Gastkommentar über die Pflege
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Ambulant vor stationär – doch wohl nur eine Mär

Theo Schlüter 17.12.2017 0 Kommentare

MIT / Neujahrsempfang Presseclub mit Til Mette
MIT / Neujahrsempfang Presseclub mit Til Mette (Walter Gerbracht)

Da schaffte es ein junger Krankenpfleger doch tatsächlich, in einer TV-Sendung vor der Bundestagswahl Angela Merkel in Verlegenheit zu bringen – und damit das Thema Pflege wieder auf die politische Agenda. Kurz darauf versprach Martin Schulz einen „Neustart in der Pflege“. Und in den Medien wird seither viel über Pflegeheime, Personalknappheit, schlechte Bezahlung, Fachkraftquote und Ähnliches berichtet. Das ist auch gut so.

Warum aber geht es dabei fast ausnahmslos um Pflegeheime? Dort werden nur 27 Prozent der etwa drei Millionen Pflegebedürftigen betreut. Über zwei Millionen werden zu Hause versorgt, davon 1,4 Millionen ausschließlich durch Angehörige. Ambulant vor stationär, wie im Sozialgesetzbuch gewünscht.

Politiker loben pflegende Angehörige gern. Gesundheitsminister Hermann Gröhe zum Beispiel. Aber auch Niedersachsens neue Sozialministerin Carola Reimann. Sie sagte auf einem Kongress: „Die Familie ist der erste und größte Pflegedienst in Deutschland.“ Auf die Frage, warum denn dann die Pflegekassen für die stationäre Pflege zwei- bis dreimal so viel bezahlen wie für die Pflege durch Angehörige, antwortete sie: „Die Arbeit von Profis braucht eine andere Wertschätzung – daher wird mehr bezahlt.“

Angehörige brauchen diese Wertschätzung nicht. Denn sie haben eine „sittliche Beistandspflicht“ – 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr. Und wenn sie dabei umfallen, haben sie Pech gehabt – und die von ihnen betreuten Pflegebedürftigen auch. Zwar gibt es dann den Anspruch auf Kurzzeitpflege in einem Heim. Aber was hilft dieser Anspruch, wenn Heime sich nicht in der Lage sehen, schwerst Pflegebedürftige zu versorgen und daher – durchaus verantwortungsbewusst – eine Aufnahme ablehnen? Wehe denen, die dann keine guten Freunde und Nachbarn, keine Ersparnisse und keine Kontakte zum illegalen Arbeitsmarkt haben.

Vorschlag: Zahlt doch wenigstens unheilbar Kranken für die Pflege zu Hause die Summe, die auch Heime bekommen. Dann könnten sie sich individuell Hilfe organisieren und das bisschen Restleben wenigstens noch halbwegs leben, statt gelebt zu werden. Aber diese Lösung ist verbaut. Warum? Das weiß die Stiftung Patientenschutz: „Weil es dem Gesetzgeber nicht möglich sein wird, in jedem Einzelfall die charakterliche Eignung des pflegenden Angehörigen zu prüfen.“

Ob es dem Gesetzgeber wohl möglich ist, die charakterliche Eignung der Finanzanleger zu prüfen, die so großes Interesse an Pflegeheimen haben? Dumme Frage! Die sind ja Profis und brauchen daher eine andere Wertschätzung.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
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