Wetter: Nebel, 11 bis 15 °C
Natürliche Dienstleistungen
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Wieso Menschen von Wiesen profitieren

Jürgen Wendler 23.08.2016 0 Kommentare

Sommerblumen
Eine blühende Wiese ist nicht nur schön anzusehen, sondern erfüllt im Naturhaushalt auch eine Vielzahl von Aufgaben. So trägt sie dazu bei, die Nahrungsversorgung zu sichern und ein angenehmes Klima zu schaffen. (Frank Rumpenhorst, dpa)

Komplexe Ökosysteme

Mit dem Ausdruck Ökosystem beschreiben Wissenschaftler das Miteinander von Lebewesen wie Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren sowie deren Zusammenspiel mit der unbelebten Umwelt. Ökosysteme sind komplexe Beziehungsgefüge und offen, das heißt: Es werden Stoffe von außen zugeführt, und bereits vorhandene Stoffe können verloren gehen.

Dass solche Systeme aus dem Gleichgewicht geraten und ihre natürliche Fähigkeit verlieren können, sich selbst zu regulieren, zeigt das Beispiel von Gewässern, in die zu viele Nährstoffe gespült werden, etwa von landwirtschaftlichen Flächen. Das Überangebot an Nährstoffen führt dazu, dass sich Algen stark vermehren. Auch Lebewesen, die sich von ihnen ernähren, profitieren zunächst von der Entwicklung. Dann aber kippt das Gewässer um, wie Fachleute sagen. Ein stärkeres Algenwachstum bedeutet zugleich, dass Mikroorganismen wie Bakterien mehr Überreste von Lebewesen abbauen müssen. Dabei verbrauchen sie jedoch Sauerstoff, der nun anderen Lebewesen fehlt. Eine mögliche Folge ist ein Fischsterben. Zu den Leidtragenden können auch Menschen gehören, die auf die Fische als Nahrung angewiesen sind.

Gärten mit einer großen Vielfalt an Blütenpflanzen und blühende Wiesen bieten unter anderem Insekten wie Schmetterlingen und Bienen reichlich Nahrung. Bienen fliegen Blüten an, um Pollen und Nektar – eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die von Drüsen in der Blüte abgesondert wird – zu ernten. Aus dem Nektar erzeugen sie für ihre eigene Ernährung Honig. Pollenkörner werden von ihnen als Grundstoff für die Ernährung ihres Nachwuchses verwendet. Mit den Bienen gelangen Pollenkörner, die an ihrem Körper haften, auch zu den Blüten anderer Pflanzen. Die kleinen Tiere tragen damit ebenso wie andere Insekten zur Bestäubung von Pflanzen bei, das heißt zu deren Vermehrung. Dies gilt auch für Nutzpflanzen wie Raps, Ackerbohnen oder Heidelbeeren. Sprich: Funktionierende Ökosysteme sichern die Versorgung mit Honig und anderen Lebensmitteln.

Daneben sind ihnen aber noch viele andere Dienstleistungen zu verdanken. So bietet eine blühende Wiese nicht nur einen schönen Anblick und einen Raum, in dem sich Menschen erholen können, sondern hilft auch, ein angenehmes Klima zu schaffen. Schließlich verarbeiten Pflanzen das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft und setzen Sauerstoff frei. Auch deshalb betonen Fachleute immer wieder, dass Bäume und andere Pflanzen besonders in Städten eine herausragende Bedeutung besäßen. Von großem Nutzen seien sie dort auch, weil sie zur Verringerung der Lärmbelastung beitrügen und Luftschadstoffe bänden.

Studie zu Wiesen

Erfüllen kann eine Wiese ihre vielfältigen Aufgaben als Ökosystem nur, wenn die Lebewesen auf den verschiedenen Ebenen der Nahrungskette zusammenwirken. Für ihre kürzlich im Fachjournal „Nature“ veröffentlichte Studie hat eine internationale Forschergruppe um Santiago Soliveres von der Universität Bern alle Gruppen von Lebewesen entlang einer Nahrungskette in einer natürlichen Graslandschaft untersucht. Die mehr als 300 Wissenschaftler nutzten Daten zu 4600 Tier- und Pflanzenarten von 150 Grünlandflächen in drei Regionen Deutschlands. Auch Arten von Mikroorganismen, die Überreste von Lebewesen im Boden zersetzen und dabei Nährstoffe freisetzen, wurden bei der Untersuchung berücksichtigt.

„Gerade bei Bodenuntersuchungen wird oft übersehen, wie wichtig die Rolle unterschiedlicher Organismengruppen für Umsetzungsprozesse von Kohlenstoff und Nährstoffen ist“, erläutert Marion Schrumpf vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie. Häufig wird der Boden gedüngt, um das Pflanzenwachstum zu fördern. Was kurzfristig hilft, kann den Expertenangaben zufolge aber langfristig dazu führen, dass sich die Artenvielfalt verringert. Wie die Forscher herausgefunden haben, ist diese Vielfalt jedoch unerlässlich, wenn Ökosysteme ihre Aufgaben erfüllen sollen. An jeder Dienstleistung seien verschiedene Gruppen von Lebewesen beteiligt, und eine große Artenvielfalt innerhalb der einzelnen Gruppen erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die Dienstleistung erbracht werde, betonen sie.

Arbeit im Verborgenen

Vieles, was Lebewesen leisten – auch zum Wohl des Menschen –, geschieht im Verborgenen. Ein Beispiel hierfür liefern auch die Regenwürmer. In Deutschland gibt es 46 Arten von Regenwürmern, wie eine 2014 im Fachjournal „Zootaxa“ veröffentlichte Untersuchung gezeigt hat. Nur eine dieser Arten kommt nach den Erkenntnissen der Forscher ausschließlich in Deutschland vor, ist also „endemisch“, wie Fachleute sagen. Bei ihr handelt es sich um den Badischen Riesenregenwurm (Lumbricus badensis). Der bis zu 60 Zentimeter lange Wurm ist im südlichen Schwarzwald zu Hause.

Besonders häufig vertreten ist hierzulande der Gemeine Regenwurm oder Tauwurm (Lumbricus terrestris), der eine Länge von bis zu 30 Zentimetern erreichen kann. Er ist nicht nur länger als viele andere Regenwurmarten, sondern kann zudem mehrere Meter tiefe Gänge graben. Biologen rechnen Regenwürmer zur Ordnung der sogenannten Wenigborster. Der Körper der Tiere besteht aus Segmenten, und an jedem dieser Segmente befinden sich winzige Borsten. Diese können sich im Boden festhaken, dem Wurm Halt geben und ihm bei der Fortbewegung helfen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Ring- und Längsmuskeln, die dafür sorgen, dass sich der Körper dehnen und zusammenziehen kann.

Regenwürmer sind gut für Pflanzen

Dass Regenwürmer gut für den Boden und das Pflanzenwachstum sind, hängt nicht zuletzt mit ihrem Kot zusammen, der unter anderem Stickstoff, Phosphat, Kalium, Magnesium und Kalzium enthält. Für Pflanzen ist Stickstoff ein unersetzlicher Nährstoff. Sie nehmen über ihre Wurzeln aus dem Boden stickstoffhaltige Verbindungen wie Nitrate auf. Auch andere Nährstoffe wie Phosphor und Kalium stammen aus dem Boden.

Indem sich Regenwürmer durchs Erdreich graben, belüften sie den Boden und erhöhen dessen Fähigkeit, Regenwasser zu speichern. Außerdem befördern sie Nährstoffe aus tieferen Bereichen zu den Wurzeln von Pflanzen. Zu biologischen Schädlingsbekämpfern werden die Tiere dadurch, dass sie Laub in tiefere Bereiche des Bodens ziehen und fressen. Damit vertilgen sie nach Darstellung von Fachleuten zugleich Pilzsporen und andere Keime.

Die Arbeit der internationalen Forschergruppe um Soliveres ist eine von zahlreichen Studien, die den Wert der biologischen Vielfalt unterstreichen. Diesen haben Forscher in den vergangenen Jahren auch mit Blick auf die Landwirtschaft und die verbreiteten Monokulturen betont. Im Ausdruck Monokultur stecken ein griechischer Begriff für allein und ein lateinischer für Anbau. Wenn auf riesigen Flächen nur eine Nutzpflanzenart angebaut wird, hat dies für Landwirte den Vorteil, dass sich die Flächen leichter mit bestimmten Maschinen bearbeiten lassen. Diese Art der Landwirtschaft birgt allerdings auch erhebliche Risiken. So kann sie beispielsweise dazu führen, dass der Boden verarmt, das heißt die Menge an Nährstoffen sinkt, und die Anfälligkeit der Pflanzen für Schädlinge und Krankheiten zunimmt. Um die Pflanzen zu schützen und Schädlinge zu vertreiben oder zu töten, werden häufig Pestizide eingesetzt. Bei der Verwendung solcher chemischen Stoffe besteht aber die Gefahr, dass sie sich im Boden anreichern, in Flüsse und Seen gespült werden und nicht nur die Schädlinge, sondern auch andere Lebewesen schädigen.

Vor diesem Hintergrund hat der Ökologie-Professor Bernhard Schmid von der Universität Zürich für einen grundlegenden Wandel in der Landwirtschaft geworben. In Zukunft komme es darauf an, bei den Bemühungen um die Verbesserung der Leistung nicht mehr auf Mono-, sondern auf Mischkulturen zu setzen, das heißt auf Gemeinschaften mit unterschiedlichen Pflanzenarten oder -sorten, erklärte er vor knapp zwei Jahren, als er und andere Forscher entsprechende Studienergebnisse im Fachjournal „Nature“ veröffentlichten. Ihre Arbeit belegt, dass Gemeinschaften von Wiesenpflanzen höhere Erträge bringen als Monokulturen.

Arten zeigen ihre Stärken

Wie sich bei den Untersuchungen über eine Reihe von Jahren herausgestellt hatte, bereiten Schädlinge bei Mischkulturen weniger Probleme. Nährstoffe aus dem Boden, Licht und Wasser werden besser genutzt als bei Monokulturen. Dies liegt nach den Erkenntnissen der Forscher nicht zuletzt daran, dass sich Arten innerhalb weniger Generationen insofern an ihre Gemeinschaften anpassen, als sie sich auf ihre Stärken spezialisieren. Ein Beispiel liefern höhere Gräser, die dickere Blätter ausbilden, um das Sonnenlicht bestmöglich zu verwerten. Kleearten treiben nach Darstellung der Wissenschaftler größere, aber dünnere Blätter aus, um die in Bodennähe vorhandene Lichtenergie möglichst gut aufnehmen zu können. Wie Schmid betonte, zeigen sich die positiven Wirkungen der Vielfalt nicht nur auf Wiesen, sondern auch beim Anbau verschiedener Sorten von Nutzpflanzen wie Weizen.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 30 %
Community-Regeln des WESER-KURIER
Community-Regeln des WESER-KURIER

Um eine anregende, sachliche und für alle Parteien angenehme Diskussion auf www.weser-kurier.de sowie auf Facebook zu ermöglichen, haben wir folgende Richtlinien entwickelt, um deren Einhaltung wir Sie bitten möchten. 

Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Der WESER-KURIER bei Twitter
WESER-KURIER Kundenservice