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Protest gegen geplante Fällung am St.-Joseph-Stift − Lohse erklärt Angelegenheit zur Chefsache
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Hoffnung für die Linde

Maren Brandstädter 16.11.2017 0 Kommentare

NOS Schwachhauser Herrstraße BUND Bauen mit grün! Kein Kahlschlag für freien Blick Neubau Ärztehaus St. Joseph-Stift
"Bauen nur mit Grün. Kein Kahlschlag für Neubau": Heike Schumacher von BUND (von links), Harald Mikulla, Gunnar Oertel, Ulf Jacob und Ina Ahrens protestieren erfolgreich. (Roland Scheitz)

Das Projekt sei bis auf Weiteres gestoppt, damit er sich eine genaue Übersicht verschaffen könne.

Nachdem sich der Schwachhauser Beirat und die Leitung des St.-Joseph-Stifts nicht über die Details des geplanten Ärztehaus-Neubaus einig geworden waren, war das Projekt erneut in den Fokus geraten, weil laut Bebauungsplan unter anderem eine stattliche, vitale Linde gefällt werden soll. 

Auch aus dem St.-Joseph-Stift kam nun inzwischen das Signal, dass man alles daran setzen wolle, die Linde zu erhalten. Man habe sich die Sache noch einmal angesehen, und seitens der Freiraumplaner spreche nichts gegen den Erhalt. Nun bleibe zu hoffen, dass sich die Befürchtung der Architekten, der Platz könne für die Baustellenzufahrt zu knapp werden, als hinfällig erweise. Im Fall des Ärztehaus-Neubaus sei es wie so oft in Bremen, hatten die Umweltschützer kritisiert: Man plane das Fällen von Bäumen ein, die dem Bau selbst überhaupt nicht im Wege stünden. „Dieses Beispiel steht aus unserer Sicht stellvertretend für einen in Bremen weit verbreiteten nachlässigen Umgang mit Stadtgrün und für die oft mangelnde Berücksichtigung von Bäumen in der Bauplanung“, kritisiert Ulf Jacob, der Sprecher des Bündnisses für eine lebenswerte Stadt. Besonders gravierende Fälle der jüngeren Vergangenheit seien die Projekte Jacobs-Park in Schwachhausen und Holtheim in Oberneuland gewesen.

„Bauen mit Grün ist möglich, man muss es nur wollen,“ betont Jacob. Das Beispiel Ärztehaus zeige, dass offensichtlich das architektonische Prinzip „freie Sicht auf den Neubau“ über den Wert von geschützten Bäumen gestellt werde. Es fehle letztlich aber auch an politischem Willen, Schutz und Erhalt von Grün in der Planung und beim Bauen angemessen zur Geltung zu bringen. Das betroffene Gebiet sei bereits heute in weiten Teilen versiegelt.

„Umso wichtiger wäre es, Bäume und Grün hier so weit wie möglich zu erhalten“, sagt Gunnar Oertel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Gerade in Zeiten dramatischen Klimawandels und in verdichteten ökologisch stark belasteten Stadtquartieren muss vorhandenes Grün, und müssen vor allem Altbäume, einen höheren Stellenwert bekommen.“

Seiner Ansicht nach müssten ganz am Anfang von Bebauungsplan- und Baugenehmigungsverfahren Baumbestandspläne verpflichtend vorgelegt werden. „Das ist bisher in der Regel nicht der Fall“, sagt Oertel. Seien diese Informationen jedoch bereits im frühzeitigen Stadium bekannt, ließen sich wertvolle Bäume beim Bau durch geschickte und intelligente Planung besser erhalten, meint der  Stadtökologe. Voraussetzungen seien allerdings der politische Wille und eine engere Zusammenführung von Umwelt- und Baubelangen im zuständigen Ressort.

Dort ist die Kritik offenbar angekommen. „Die Sorgen und Einwände des BUND nehme ich sehr ernst“, versichert Senator Lohse. „Gesunde alte Bäume, die ihren Ort in besonderer Weise prägen, haben eine enorme Bedeutung und sollen, wenn irgend möglich, erhalten werden.“

Kritik vom Beirat

Dass man im Ressort erst durch den Protest der Umweltschützer auf die geplante Fällung aufmerksam geworden ist, irritiert die Schwachhauser Beiratssprecherin Barbara Schneider (Grüne). „Ich hätte erwartet, dass die Behörde sorgfältiger an solche Planungen herangeht und dem Baumschutz mehr Bedeutung beimisst“, kritisiert sie. „Nach meinem Verständnis muss es zum Standard bei der Prüfung von Bebauungsplänen oder Bauanträgen gehören, dass der Baumbestand auf dem betroffenen Grundstück bewertet und katalogisiert wird.“

Und gegebenenfalls müsse man ein Baufeld eben auch mal etwas verschieben, wenn ein schützenswerter Baum im Weg stehe. „Leider haben wir in Schwachhausen in der letzten Zeit häufiger die Erfahrung machen müssen, dass auf Baumbestand bei der Erteilung von Baugenehmigungen keine Rücksicht genommen wurde und verschiedene alte Bäume gefällt wurden“, berichtet die Sprecherin. „Dem Beirat sind hier regelmäßig die Hände gebunden.“

Für die Linde und die weiteren Bäume im Gebiet des Bebauungsplans ist laut Barbara Schneider ein Gutachten erstellt worden, das dem Baum eine sehr gute Vitalität bescheinigt habe.

„Außerdem ist sie mit ihrer großen Krone und ihrem stattlichen Umfang recht prägend für diesen Straßenabschnitt“, betont die Beiratssprecherin. „Wir erwarten, dass die Linde erhalten bleibt und während der Bauphase geschützt wird.“ Auch bezüglich der übrigen Bäume, die von der Baubehörde zur Fällung vorgesehen sind, erwarte sie eine erneute Prüfung.

Barbara Schneider erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass der Beirat Schwachhausen im Zuge der Novellierung der Landesbauordnung  (LBO) verschiedene Vorschläge gemacht habe, wie der Baumschutz in der neuen LBO verbessert und gesichert werden könnte. „Leider wurde alles aus dem Ressort abgelehnt.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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