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Weltmeister in Fischstäbchen

Silke Hellwig 14.10.2016 0 Kommentare

Fisch Wirtschaft - Bremerhaven - Fisch-Wirtschaft - Fischwirtschaft - Fa. Frozen Fish - Iglo - Bird Eyes - Findus -
Frozen Fish International ist das größte Tiefkühlfisch-Unternehmen der Welt und gehört zur Iglo Group. Mit der Übernahme durch die Nomad Foods Europe konzentriert man sich in Bremerhaven ganz auf panierte Fischprodukte. (Frank Thomas Koch)

Aber Fischstäbchen ist nicht gleich Fischstäbchen, wie Alexandra Porwoll erläutert. Die Sprecherin des Werks im Fischereihafen zählt auf: Das Sortiment umfasst nicht nur konventionelle, sondern auch Vollkorn-, Omega 3- und Backteig-Fischstäbchen. Zudem produziert das Werk nicht nur für Deutschland, sondern auch für das Ausland. Die Panade differiert nach Nationalität der Verbraucher. Für Schweden darf es etwas mehr Salz sein, für Großbritannien etwas weniger. Dort gibt es jedoch eine Salt & Vinegar- und eine glutenfreie Variante.

Die verschiedenen Fischstäbchen-Sorten werden in Bremerhaven obendrein in verschiedenen Größen und unter verschiedenen Markennamen abgepackt. In Großbritannien und Irland steht „Birds Eye“ auf den Verpackungen, in Italien „Findus“. Nicht nur die Packungsgrößen und -formen variieren von Nation zu Nation, sondern auch Größe und Gewicht des panierten Fischs (siehe Text unten). Kurz: Die Fischstäbchen-Produktion ist nicht immer gleich, sondern flexibel, laut Alexandra Porwoll werden die Stäbchen in rund 120 Kombinationen hergestellt.

Fisch Wirtschaft - Bremerhaven - Fisch-Wirtschaft - Fischwirtschaft - Fa. Frozen Fish - Iglo - Bird Eyes - Findus -
Etwa 1,5 Milliarden Fischstäbchen verlassen Frozen Fish pro Jahr. (Frank Thomas Koch)

Frozen Fish International wird seinem Namen gerecht, das Werk ist international ausgerichtet.  „Etwa 38 Prozent unseres Volumens verkaufen wir hier“, sagt Werksleiter Peter Bayer. Weitere 30 Prozent gehen nach Großbritannien, der Rest vor allem nach Italien, Österreich, Belgien, die Niederlande und Portugal.

Die Produktionslinien für die Fischprodukte sind von enormer Länge. Glänzendes Metall zieht sich Meter über Meter. Eingangs der komplexen Maschinen werden Alaska-Seelachs-Filets in gefrorenen Blöcken von 7,5 Kilo Gewicht aus der Kartonage gelöst, anschließend von Mitarbeitern in Augenschein genommen, bevor sie unter die Säge kommen und nach vielen Metern und diversen Verarbeitungsschritten als paniertes, schockgefrostetes und verpacktes Erzeugnis die Produktionslinie verlassen. In Bremerhaven steht laut Bayer seit einigen Tagen die modernste Maschine, die der Markt für derartige Produktionen zu bieten hat. Aus dem Fischblock wird in drei Minuten ein handelsüblich verpacktes paniertes Stäbchen. Die neue Produktionslinie wurde gerade erst in Betrieb genommen.

Fisch Wirtschaft - Bremerhaven - Fisch-Wirtschaft - Fischwirtschaft - Fa. Frozen Fish - Iglo - Bird Eyes - Findus - Werk
Peter Bayer leitet das Werk am Lunedeich im vierten Jahr. (Frank Thomas Koch)

In der weltweit größten Tiefkühlfisch-Fabrik werden rund 50 000 Tonnen Fisch pro Jahr verarbeitet. Damit sind knapp 680 Mitarbeiter beschäftigt. Der Ursprung des Unternehmens liegt in der 1896 gegründeten „Nordsee“-Fischfangflotte. FFI gehört zur Iglo; Iglo wiederum zählte fast ein halbes Jahrhundert zum niederländisch-britischen Konzern Unilever. 2006 verabschiedete sich Unilever von der Tiefkühl-Sparte. Iglo ging (für 2,6 Milliarden Euro) an die Investmentgesellschaft Permira. Seit Mitte 2015 haben Iglo und damit auch FFI einen neuen Besitzer: den Nahrungsmittelkonzern Nomad Foods Europe. Seither bestehe der Verbund, so Bayer, aus elf Werken, darunter zwei in Deutschland. Der Bremerhavener Betrieb ist der größte nach Umsatz und Mitarbeiterzahl. „Wir sind gerade dabei, uns strategisch neu auszurichten“, sagt Bayer. 

„Wir haben überlegt, wo unser Platz in diesem Produktionsnetzwerk künftig ist und richten uns entsprechend neu aus“, sagt Bayer. Das bedeute: „Wir bauen das aus, was wir gut können, und trennen uns von dem, worin wir nicht so gut sind.“ Das Bremerhavener Know-how drehe sich um „hoch automatisierte, großvolumige Produkte“: Fischstäbchen, Schlemmerfilets und andere panierte Fischprodukte, beispielsweise für die Gemeinschaftsverpflegung. Zwei andere Produktionslinien – für aufwendigere Produkte, die nicht in die schlanke, schnelle Fertigung passen – werden laut Bayer zum Ende des Jahres stillgelegt. Die Schwesterwerke in Frankreich und Spanien übernehmen die Fertigung. Damit müssen 80 Arbeitsplätze aufgegeben werden. Bei einen Viertel handele es sich um auslaufende Verträge, für die anderen Mitarbeiter habe man sich bemüht, Lösungen auf freiwilliger Basis zu finden.

Bremerhaven werde zum Kompetenzzentrum für Fisch innerhalb der Nomad-Gruppe. Entsprechend konzentriere sich die Bremerhavener Entwicklungsabteilung auf neue Produkte – dazu zählten auch Bemühungen, in der Herstellung auf Palmöl zu verzichten, was vor allem technologisch für die Massenproduktion durchdacht sein müsse. Für Großbritannien sei ein neues Produkt namens Chargrills mit Grillstreifen und Würzüberzug entwickelt worden, das als „großer Erfolg“ angesehen werden könne.

Der bei Frozen Fisch verwendete Fisch stamme ausschließlich aus bestandserhaltender Fischerei und ist MSC-zertifiziert (Gütesiegel der gemeinnützigen Organisation Marine Stewardship Councils). Die Entstehung des Siegels wurde Mitte der 1990er-Jahre von Unilever mit angeschubst. Frozen Fish verzichtet laut Bayer seit Jahren auch auf Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Aromen. Unilever habe unter dem Titel „Clean Cupboard“ – reiner Küchenschrank – eine Philosophie vertreten, „wonach in Produkten nichts enthalten sein darf, was man nicht auch zu Hause im Schrank hat. Daran halten wir uns.“

Das unternehmenseigene Nachhaltigkeitsprogramm nennt sich „Forever Food Together“. Die Fischereien, von denen die Rohware bezogen wird, verpflichten sich den Prinzipien eines nachhaltigen Fischfangs. Die Herkunft der Fische kann zurückverfolgt werden, auch vom Verbraucher – sofern er auf der Iglo-Homepage einen entsprechenden Code eingibt. „Wir haben außerdem jemanden an Bord der Fangschiffe unserer Lieferanten, der schon die Mitarbeiter dort trainiert, um unsere Qualitätsansprüche erfüllen zu können“, so Bayer.

Die Besitzer haben gewechselt, mitunter wechselte auch die Strategie. Käpt‘n Iglo ging und kam zurück. Peter Bayer schaut zuversichtlich in die Zukunft. „Es ist nie so viel Geld in diesen Standort investiert worden wie in den vergangenen Jahren“, rund sechs Millionen Euro pro Jahr. Das Werk sei gut aufgestellt. Es sei ihm nicht leicht gefallen, sich von Mitarbeitern zu trennen, aber die Umstrukturierung diene der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts innerhalb der Unternehmensgruppe. „Deshalb tragen das hier auch alle mit.“


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Leserkommentare
holger_sell am 23.10.2019 14:58
Dann schreiben Sie doch einfach mal nichts.
Jede Entscheidung gegen die Pläne des PM erhöht die Chance auf eine neue Volksabstimmung. Mit dem ...
IhrenNamen am 23.10.2019 14:46
10 Minuten Fehlalarm führen zu völliger Panik und Posttraumatischen Belastungsstörungen... Wie überleben eigentlich die Menschen in echten Kriesen- ...
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