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Die Mitglieder der Schwarzpulverunion lieben den Charme vergangener Zeiten und historische Waffen
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Auf den Spuren des Wilden Westens

Andrea Kreutzer 03.02.2019 0 Kommentare

Schwarzpulverunion Verden
Nachdem Karl-Heinz Oster (links) den Vorsitz abgegeben hatte, trat Mario Kandt in seine Fußstapfen. (FR)

Mitglied im Verein sei er bereits seit 13 Jahren, den Vorsitz habe er im Februar 2017 übernommen. Mit diesem Amt einhergehe auch die Aufgabe, das zweimal im Jahr stattfindende Westerntreffen im Verdener Stadtwald zu organisieren. Bei dem kommen Gäste aus ganz Deutschland sowie den benachbarten europäischen Ländern zu Besuch, um „einen Gedankenaustausch im Hinblick auf historische Waffen vorzunehmen“ und, um sich mit Vorderlader- und Westernwaffen bei Meisterschaften zu messen. Auch er selbst sei ein sehr aktiver Sportschütze, der an Wettkämpfen bis hin zu Landesmeisterschaften teilnehme.

Er hege beispielsweise großes Interesse an der nordamerikanischen Geschichte, beginnend ab der Besiedlung des Kontinents im Jahr 1607 und der dortigen historischen Verwendung von Waffen bis hin zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Waffen, für die er sich ganz besonders interessiere, kommen aus dem Zeitraum zwischen 1836 (Einführung des ersten Perkussionsrevolvers von Samuel Colt) und 1927 (dem Ende der herkömmlichen Handfeuer- und Langwaffen). So wie er habe eigentlich jeder Schütze im Verein seine eigenen Waffen, denn anders als bei modernen Schusswaffen und ihrer Munition sei es weitaus schwieriger, aus Mensch und Waffe eine gute Einheit zu bilden. Längst nicht jede Waffe sei auch für jeden geeignet. Hinzu komme, dass man sich intensiv mit der jeweiligen Technik, die leicht um die 200 Jahre alt sein könne, auseinandersetzen müsse, um überhaupt schießen zu können. Da ihre Mitglieder nicht nur historisch bewandert sind, sondern neben einer hohen Konzentrationsfähigkeit und innerer Ausgeglichenheit, wie sie von jedem Schützen erwartet werden sollten, auch ein hohes technisches Verständnis mitbringen, hat ihr Verein, im Unterschied zu so vielen anderen Schützenvereinen, nicht mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.

Schwarzpulverunion Verden
Eines der Highlights im Vereinsleben sind die regelmäßigen Westerncamps im Stadtwald. (FR)

„Im Gegenteil, die Mitgliederzahlen steigen weiterhin stetig an, zur Zeit haben wir 67 Mitglieder“, freut sich der Vorsitzende. Diese seien zugleich auch Mitglied im Verdener Schützenverein, mit dem eine enge Kooperation bestehe und mit dem man sich auch den Schießstand im Stadtwald teile. In dessen Umbaumaßnahmen hatten die Schützen über 25 000 Euro investiert.

Wer zu ihnen in den Verein komme, müsse sich jedoch nicht gleich eine eigene Waffe zulegen, sondern könne verschiedene ausprobieren, um so herauszufinden, welche am besten zum ihm passt. Auch eine Einführung, was Körperhaltung und Schusstechnik angehe, würde man selbstverständlich jederzeit erhalten können. Grundsätzlich könne sowohl im Stehen (üblich bei einer Distanz bis zu 50 Metern) als auch im Liegen geschossen werden. „Wird im Stehen geschossen, sollten beide Füße etwa schulterbreit auseinander stehen, unabhängig davon, ob man Links- oder Rechtshänder ist.“

Bevor es jedoch überhaupt ans Schießen gehe, muss die gewählte Waffe geladen werden. „Vorderladerwaffen tragen ihren Namen nicht ohne Grund, sie werden von vorne geladen.“ Eine bestimmte Menge Schwarzpulver müsse dabei eingeführt werden. Das Pulver setze sich aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter zusammen. Die notwendige Pulvermenge variiere von Waffe zu Waffe, im Allgemeinen könne man aber sagen, dass ein Kilogramm Pulver circa für 500 bis 600 Schuss ausreiche.

Ist die Waffe mit Pulver bestückt worden, kann noch zusätzlich ein Mittel zum Dämmen zum Einsatz kommen. „Anschließend wird eine Rundkugel in den Lauf eingeführt, die einen Durchmesser von bis zu 16 Millimetern haben kann.“ Eingewickelt sei die Kugel in ein sogenanntes Pflaster (ein kleiner Stofflappen mit einer runden Ausstanzung), die als Führung für das Geschoss diene. Mit einem kurzen Stock mit Griff, Kugelstarter genannt, werde die Kugel im Lauf – und der könne je nach Waffe bis zu einem Meter lang sein – bis auf die Pulverladung hinunter gedrückt. Sehr wichtig sei es, darauf zu achten, dass es keinen Hohlraum gebe, da sonst, im ungünstigsten Fall, der gesamte Lauf explodieren könne.

Wer in einen „normalen“ Schützenverein gehe, der könne ohne Weiteres das Schießen mit einem Luftgewehr oder Kleinkaliber ausprobieren. Außerdem sei es problemlos möglich – immer vorausgesetzt, man verfüge über eine gültige Waffenbesitzkarte – Munition nachzukaufen. „Das alles war früher komplett anders“, weder habe es genormte Kaliber gegeben, noch habe man beim Büchsenmacher so einfach weitere Kugeln kaufen können. „Der Büchsenmacher hat quasi sein eigenes Kaliber festgelegt und beispielsweise zu dem Gewehr, das er gefertigt hat, zugleich auch eine Kugelzange gemacht, damit man mit deren Hilfe weitere Kugeln gießen konnte.“ Wer früher auf Jagd gegangen sei, der habe dementsprechend keine zusätzlichen Kugeln mitgenommen, sondern seine Zange sowie einen Barren Blei und ein Töpfchen, um abends über dem Lagerfeuer die notwendigen Kugeln für den nächsten Tag anfertigen zu können. „All diese Zusammenhänge sind es, die mich und meine Vereinskameraden so faszinieren.“ Über 45 Vorderlader könne er inzwischen sein Eigen nennen.

Um mit einer Schwarzpulverwaffe schießen zu dürfen, und bei den meisten ihrer Waffen handele es sich um Vorderlader, müsse man das 21. Lebensjahr vollendet haben und einen Pulverschein vorweisen können. Der belegt, dass man entsprechende Lehrgänge besucht hat und in der Lage ist, pulverbetriebene Waffen sicher zu handhaben. „Aktuell wird von der Europäischen Union diskutiert, ob neue Feuerwaffenrichtlinien eingeführt werden sollen – es könnte also passieren, dass in Zukunft alle Vorderlader unter das Waffenrecht fallen und das, obwohl Vorderlader in der Kriminalstatistik absolut keine Rolle spielen.“

Auch für sie gebe es, vom Pulverschein einmal abgesehen, eine Menge Vorschriften und Gesetze, die sie beachten müssten. So dürfe eine Waffe sobald sie geladen sei, zum Beispiel nicht mehr aus der Hand gelegt werden. Des Weiteren gebe es Vorschriften im Hinblick auf die zulässige Besitzmenge an Schwarzpulver. Wer sein Pulver in einem separaten Gebäude verwahre, dürfe bis zu drei Kilogramm vorrätig haben. „Außerdem gibt es Vorschriften in Bezug auf die Lagerung einer Schusswaffe, je nach Waffentyp sind oft unterschiedlich stark gesicherte Waffenschränke vorgeschrieben.“

Weitere Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.schwarzpulverunion.de sowie per E-Mail bei Mario Kandt über mka@schwarzpulverunion.de oder telefonisch unter der Nummer 0 42 36/ 94 22 59. „Mit Sicherheit interessant wäre es – egal ob Neueinsteiger oder nicht – sich einmal unser Westerncamp anzusehen.“ Das nächste finde vom 27. Mai bis 1. Juni statt. Davon einmal abgesehen könne man die Mitglieder der Schwarzpulverunion jederzeit auf dem Schießstand im Stadtwald besuchen.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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