Ballett, Oper, Elektro
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„Die sieben Todsünden“ in Stuttgart gefeiert

03.02.2019 0 Kommentare

Die sieben Todsünden
Peaches gilt als eine Ikone in der LGBT-Szene. Foto: Oliver Willikonsky (Oliver Willikonsky / dpa)

Fünf Brüste und viel Haar kleiden das Wesen, das da zur Bühne hinabschwebt. Die Show von Peaches geht los, die Sängerin verbirgt sich hinter dem Zottelbart.

Am Stuttgarter Schauspielhaus stimmt sie eigene Songs an, zu den Elektro-Punk-Klängen räkeln sich Schauspielerin Josephine Köhler und Ballett-Tänzer Louis Stiens. Die Hüllen fallen, die Bühne erstrahlt in Rotlicht.

Die sieben Todsünden
Ballett-Tänzer Louis Stiens im Zusammenspiel mit Peaches. Foto: Oliver Willikonsky (Oliver Willikonsky / dpa)

Die Württembergischen Staatstheater wagen mit der ersten Inszenierung aller drei Sparten seit 23 Jahren ein Experiment: Einen Grenzgang zwischen Oper, Ballett und Elektro-Punk. Die Reaktionen des Publikums - eine Mischung aus Peaches-Fans, Schauspielbesuchern, Opern- und Ballettpublikum - mochte vor der Premiere am Samstagabend keiner so recht voraussagen. „Mal sehen, ob ihr damit klar kommt“, so Peaches. Sie kamen klar. Der Abend endet in langanhaltendem Applaus.

Den Anfang nahm die Inszenierung von Regisseurin Anna-Sophie Mahler bei Bertolt Brechts und Kurt Weills 1933 uraufgeführtem Werk „Die sieben Todsünden“. Das sogenannte Ballett mit Gesang erzählt die Geschichte von Anna, die von ihrer Familie unter anderem zur Prostitution gezwungen wird, um Geld für das langersehnte Eigenheim zu beschaffen. „Mit dem Peaches-Teil wollten wir Brecht und Weill einen zeitgenössischen Standpunkt entgegensetzen“, so Dramaturgin Katinka Deecke - den beiden weißen heterosexuellen Männern.

Die sieben Todsünden
Peaches spielt in ihren Performances provokant mit Geschlechterrollen. Foto: Oliver Willikonsky (Oliver Willikonsky / dpa)

In diesem Teil mimt Peaches die gereifte Anna: Emanzipiert, stark, kein Opfer mehr. Der Zwischentitel lautet „Seven Heavenly Sins“, sieben himmlische Sünden. „Die sieben Todsünden sind ein merkwürdiges Konzept“, erklärt Peaches. „Ich glaube nicht, dass es sich um Sünden handelt. Es gibt einen Platz für Zorn, einen Platz für Stolz.“

Seit Jahrzehnten singt und performt die Künstlerin gegen Geschlechterrollen und eine Welt, in der Heterosexualität als Norm gilt. Opern-Intendant Viktor Schoner ist die Kombination aus Peaches und Brecht eine logische: Ihre Musik reflektiere „diese Gender-Frage, die so essenziell von Brecht in diesem Stück thematisiert wird. Dafür ist Peaches eine Idealbesetzung.“

Auf der Bühne finden sich das Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Stefan Schreiber, vier Opernsänger, zwei Ballett-Tänzer und eine Schauspielerin. Josephine Köhler boxt, tanzt, singt und monologisiert sich ebenfalls als Anna durch die Inszenierung - zwischenzeitlich verwandelt sie sich in eine tanzende Vulva.

„Das muss ich jetzt erstmal verdauen“, sagt eine Zuschauerin nach der Premiere. Entrüstung verursachte die explizite, bisweilen plakative, Sprache von Peaches in Wort und Bild eher nicht. Ein bisschen Befremden aber durchaus. Im zweiten Teil performte Peaches eigene Songs mit Titeln wie „Fuck the Pain Away“ oder „Dick in the Air“.

„Wenn du an Brecht denkst, ist das, was wir tun, angemessen“, hatte Peaches vor der Premiere gesagt. „Er wollte, dass du aufwachst. Er wollte dich aus deiner kleinbürgerlichen Haltung rütteln.“ Über die breite Zustimmung beim Schlussapplaus freut sich die Provokateurin sichtlich. (dpa)


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Leserkommentare
tommi24 am 21.10.2019 17:33
Das Klimapaket ist geschnürt!

Sprit und Strom werden teurer! Ein Erfolg sondergleichen!
peteris am 21.10.2019 17:26
Und ab in die nächste Runde. Wie viele gibt es noch?
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