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„Gladbeck“ dominiert beim Deutschen Fernsehpreis

31.01.2019 0 Kommentare

Gladbeck
Sascha Alexander Gersak (l) und Alexander Scheer freuen sich über die Auszeichnung in der Kategorie «Bester Mehrteiler» für den Film «Gladbeck». Foto: Henning Kaiser (Henning Kaiser / dpa)

Irgendwas ist anders als sonst. Jürgen von der Lippe (70) steht da, aber er sieht nicht aus wie Jürgen von der Lippe. Eher wie Hans-Jürgen Dohrenkamp, wie er bürgerlich heißt, was man aber längst vergessen hat. Es fehlt etwas - das obligatorische Hawaiihemd. Er trägt heute Schwarz.

„Ich habe mich in diesen zu kleinen Anzug gezwängt, um niemanden zu verprellen“, gesteht er. Eigentlich aber sei das Hawaiihemd für ihn Berufskleidung. „Alles andere würde die Leute verunsichern. Ähnlich wie, wenn ein Feuerwehrmann als Tanzmariechen verkleidet zum Einsatz fährt. Das würde auch unnötig verunsichern und den Menschen auch Angst machen.“

Jürgen von der Lippe
Entertainer Jürgen von der Lippe wurde mit dem Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises ausgezeichnet. Foto: Henning Kaiser (Henning Kaiser / dpa)

Am diesem Donnerstagabend hat von der Lippe gute Gründe, von seinem eisernen Dresscode abzuweichen. Der Anlass ist festlich: Er bekommt den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk - etwa den Quotenhit „Geld oder Liebe“. Die Gala in Düsseldorf ist so etwas wie ein großes Absolvententreffen der TV-Branche, man wirft sich in Schale. Prämiert werden die besten TV-Macher, Schauspieler, Journalisten, Filme und Serien 2018.

Etwas überraschend wird der Mehrteiler „Gladbeck“ (ARD/Radio Bremen) über das Geiseldrama von 1988 zum großen Gewinner des Abends. Mit insgesamt drei Auszeichnungen läuft er den hoch gehandelten Serien „Bad Banks“ (ZDF/Arte) und „Das Boot“ (Sky) den Rang ab. „Bad Banks“ mit Paula Beer und Désirée Nosbusch war mit sechs Nominierungen ins Rennen gegangen, „Das Boot“ (Sky) gar mit neun.

Erdmann + Schudt
«Aufbruch in die Freiheit» ist als bester Fernsehfilm ausgezeichnet worden: Große Freude bei Christian Erdmann und Anna Schudt. Foto: Henning Kaiser (Henning Kaiser / dpa)

„Gladbeck“ gewinnt in den Kategorien "Bester Mehrteiler "und „Bester Schnitt“. Zusätzlich wird Darsteller Albrecht Schuch, der in „Gladbeck“ zu sehen ist, als bester Schauspieler ausgezeichnet.

„Bad Banks“ kann bei „Beste Regie“ (Christian Schwochow) und in der wichtigen Kategorie „Beste Drama-Serie“ die Jury überzeugen. Dort setzt sie sich auch gegen „Das Boot“ durch. Die Serie basiert auf demselben Stoff wie der gleichnamige Kino-Welterfolg von Regisseur Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981. Am Ende bleiben für sie die „Beste Kamera“ und mit Vicky Krieps die beste Schauspielerin.

Vicky Krieps und Albrecht Schuch
Die Schauspieler Vicky Krieps und Albrecht Schuch freuen sich über die Auszeichnung in der Kategorie beste Schauspielerin und bester Schauspieler. Foto: Henning Kaiser (Henning Kaiser / dpa)

„Deutschland zieht natürlich den internationalen Serien, die uns ja überhäufen und überschütten, ein bisschen nach“, sagt Schauspieler Uwe Ochsenknecht am roten Teppich. „Wobei man sagen muss: Die Serien, die man so auf den Internetportalen anschauen kann, sind auch nicht alle gut. Da ist auch viel Müll dabei.“ Man müsse Anschluss halten.

Bei den Filmen setzt sich „Aufbruch in die Freiheit“ durch. Der ZDF-Streifen behandelt das Thema Abtreibung und spielt Anfang der 70er Jahre in einer Provinzstadt. Die Macher widmeten den Preis Frauen, die sich für die Abschaffung des Paragrafen 219a einsetzen.

Loos + Liefers
Anna Loos und Jan Josef Liefers auf dem roten Teppich. Foto: Henning Kaiser (Henning Kaiser / dpa)

Als beste Primetime-Show kann sich die etablierte Tanz-Show „Let's Dance“ (RTL) durchsetzen. Bei den Moderatoren zeigt Luke Mockridge unter anderem Kai Pflaume die lange Nase. Als „Beste Unterhaltung Late Night“ wird „Inas Nacht“ (ARD/NDR) mit Ina Müller ausgezeichnet.

„“Inas Nacht„ ist nach wie vor etwas ganz Besonderes, und ich bekenne: Auch ich bin ein Fan“, teilte NDR-Intendant Lutz Marmor nach der Preisverleihung mit. „Danke an die Jury, dass sie diese immer wieder inspirierende, überraschende und höchst unterhaltsame Sendung zum zweiten Mal mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet hat.“ Ina Müller hatte bereits 2008 den Deutschen Fernsehpreis für die Moderation der Sendung erhalten.

Christian Schwochow
Christian Schwochow («Bad Banks») hat den Regie-Preis gewonnen. Foto: Henning Kaiser (Henning Kaiser / dpa)

Als „Beste Comedy“ nimmt „Kroymann“ (ARD/Radio/Bremen/SWR/NDR/rbb) mit Maren Kroymann einen Preis mit nach Hause. In der Schwester-Kategorie "Beste Comedy-Serie" triumphiert dagegen "jerks." (ProSieben/maxdome). Die Trödel-Show "Bares für Rares" (ZDF) mit Horst Lichter wird "Bestes Factual Entertainment", "ranNFL" von ProSieben und ProSieben MAXX "Beste Sportsendung".

Als beste Auslandsreporterin würdigt die Jury Antonia Rados für ihren Bericht „Jemens langsamer Tod“ (n-tv). Bei den Dokumentationen erhält „Kulenkampffs Schuhe“ (ARD/SWR/HR) die Ehrung. In der Doku wirft die TV-Autorin Regina Schilling als Kind eines Kriegsheimkehrers einen ganz subjektiven Blick auf Deutschlands große Entertainer wie Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld.

Bad Banks
Paula Beer (l) und Desirée Nosbusch freuen über die Auszeichnung in der Kategorie «Beste Drama-Serie» für «Bad Banks». Foto: Henning Kaiser (Henning Kaiser / dpa)

Die Dokumentation sei tiefgründig, berührend und ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, kommentierte SWR Intendant Peter Boudgoust die Auszeichnung. „Was dieser Dokumentarfilm zeigt, ist die große Kraft der Unterhaltung, ein Land zu versöhnen und sich an gemeinsamen Werten zu orientieren.“

Der Deutsche Fernsehpreis wird seit 1999 von den großen TV-Anbietern vergeben - Stifter sind die Intendanten und Geschäftsführer von ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Die Geschichte der Auszeichnung ist allerdings durchaus wechselhaft. 2015 fiel die Verleihung aus - der Preis war zuvor stark in die Kritik geraten. Die Ausgabe 2019 - moderiert von Barbara Schöneberger und Steffen Hallaschka - wurde nun sogar wieder übertragen. Wer wollte, konnte im Internet zuschauen und später bei einer Aufzeichnung im Fernsehen. Im vergangenen Jahr etwa hatte es gar keine ausgestrahlten Bilder gegeben. (dpa)


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Leserkommentare
alanya_fuchs am 23.10.2019 07:35
Raten Sie mal, wieviele Geschäftspartner, Ein- und Verkäufer sich beim 6-Tagerennen treffen.
suziwolf am 23.10.2019 07:11
„Heiopei“ 😃und
„Zwangsmassnahmen“ ... 😒

Hallo, @rakase, Sie haben eine gute und widersprüchliche Zusammenfassung geliefert ...
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