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Die klischeebeladene Vermarktung des Frauenfußballs

Ronny Blaschke 16.07.2017 0 Kommentare

RTL Nitro Programmpräsentation
Umgang unter Kollegen: Die Bremer Sportjournalistin Laura Wontorra wurde in der Zeitschrift des Verbandes Deutscher Sportjournalisten als „heißeste Sportmoderatorin“ vermeldet. (Rolf Vennenbernd, dpa)

Dazu passte der offizielle Slogan: „20elf von seiner schönsten Seite“.

Die Sponsoren zogen mit: Ein Spielzeughersteller brachte eine zierliche Fußball-Barbie auf den Markt. Ein Elektrofachmarkt warb mit dem Schriftzug: „Die schönste WM aller Zeiten“. Für ein Kosmetikunternehmen posierten einige Nationalspielerinnen in engen Abendkleidern, ergänzt mit Internettipps für Make-up und Haarpflege. Fünf Bundesligaspielerinnen ließen sich im „Playboy“ ablichten. Der „Focus“ schlussfolgerte, „dass die Fußball-Damen nicht bullig, sondern anmutig, nicht unweiblich, sondern schön anzusehen sind“.

Vielleicht war diese Sexualisierung einer der Gründe dafür, warum die deutschen Fußballerinnen 2011 bei der WM wie fremdbestimmt wirkten und schon im Viertelfinale scheiterten. Doch auch danach wurden Klischees bestärkt: Das ZDF sendete anlässlich der Frauen-EM 2013 einen Spot, in dem eine Spielerin einen dreckigen Lederball in eine Waschmaschine kickt. Etliche Boulevardmedien beschrieben die Partnerinnen der Weltmeister von 2014 als sorgenvolle Mütter oder anmutende Models. Im April 2016 meldete der Verband Deutscher Sportjournalisten in seinem Monatsmagazin die Wahl von Laura Wontorra zur „heißesten Sportmoderatorin“. Und der internationale Sportjournalistenverband AIPS lehnte eine Reform ab, die selbst die Fifa bewilligt hatte: eine Frauenquote für seine Gremien.

Dass der Fußball als Schaufenster für heterosexuelle Männer inszeniert wird, liegt auch am Mangel von Frauen im Sportsponsoring und im Fußballjournalismus, sagt Nicole Selmer. Die stellvertretende Chefredakteurin des österreichischen Fußballmagazins „Ballesterer“ hat das Netzwerk „F_in“ mitbegründet, Frauen im Fußball.

Vergleichbare Stimmen werden selten außerhalb der Fachnische gehört: Bundesweit hat einzig die Sporthochschule Köln eine Professur für Geschlechterforschung im Sport eingerichtet. Selbst bei Sozialarbeitern in Fanprojekten liegt der männliche Anteil bei 75 Prozent, das ist mehr als doppelt so hoch wie in der Sozialpädagogik allgemein.

Vor Kurzem erforschte die „Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“, was weibliche Ultras in Fanszenen mitunter erdulden müssen: Von Vergewaltigungsdrohungen bis zum gewaltsamen Alkoholeinflößen – eine Studie über Rassismus hätte wohl mehr öffentliche Resonanz erhalten. So bleibt der Sexismus die Diskriminierungsform, die im Fußball am wenigsten diskutiert wird.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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