Ende eines Indie-Labels
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Ein bewegender Marina-Abschied mit The Pearlfishers

30.04.2019 0 Kommentare

The Pearlfishers
Zwischen Euphorie und Melancholie: David Scott ist der Perlenfischer. Mag aber auch Herbstlaub. Foto: Marina Records (Marina Records / dpa)

Man hört das achte Studioalbum des schottischen Edelpop-Projekts The Pearlfishers mit einem Kloß im Hals. Und zwar nicht nur, weil die Melodien des Glasgower Ästheten David Scott mal wieder so berauschend und oft traurig-schön sind.

Denn "Love & Other Hopeless Things" (was für ein herrlicher Albumtitel allein!) ist wohl die letzte Platte, die das Hamburger Kleinlabel Marina Records herausbringt. Schluss. Das tut weh.

25 Jahre lang war Marina die liebevoll gepflegte Plattenfirma der deutschen Musikjournalisten Stefan Kassel und Frank Lähnemann. Schlechte Ware gab es hier nicht. Im vorigen Jahr kündigte Marina resigniert das Ende seines Kampfes für das Schöne und Gute an, mit der fantastischen Kompilation „Goosebumps“: 40 Songs zwischen Sixties-, French- und Barock-Pop, Indie-Folk, Easy Listening, Lounge-Music und Jazz. Dass es dieses tolle Label nun nicht mehr geben soll ... seufz.

Auch The Pearlfishers waren auf dem "Goosebumps"-Sampler vertreten, seit Ende der 90er Jahre galten sie als eines der Aushängeschilder von Marina. Man fragt sich jetzt, was aus einem Werk wie "Love & Other Hopeless Things" demnächst werden mag. Wer verlegt dann noch solche Musik, die es heutzutage eigentlich gar nicht mehr gibt?

Fünf Jahre nach dem mit 16 Lieder und 66 Minuten Spieldauer besonders opulenten Vorgänger „Open Up Your Colouring Book“ fällt die neue Pearlfishers-Platte etwas bescheidener aus, zumindest was die Länge betrifft: elf Songs in gut 40 Minuten. Doch qualitativ gibt es keinerlei Abstriche: Wieder erschafft der 1964 geborene David Scott mit breitem Pinsel perfekte Klanggemälde in der Tradition von Brian Wilson, Gilbert O'Sullivan, The Beatles, Burt Bacharach oder Prefab Sprout.

Der Sänger, Songwriter, Multiinstrumentalist und Produzent Scott fährt erneut alles auf, was im Rahmen eines sicher begrenzten Etats möglich war. Und abermals hören sich diese sorgfältigst komponierten und instrumentierten Lieder an, als wären sie in einem der teuersten Studios von L.A. oder London aufgenommen.

Schon das Titelstück, der Opener, bezaubert mit Colin Steeles Trompetenmelodie im klassischen Bacharach-Stil. Auch danach liegen Melancholie und Euphorie stets nah beieinander in Liedern wie „Once I Lived In London“, „A Walk Into The Blue Night“, „Sometimes It Rains In Glasgow“ oder „Another Sunflower“.

So geht es immer weiter in romantischen, jubilierenden, herzerweichenden Arrangements. Hoffentlich geht es künftig auch mit der Karriere von David Scott und seinen Perlenfischern irgendwie weiter - dann wohl leider ohne Marina. (dpa)


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Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...
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