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Dreck und Lärm an der Bundesstraße B 75 machen Walter Malgut zu schaffen
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Anwohner fordert Hilfe

Karin Mörtel 28.08.2017 0 Kommentare

SÜD / Luftverschmutzung Hochstrasse /Neckarstraße /Walter Malgut
Lüftet nur selten, da draußen Lärm und Luftverschmutzung herrschen: Walter Malgut. Er leidet unter Asthma und wohnt direkt an der B75. Seine Erkrankung führt er auf die Verschmutzung zurück. (Walter Gerbracht)

Er und seine Nachbarn an der Neckarstraße wohnen so nah dran, dass sie vom Obergeschoss aus sehen können, ob ein Lasterfahrer eine Brille trägt. Etwa sieben Meter sind es bis zur Lärmschutzwand, die nicht verhindern kann, dass die Fahrzeuge auch in den Häusern noch lautstark zu hören sind. Für Malgut schlimmer noch ist die Luftverschmutzung. Er habe schweres Asthma bekommen. Er ist davon überzeugt, dass es von der Luftverschmutzung herrührt. Sein Haus hat er 2004 gekauft, neun Jahre später hätten die Beschwerden angefangen. Mittlerweile ist er auf medizinische Hilfe angewiesen und ihm bleibt nach und nach die Stimme weg.

„Der Verkehrssenator ist gleichzeitig auch Umweltsenator und muss dringend etwas zum Schutz der Bevölkerung unternehmen“, fordert er.

Seit 2008 hat er an die Behörde mehrfach deswegen geschrieben. Wegen des beanstandeten Lärms kamen 2010 Gutachter in sein Haus und haben ihm nach Messungen bestätigt, dass er zumindest in einem derzeit ungenutzten Kinderzimmer im Erdgeschoss Anspruch auf eine schallgedämmte Lüftung hat. Dennoch hat er sie nie einbauen lassen, „denn die setzt der Dreck von der Straße ohnehin sofort zu“, begründet er. Außerdem würde er lieber in seinem Wohnzimmer mehr Ruhe haben, doch dort wurden die Lärmgrenzwerte gerade noch erfüllt. Das könnte auch an seinen neuen Fenstern liegen. Je zwei mit Doppelverglasung hat er voreinander einbauen lassen. „Damit ich endlich Ruhe finde, doch die Erschütterungen durch die großen Laster gehen trotzdem gerade so durch die Wände“, beklagt der 78-Jährige.

Er sei enttäuscht von der Politik und dem demokratischen System, das er jahrelang als freiwilliger Wahlhelfer voller Überzeugung unterstützt habe, berichtet er. „Ich gehe nicht mehr wählen, ich fühle mich mit meinen Problemen alleine gelassen“, sagt er und blickt auf die Laster, die im Berufsverkehr, nun fast Stoßstange an Stoßstange, nur langsam vorwärts kommen.

Lüften? Fehlanzeige. Die Fenster zur Straße hin macht er nur noch zum Putzen auf. Und selbst durch den Innenhof kommt über die Balkontür noch viel von dem schwarzen Staub ins Haus.

Einen Verkauf seines Hauses sieht Malgut trotzdem nicht als Lösung an. Zu viel Geld hat er in Renovierungsarbeiten gesteckt. „Und der Verkehr ist mit den Jahren auch immer schlimmer geworden, eine Immobilie in der Lage will doch kein Mensch mehr haben“, beklagt er. Hätte er gewusst, dass die B75 wie er es wahrnimmt als „Zubringer zum Güterverkehrszentrum“ ausgebaut werden solle, hätte er das Haus nie gekauft, beteuert der ehemalige Kfz-Lehrmeister.

Der Sprecher von Senator Lohse zeigt Verständnis für den Frust des Anwohners: „Uns ist bekannt, dass die Situation in dem Bereich Neckarstraße nicht toll ist“, sagt Sprecher Jens Tittmann. Da es sich um eine Bundesstraße handele, sei allerdings auch der Bund in der Pflicht. „Wir fänden es gut, wenn der Bund an der Stelle nachbessern würde, beispielsweise mit höheren Lärmschutzwänden“, so der Sprecher. Verkehrszählungen hätten allerdings ergeben, dass insbesondere der durchschnittliche Lkw-Verkehr im Laufe der Jahre zurückgegangen sei. Die als gestiegen empfundene Verkehrsbelastung sei vermutlich der Großbaustelle auf der A1 geschuldet, da die B75 offiziell als Umleitungsstrecke empfohlen wird. „Wir haben im Ressort die positive Haltung, dass mit Fertigstellung der A 281 eine große Entlastung an der B75 spürbar wird“, so Tittmann.

Vor 2023 könne damit allerdings nicht gerechnet werden. Doch Malgut macht sich bereits seit Jahren Sorgen um den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge vor seiner Haustür. Erst im Frühjahr zeigte eine Umweltstudie, dass einige Menschen wegen dreckiger Dieselmotoren früher sterben müssen. Der Rentner zeigt entsprechende Zeitungsartikel, auch über den Dieselskandal und das, was Senator Joachim Lohse dazu gesagt hat. „Herr Lohse sagt, es sei seine Pflicht, die Gesundheit der Bürger zu schützen, doch für uns an der Neckarstraße ist das nur ein frommer Wunsch“, kritisiert Malgut.

Er will nun dafür eintreten, dass die Umweltbehörde eine Stickoxid-Messung an der Neckarstraße durchführt und Fahrverbote für dreckige Diesellaster verhängt. „Ich kämpfe nicht nur für mich, sondern auch für meine Nachbarn“, so der Neustädter.

Für Fahrverbote gebe es derzeit keine verbindlichen Grenzwerte als Rechtsgrundlage, bedauert Tittmann. „Senator Lohse hat vergeblich die blaue Plakette gefordert und fordert auch heute die Automobilindustrie entschieden dazu auf, endlich ihre Hausaufgaben in Bezug auf eine Verringerung des Stickoxid-Ausstoßes zu machen“, verweist er auf Bemühungen des grünen Senators. Ungeachtet dessen könnte die Behörde in Zukunft bald genauer in Erfahrung bringen, wie groß der Handlungsdruck an der B 75 tatsächlich ist. Denn die Luftqualität wurde bislang dort nicht überprüft. „Für das Jahr 2020 sind Schadstoff-Messungen an der Neckarstraße fest im Rahmen eines kleinteiligen Luftmess-Screenings eingeplant“, stellt Tittmann in Aussicht.

Walter Malgut kann sich darüber jedoch nicht so recht freuen und beharrt auf sofortigem Handeln: „Ich bin lungenkrank und gehe auf die 80 zu, für mich ist 2020 wahrscheinlich zu spät.“


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:18
... und wer schon jetzt eine relativ hohe Rente bekommt, wird somit auch
r e l a t i v ... m e h r von einer Rentenerhöhung haben.
(Ab ...
Majajanosch am 23.10.2019 17:07
Geschenke? Da sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen kommen beispielsweise bei mir knapp 500€ runter vom Bruttoverdienst. Im jetzigen ...
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