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Das Eggental in den Dolomiten ist ein Paradies für passionierte Skifahrer und solche, die es gern werden wollen
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Einkehrschwung auf Italienisch

Anna Zacharias und Arndt Möhlmann 27.01.2019 0 Kommentare

Die kleine Gruppe ist die erste an diesem malerisch schönen Flecken Erde an einem kalten Morgen in den Dolomiten.

Von dem atemberaubenden Panorama am Horizont mag sie sich kaum trennen, doch schon tragen die Skier sie die Piste hinab. Der Blick auf die malerische Landschaft begleitet sie aber bis zur ersten Liftstation. Das einmalige Erlebnis einer jungfräulichen Piste wird dort ab März unter dem Motto „Be the first“ angeboten. Für Langschläfer ist die Aktion nichts, denn es geht schon um 7 Uhr los.

Zu einem gelungenen Skitag gehört selbstverständlich auch eine anständige Brotzeit, und so kehrt die Gruppe einige Abfahrten später am Mittag auf der Baita-Gardoné-Alm ein. Der Wirt begrüßt seine Gäste mit einer vor sich hin brutzelnden Garnelen-Platte in den Händen. Auf der Sonnenterrasse geht Klaus Pichler von Tisch zu Tisch – ausgerüstet mit einer Flasche guten Olivenöls, die aus seiner Hosentasche ragt. „Ab 1600 Metern sagt man Du“, stellt er mit einem breiten Grinsen fest.

Seit Jahrzehnten auf den Skiern

Auf einer Bank sitzt Skilehrer Toni Herbst. Er ist ein Urgestein der Piste, ein alter Hase, der gefühlt von jedem Zweiten gegrüßt wird. Der Mann mit dem weißen Rauschebart und gut gebräunter Haut befindet sich bereits weit jenseits der 60. Er steht schon seit einer Ewigkeit auf Skiern, wie viele Jahre es genau sind, weiß er nicht, aber es sind definitiv einige Jahrzehnte. Er stammt aus der Gemeinde Deutschnofen, zu der auch das Skigebiet Obereggen gehört. Seine Heimat kennt er noch aus einer Zeit, in der Pisten nicht existierten.

Die ersten Lifte wurden Anfang der 1970er-Jahre in Betrieb genommen. Eine kleine Gruppe von Männern gründete damals das Skigebiet, auch um etwas gegen die Abwanderung zu unternehmen. Daran erinnert sich Georg Weissensteiner, Präsident der Liftgesellschaft Obereggen und eines der Gründungsmitglieder, noch gut. Von Haus zu Haus seien sie damals getingelt, um Startkapital zu sammeln und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Menschen wie Skilehrer Toni Herbst wurden zu leidenschaftlichen Skifahrern, und sind es bis heute: „Unsere Skipässe werden immer am Ende der Saison ausgelesen und dann sehen wir, wie viel jeder gefahren ist. Bei mir waren es letztes Mal 3500 Kilometer“, erzählt er. Schon in aller Frühe steht er am Hang, aus Leidenschaft, aber auch, um im Training zu bleiben, denn: „Die Skischule schlaucht“. Wie die meisten dort ist er zweisprachig unterwegs und spricht auch fließend Italienisch.

Toni nimmt diejenigen unter seine Fittiche, die angesichts der roten Piste schneeweiß um die Nase geworden sind. „Nicht aus Angst vor dem Hang nach hinten lehnen, immer das Schienbein an den Schuh drücken und aufrecht fahren“, rät er seinen Schülern.

Doch die nächste Abfahrt muss warten, denn auf die Gruppe wartet Georg Graf im Helikopter. Wer dort einsteigen will, bekommt ordentlich Gegenwind, und leise ist es auch nicht gerade – doch es lohnt sich allemal. Gerade eingestiegen, fliegt er auch schon, und es geht fast unmerklich senkrecht in die Lüfte, hoch über die Berge und wieder hinab ins Tal. Das Alpenglühen von oben ist atemberaubend, die Landschaft noch beeindruckender als von unten schon.

Direkt unten an der Piste liegt das Hotel Cristal, ein Paar sonnt sich dort auf der Terrasse bei einer Tasse Kaffee. Schnell lassen sich die Bretter abschnallen und auf kurzem Weg im Skikeller deponieren. Der von der Familie Thaler geführte Betrieb war einst ein Bauernhof – heute entspannen die Gäste im Wellnessbereich, schwitzen in den Saunen oder gönnen sich eine Beautybehandlung.

Sylvia Kester kommt aus Aschaffenburg und ist mit ihrer 18-jährigen Tochter im Hotel Cristal untergebracht. Die 53-Jährige nimmt die lange Strecke gern auf sich, um in das Skicenter Latemar zu reisen, denn: „Hier lernst du das Genuss-Skifahren“, sagt sie. Was ihr außerdem sehr zusage, sei der Nachhaltigkeitsgedanke.

Man muss keinen Hehl daraus machen, dass sich große Touristenströme mit Naturschutz nicht besonders gut vertragen. Wo Menschenmassen sind, entsteht unweigerlich Lärm und Müll. Schneekanonen verbrauchen viel Wasser und Skilifte Strom, Pisten werden mit großer Gerätschaft präpariert. Wie das Ski-Center-Latemar die einzigartige Naturlandschaft mitten im Unesco-Welterbe Dolomiten schützt, können Interessierte auf der Homepage nachlesen: Ski- und Wanderbusse zu benachbarten Dörfern, eine eigene Fernheizanlage mit Hackschnitzel für die Ortschaft, grüner Strom für die Aufstiegsanlagen, Wärmewiedergewinnungsanlagen im Servicecenter und eine Umweltzertifizierung seit 2004 . „Sogar die Oberholz-Hütte auf 2096 Meter wird nachhaltig mit Erdwärme geheizt“, kann man auf der Internetseite lesen.

Wer auf exzessiven Aprés-Ski abfährt, ist dort allerdings falsch – Obereggen ist nicht Obertauern. Und doch müssen die Gäste nicht auf Partys verzichten. Auf der Ganischgeralm wummern ab 14 Uhr die Bässe im Zelt und auch in Obereggen selbst herrscht im Indianerzelt ausgelassene Feierstimmung. Der Ort, der früher einmal nur aus ein paar Bauernhöfen bestand, will aber weiter aufrüsten: ab kommendem Sommer soll der Après-Ski-Bereich weiter ausgebaut werden.

Für alle, die es ruhig und gediegen mögen, ist dagegen die 2016 errichtete Oberholz-Alm das Richtige. Architektonisch macht sie schon von außen einiges her, von innen jedoch bieten drei unterschiedlich ausgerichtete Glasfronten beeindruckende Ausblicke auf verschiedene Bergmassive. Auf 2096 Metern scheint das Gebäude mit Restaurant, Bar und Panoramaterrasse förmlich über der Oberholz-Piste zu schweben.

Circa 800 000 Touristen besuchen die Region mit dem malerisch schönen Blicken auf Dolomiten und Alpen jede Saison, berichtet Thomas Ondertoller von Marketing Obereggen. „Um Weihnachten und Ostern sind die beliebtesten Zeiten“, sagt er. Insgesamt 48 Pistenkilometer bietet Obereggen in den Dolomiten – auf 22 roten, zehn blauen und acht schwarzen Pisten kommen Anfänger wie Profis auf ihre Kosten. Das Ski Center Latemar mit seinen 18 Liftanlagen, zwölf Skihütten, drei Ski-Kindergärten und einem Snowpark mit Halfpipe ist ein ideales Reiseziel für Familien oder Paare.

Die Reise wurde unterstützt von Eggental Tourismus.


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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

Rettungsdienste nur noch per/im Panzer ?

Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...
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