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Overbeck-Museum in Vegesack
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Die anderen Overbecks

Alexander Bösch 11.11.2018 0 Kommentare

Overbeckmusem Vegesack aktuelle Ausstellung von Fritz Overbeck
Die Marder hat der junge Overbeck wahrscheinlich abgezeichnet. (Christian Kosak)

Vegesack. Krakelig anmutende Kinderzeichnungen, kunstvolle Exlibris, aber auch klassische Landschaftsgemälde: Die Ausstellung „Auch das ist Overbeck“ erstaunt nicht wenige der Gäste. Im rappelvollen Museum an der Alten Hafenstraße 30 in Bremen-Vegesack erläutert Katja Pourshirazi, Leiterin des Overbeck-Museums, was die Kunstfreunde bei der neuen Ausstellung erwartet. Aus Anlass des 150. Geburtstags von Fritz und Hermine Overbeck im nächsten Jahr zeigen sich der berühmte „Wolkenmaler“ aus Worpswede und seine Frau mit teils ungewohnten Motiven.

„Da sind einige Stationen in der Werkschau dabei, von denen Sie vielleicht nichts wussten und die Sie zum Staunen bringen. Einiges ist vielleicht sogar etwas provokant“, sagt Katja Pourshirazi. Auf Gastausstellungen weiterer Künstler will das Museum im kommenden Jahr komplett verzichten. Stattdessen stehen in Vegesack ausschließlich die weitgehend unbekannten Zeichnungen, Radierungen und Aquarelle des Malerpaares im Vordergrund, von denen einige wiederum für Wanderausstellungen auf Reisen gehen.

Overbeckmusem Vegesack aktuelle Ausstellung von Fritz Overbeck
Zur Ausstellung gehören Zeichnungen aus dem Fundus des Museums. (Christian Kosak)

Museumsmitarbeiterin Sabine Stührholt habe den Anstoß geliefert. „Als sie einige Zeichnungen digital erfasst hat, meinte sie, daraus müsse man eigentlich eine eigene Ausstellung machen.“ Vieles von dem, was man über die Overbecks zu wissen geglaubt habe, sei nun widerlegt. Etwa, dass Fritz Overbeck niemals Figuren gezeichnet habe. Bilder wie „Mutter Schermer als Malmodell“, das „Haus auf Sylt mit Tante Frieda“ oder auch ein blondes Mädchen im Gras und ein griechischer Gott mit edlen Gesichtszügen beweisen nun das Gegenteil.

Die früheste erhaltene Overbeck-Zeichnung zeigt ein krakeliges Haus mit großen Fenstern, das der gerade einmal dreieinhalbjährige Fritz Overbeck zu Papier brachte. „Sonne und Bäume sehen aus, wie das bei einem Kind eben aussieht, das ist wohl eine anthropologische Konstante. Die vielen Fenster im Haus weisen aber vielleicht darauf hin, dass er schon in jungen Jahren sehr neugierig war“, lautet die These der Museumsleiterin.

Bild des Monats November 2018: Gouache „Drei Birken“ von Fritz Overbeck. Das Bild sollte für die Schokoladen-Firma Stoll
Die „Drei Birken“ sind als Sammelbild für Stollwerck entstanden und deshalb flächig gehalten. (Overbeck-Museum)

Einige der gezeigten Werke müsse man eher als Zufälle oder gar Unfälle bezeichnen. So etwa eine Zweigstudie, auf der rote Farbe ausgelaufen ist. Ob es überhaupt im Sinne des Künstlers gewesen wäre, all diese Radierungen, Zeichnungen und Aquarelle zu veröffentlichen, darüber lasse sich nur spekulieren. „Vielleicht wäre er sogar böse auf uns, aber er hatte ja auch viel Humor.“ So könne man nun mit unbefangenem Blick Werke genießen, die Overbeck vielleicht allenfalls als Unterlage zweckentfremdet hätte. Kunst, stellte Katja Pourshirazi in den Raum, müsse vielleicht nicht zwingend die Intention des Künstlers voraussetzen, Kunst zu erschaffen.

Aus der Reihe der aktuell ausgestellten Bilder liebt Gertrud Overbeck das Ölgemälde  „Aquarium auf der Fensterbank“ aus dem Jahr 1907 am meisten. „Wenn man aus dem Haus meines Großvaters in Schönebeck guckte, sah man direkt auf den Krümpel – aber das sah damals natürlich ganz anders aus. Das Aquarium besaß er tatsächlich“, erzählt die Enkelin von Fritz Overbeck. Overbecks Tochter Gerda habe den Nachlass mit den Leinwandwerken, aber auch den Papierarbeiten gewissenhaft sortiert und gepflegt. „Ich wäre selbst nie auf die Idee gekommen, diese Bilder auszustellen, aber es erweitert den Horizont ungemein, das ist doch wunderbar“, findet Gertrud Overbeck.

Zu den ausgestellten Bildern gehören auch Sammelbilder, die Overbeck als Auftragsarbeit für die Süßwarenproduzenten Stollwerck als Beilage in Schokoladentafeln angefertigt hat. Etliche großformatige Landschaftsbilder im typischen Overbeck-Stil wie „Im Vorfrühling“ runden die umfangreiche Ausstellung ab. Einige Stillleben und Zweig-Studien von Hermine Overbeck-Rohte zeigen das oft unterrepräsentierte Talent der früheren Schülerin Fritz Overbecks, die sich zeit ihres Lebens künstlerisch zurücknahm. Nach ihrem Tod 1937 hatte man mehr als 200 Studien versteckt im früheren Atelier ihres Mannes gefunden.

Einige ihrer Bilder waren kürzlich sogar in Stockholm zu sehen: „Das macht mich natürlich auch ein kleines bisschen stolz. Ich hoffe, sie sieht es von irgendwo da oben“, erklärt Katja Pourshirazi. Sie nutzt die Gelegenheit, sich bei den zahlreichen Unterstützern des Museums zu bedanken und diverse Projekte zu skizzieren, zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Schulklassen. In Altenstiften wie in St. Ilsabeen gibt es externe Bilderführungen. Demnächst werden russische Schüler im Zuge einer „Olympiade“ ein Referat über das Museum halten.

Lynn Lommertz-Dierksen aus Platjenwerbe zeigt sich begeistert von der Weise, mit der Overbeck sich hochindividuell der Abbildung von Ästen und Zweigen gewidmet hat: „Der konnte sich etwas vermeintlich Profanem wie einem Rosenzweig aus ganz verschiedenen Perspektiven nähern“. Der „immensen Strahlkraft“ einer Mokkatasse auf einem Stillleben von Hermine Overbeck-Rohte kann Irene Lütticke viel abgewinnen. Hannelore Mattison Thompson rühmt, wie das Künstlerpaar das norddeutsche Licht wunderbar zur Geltung gebracht habe.


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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