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Tarmstedter Ausstellung 2019
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„Erklären ist das Gebot der Stunde“

Klaus Göckeritz 10.07.2019 0 Kommentare

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Dirk Gieschen ist Geschäfts- führer der Tarmstedter Ausstellungs- GmbH. (Klaus Göckeritz)

Herr Gieschen, Sie haben in der jüngsten Vergangenheit eine große Verunsicherung bei den Verbrauchern festgestellt. Woran machen Sie das fest?

Dirk Gieschen: Die deutsche Landwirtschaft stand in den vergangenen Monaten und besonders im Vorfeld der Europawahl zunehmend in der Kritik. Seitens der Politik und mancher Verbände wurde in den Medien mit oft aggressiven Worten reklamiert, was die Landwirtschaft und insbesondere die größeren Höfe nicht richtig machen. So ist im Land mit den weltweit höchsten Lebensmittelstandards der fatale Eindruck entstanden, dass „modern“ wirtschaftende Betriebe grundsätzlich gegen die Gesundheit und Natur arbeiten. Das Ergebnis ist, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung bei den Themen Lebensmittel und Landwirtschaft verunsichert ist.

Fehlt also auch Verständnis?

Ja, und zwar auf beiden Seiten. Viele landwirtschaftliche Familien fühlen sich durch den harten Ton und die zahlreiche Kritik zu Unrecht ins Abseits der Gesellschaft gestellt, obwohl sie fachlich richtig liegen und nach geltendem Recht handeln. Auf der anderen Seite macht der Bevölkerung die moderne Technik im Riesenformat auf der Straße Angst. Ein Hof mit großen Ställen und vielen Tieren passt für die Anwohner nicht in das Bild eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs. Sie fragen sich, ob das so sein muss.
Die Bauernverbände argumentieren oft recht barsch: „Ja.“ Politik und Nichtregierungsorganisationen sagen genauso barsch: „Nein.“ So kommen wir zu keinem Verständnis und schon lange nicht zu Verständigung.

Was sollten die Agrarbranche und die Aussteller auf der Tarmstedter Ausstellung tun?

Erklären und Brücken bauen ist das Gebot der Stunde. Die Agrarbranche muss offen auf die Bevölkerung zugehen und die Landwirte offen auf ihre Nachbarn. Das heißt beispielsweise für die Landmaschinenhersteller: So wie die Firmenvertreter dem Landwirt als Kunden den Nutzen der neuesten Maschinengeneration erklären, müssen sie als gesamte Branche Verantwortung für die Kommunikation übernehmen und gemeinsam den „Übersetzer“ machen. Es besteht ein großer Handlungsbedarf, weil die moderne Landwirtschaft für den normalen Verbraucher wie ein fremdes Land mit einer fremden Sprache ist. Er findet sich in diesem Feld nicht mehr allein zurecht.

Was heißt das konkret?

Nehmen wir die Landtechnik als Beispiel: Wenn Verbraucher den Sinn neuester Landmaschinen, also des technischen Fortschritts für das Endprodukt Lebensmittel besser verstehen, kann die Akzeptanz der heutigen Landwirtschaft verbessert werden. Es muss deutlich aufgezeigt werden, wie konkret mit modernster Technik umweltschonender gearbeitet wird. Genauso muss erklärt werden, warum eine neue Stalleinrichtung gut für die Kuh ist. Diese Aufgabe müssen die Hersteller und Händler mit übernehmen.

Wie sieht es mit der Digitalisierung und Robotik aus?

Im Technologieland Deutschland ist die Technologiefeindlichkeit „hipp“ geworden. Automatisierung, Digitalisierung und Robotertechnik wecken angesichts vermeintlich „industrieller Produktionsmethoden“ viele Ängste und Unsicherheiten. Hier muss die Agrarbranche die Bevölkerung abholen. Die große, gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten ist es, Brücken zu bauen, Chancen für alle Beteiligten zu erkennen und deren Nutzen auch für die Allgemeinheit zu erklären – so wie ein Reiseführer im fremden Land seiner Reisegruppe die Kultur begreifbar macht.

Kann auch die Politik in diesem
Bereich noch lernen und neue Erkenntnisse gewinnen?

Eindeutig ja. Das technische Verständnis fehlt offensichtlich in vielen Räten, Parlamenten und auf der großen Bühne in Berlin. Selbst der Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft sowie vielen Abgeordneten müssen wir wohl nochmals erklären, warum das schnelle Internet doch an jeder Milchkanne verfügbar sein muss und warum es im ländlichen Raum keine weißen Flecken im Mobilfunknetz geben darf. Ich sehe die Tarmstedter Ausstellung als sehr gute Plattform, um diese Erklärungsarbeit zu leisten.

Die Fragen stellte

Klaus Göckeritz.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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