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Schauspieler Fritz Karl über seine Rolle als "Inspektor Jury"
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"Wir wollten keinen Pilcher-Film machen"

23.01.2014 0 Kommentare

Fritz Karl
Der Österreicher Fritz Karl alias „Inspektor Jury“ ermittelt am Montagabend im Fall „Der Tote im Pub“. FOTO : DPA (Marc Müller, picture alliance / dpa)

Er ist der beste Mann von Scotland Yard und einer der beliebtesten Helden der Krimigeschichte: Inspektor Jury. Seit 1981 lässt die amerikanische Bestsellerautorin Martha Grimes den englischen Ermittler regelmäßig mysteriöse Mordfälle lösen, allein in Deutschland haben sich die Bücher unzählige Male verkauft. Ab kommenden Montag kommt der populäre Gaunerschreck auch ins Fernsehen. Cornelia Wystrichowski hat mit dem österreichischen Hauptdarsteller Fritz Karl alias „Inspektor Jury“ gesprochen.

Wie spielt man einen englischen Ermittler, ohne Klischees wie Tweedjacke und Sherlock-Holmes-Pfeife zu nutzen?

Fritz Karl: Man muss sich frei machen von solchen Klischees. Ich wollte natürlich keinen pfeiferauchenden, tweedtragenden Scotland-Yard-Mann spielen, der schön gekämmte Haare hat. Ich habe mir Attribute zusammengesucht, die zu den Briten passen, und bin extra schon vor den Dreharbeiten nach England gereist, um die Atmosphäre aufzusaugen. Die Leute dort sind ja sehr vielfältig, fast schon widersprüchlich. Da ist man zur Teatime in einem Schloss eingeladen, und der Schlossbesitzer empfängt einen mit Löchern in den Schuhen. Ihm ist es im Grunde genommen nur wichtig, dass der Tee gut ist.

Kannten Sie die Krimiromane um Inspektor Jury vorher?

Nein, und ich war erstaunt, wie viele Menschen die Bücher kennen. Es ist immer schwierig, solche populären Bücher zu verfilmen. Es gibt so viele Fans mit ihren Erwartungen, jeder Leser hat seine Vorstellung, welcher Protagonist wie ausschaut. Aber es ist uns glaube ich gut gelungen, die Atmosphäre der Jury-Welt einzufangen.

Können Sie mittlerweile verstehen, was Millionen Leser in aller Welt an den Geschichten fasziniert?

Die Krimis werden ja sehr viel von Frauen gelesen, und die Faszination hat sicherlich mit der Figur des Jury zu tun, der ein geheimnisvoller, einsamer Wolf ist. Dazu kommt sein Freund, der Dandy Melrose Plant, und es gibt viele skurrile Figuren. Das steht in einer guten englischen Tradition, ein wenig wie bei Agatha Christie, und das lieben wir doch alle.

Wenn Sie selber zuvor kein Jury-Fan waren – was war für Sie der Grund, diese Rolle anzunehmen?

Eine Amerikanerin schreibt einen Krimi, der in England handelt, ein deutscher Sender verfilmt das, und ein Österreicher spielt den Kommissar – das ist so abgefahren, dass ich dachte, das probieren wir mal. Außerdem wollte ich gerne einen Krimi drehen, der nicht in dieses deutsche Krimifahrwasser kommt, sondern eine gewisse Leichtigkeit hat.

Welches Krimifahrwasser meinen Sie?

Ach, immer diese Sozialkritik, der moralische Zeigefinger. Alle reden im gleichen monotonen Tonfall und machen nicht mal den Mund auf beim Sprechen. Dieser bedrückende deutsche Bierernst ist bei uns weg. Wir erzählen kein Sozialdrama um ein vernachlässigtes Kind, wo der Vater arbeitslos ist und die Mutter trinkt, und betten das dann noch in einen Kriminalfall ein. Unser Film lebt von Humor, Skurrilität, ein bisschen Bösartigkeit, er hat englischen Verve und vielleicht ist es ja ganz gut, dass das ein Österreicher spielt.

Fühlen Sie sich denn mittlerweile selber ein bisschen britisch?

Das Ganze ist schon eine Frage des Humors. In England ist der Humor großartig, da ist nicht immer alles politisch korrekt. Das ist in Wien auch so, bei den großen Kabarettisten wie Qualtinger oder Hader. Aber zur Ehrenrettung der Deutschen muss ich sagen: Sie holen mächtig auf. Den trockenen Humor der Hamburger zum Beispiel finde ich klasse.

War es an den Drehorten in der Grafschaft Dorset eigentlich so britisch pittoresk, wie es im Film rüberkommt?

Ja, das Land ist gesegnet, es hat wunderschöne Ecken und Häuser, und die Leute passen zum Glück auf ihre Tradition auf. Da wird Altes nicht abgerissen, sondern hergerichtet. Wir mussten beim Filmen sogar aufpassen, dass es nicht zu kitschig wird.

Damit der Film nicht so aussieht wie bei Rosamunde Pilcher?

Wir haben sehr aufgepasst, dass es nicht da hinkommt. Es gibt sogar Szenen, in denen wir mit künstlichem Regen gearbeitet haben, denn wir hatten das Glück oder eben Pech, dass unglaublich schönes Wetter war. Natürlich wären die Leute in einem Pilcher-Film völlig anders angezogen als bei uns, da hätte ich als Inspektor Jury dann eben doch ein Tweedjacket an. Aber nehmen Sie allein schon das Haus, in dem ich gelebt habe. Es stand auf einem Felsen in einer Bucht, daneben waren grüne Wiesen mit Schafen – wenn man das auf einem Foto sieht, sagt man: Was für ein Kitsch.

Es gibt mehr als 20 Inspektor-Jury-Krimis. Können Sie sich vorstellen, die alle zu verfilmen?

Wenn ich 20 Jury-Filme machen würde, da wäre ich ja bei einem Film pro Jahr am Ende 65 Jahre alt – das möchte ich mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen. Jetzt müssen wir erst mal schauen, wie sich das alles entwickelt. Im Moment sondieren wir gerade, welches Buch wir als nächstes verfilmen könnten.


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Leserkommentare
derMeier am 19.10.2019 16:40
Ist ein 50 seitiges Gutachten wirklich notwendig, um das Offensichtliche zu bestätigen? Als wäre das irgendwie ein schwer zu beurteilender Fall? ...
suziwolf am 19.10.2019 16:31
Gerne ... „ischa Freimaak“ ...

mit manchmal auch v-e-r-brannte-n Mandeln.

Auf weitere gute Zusammenarbeit. ...
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