die einzelnen Blätter aufzuschneiden und das Ganze dann mit einem Einband zu versehen, ist nicht überliefert. Fachleute gehen aber davon aus, dass die ersten Bücher dieser Art, die als Kodizes (Einzahl: Kodex) bezeichnet wurden, im ersten nachchristlichen Jahrhundert aufgetaucht sind. Vom römischen Dichter Martial ist bekannt, dass er sich begeistert über die neue Methode äußerte. Die Christen hatten maßgeblichen Anteil daran, dass sich diese Form des Buchs durchsetzte. Ein berühmtes Beispiel ist der im vierten Jahrhundert entstandene Codex Vaticanus, der den nahezu vollständigen Text des Alten und Neuen Testaments in griechischer Sprache enthält.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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