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Der Gebrauchs- und Polizeihundesportverein Bremen-Burg hat sich inhaltlich in 70 Jahren sehr gewandelt
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Moderne Sportarten für Vierbeiner

Christian Pfeiff 11.11.2018 0 Kommentare

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Katharina Kalicinski (von links), Michael Muth und Kerstin Ellebrecht gehören zum Vorstand. (Christian Pfeiff)

Ebenso wie die weiteren Nutzer des Geländes. Fast täglich werden hier Hunde trainiert und ausgebildet, an drei Tagen pro Woche unter der Ägide des Gebrauchs- und Polizeihundesportvereins Bremen-Burg (GPSV). Der Vereinsname kann Außenstehende leicht in die Irre führen: Zwar nehmen am wöchentlich stattfindenden Vereinstraining auch sogenannte Gebrauchshunde, also Arbeitshunde, teil. Sie sind jedoch deutlich in der Minderheit.

Auch die Inhalte des Trainings im Verein entsprechen überwiegend weder polizeilichen Ausbildungskriterien, noch zielen sie auf die Ausbildung scharfer Wachhunde ab. Die Namensgebung sei stattdessen ein Überbleibsel aus der Frühzeit der mittlerweile siebzig Jahre andauernden Vereinsgeschichte, berichtet der zweite Vereinsvorsitzende Michael Muth. „Die Ursprünge des Vereins liegen im Polizeihundesport, was sich später zur Schutzhundeausbildung weiter entwickelte“, erzählt Muth, der schon als Kind mit dem Verein in Kontakt kam. „Mein Vater zählte damals als Bahnpolizist zur ersten Mitgliedergeneration des Vereins.“ Michael Muth wurde 1972 selbst Mitglied und bekleidete später auch lange Jahre den Vereinsvorsitz.

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Jedes Wochenende wird auf dem Vereinsgelände des GPSV Bremen-Burg fleißig trainiert. (Christian Pfeiff)

Entsprechend erlebte Muth im Jahr 1976 bereits die Verlagerung des Vereinssitzes von einem Gelände in der Nähe der Straße An Smidts Park auf Höhe des Schulzentrums Alwin-Lonke-Straße auf das heutige Vereinsareal am Brokkampweg mit. Auch die allmähliche inhaltliche Wandlung der Vereinsaktivitäten begleitete er.

Der Name des Vereins passt heute eigentlich nicht mehr. Der GPSV ist für Halter aller Hunderassen und ihre Vierbeiner offen. Und auch dass die Bahnpolizei das Vereinsgelände an den Vormittagen für die Ausbildung ihrer Hunde nutzt, habe nichts mit der Arbeit des Vereins zu tun, erklärt Katrin Mylius, Geschäftsführerin und Übungsleiterin des Vereins, dessen inhaltliche Trainingsschwerpunkte aktuell auf die Begleithundeausbildung, vor allem aber auf Wettbewerbstraining und Turnierhundesport ausgelegt ist.

Der zertifizierte Nachweis einer erfolgreich absolvierten Begleithundeprüfung gemäß den Kriterien des Deutschen Verbands der Gebrauchshundesportvereine (DVG) sowie des europäischen kynologischen Dachverbands Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist für Hundehalter in Bremen im Allgemeinen nicht verpflichtend, stellt jedoch ein Basiskriterium für nahezu jede Teilnahme an offiziellen Turnieren und Wettbewerben im Hundesport dar.

„Zu Beginn der Neunzigerjahre entwickelte sich der Trend unter den Hundehaltern zunehmend in Richtung Breiten- und Turnierhundesport, was hier im Verein zu Beginn der Neunzigerjahre auch nachdrücklich forciert wurde“, erinnert sich der Vizevorsitzende.

Diese Entwicklung bescherte dem GPSV Bremen-Burg Mitte der Neunzigerjahre zwar einen personellen Rekord von mehr als 230 Mitgliedern, dieser brachte den Verein jedoch auch bald an die Grenzen seiner personellen Leistungsfähigkeit. „Man braucht schließlich auch immer genügend qualifizierte und engagierte Übungsleiter, um die Tiere entsprechend ausbilden zu können“, sagt Muth.

Die Trainer arbeiten damals wie heute in den Reihen des GPSV Bremen-Burg ehrenamtlich. Entsprechend großen Wert legen alle Vorstandsmitglieder unabhängig voneinander auf die Feststellung, dass es sich bei dem Verein nicht um eine Hundeschule handelt.

„Das Vereinsleben hat sich im Laufe der Jahrzehnte natürlich immer wieder gewandelt. Das führte auch dazu, dass die Ausbilder immer mehr als Dienstleister wahrgenommen werden, obwohl wir diese Tätigkeit alle unentgeltlich in unserer Freizeit ausüben“, erklärt Mylius, die dem Verein bereits seit 26 Jahren angehört. Eben dieser strukturelle und inhaltliche Wandel innerhalb des Vereins habe in der Vergangenheit zunächst dazu geführt, dass aus dem ursprünglich 1948 gegründeten „Wach- und Schutzhundesportverein“ schließlich der heutige Gebrauchs- und Polizeihundesportverein hervorging. Dessen Trainingsschwerpunkte verlagerte sich dann wiederum hinsichtlich der Interessen seiner Mitglieder zunehmend in den Bereich des Turnierhundesports und des sogenannten Rallye-Obedience, eine Sportart aus den USA, die Parcours und Gehorsamsübungen kombiniert. Die Angebote nehmen heute nur noch wenige Besitzer reinrassiger Gebrauchshunde wahr. Es gibt zwar noch eine kleine Mitgliedergruppe, die in dem Bereich trainiert, der früher gemeinhin als „Schutzhundesport“ bezeichnet wurde und heute IPO-Sport heißt. Die entsprechenden Trainingseinheiten finden heute jedoch nur noch am Rande des Vereinsalltags statt, so Mylius. Zur IPO-Sport-Ausbildung gehören die Disziplinen Fährtenarbeit, Unterordnung und der sogenannte Schutzdienst.

Dirk Kalicinski, seit zehn Jahren erster Vereinsvorsitzender, sieht traditionelle Vereinskultur nicht nur im Bezug auf den GPSV derzeit an einem Wendepunkt: „Viele Menschen haben heute weder die Zeit noch das Interesse für ein traditionelles Vereinsleben und möchten in einem solchen Rahmen entsprechend zumeist weder Ämter noch anderweitige verbindliche Verpflichtungen übernehmen.“ Diese Entwicklung ist aus seiner Sicht eine Konsequenz gewandelter beruflicher wie auch alltäglicher gesellschaftlicher Anforderungen.

Dennoch versucht der aktuell 93 Mitglieder zählende Verein, dieser Entwicklung auf verschiedene Weise konstruktiv entgegenzuwirken. So gibt es bereits eine Welpengruppe, die sich sonntags trifft und die gegen einen geringen Unkostenbeitrag auch Nicht-Mitgliedern offensteht. Ab dem kommenden Jahr sollen zusätzlich zu den bewährten Turniertrainingsangeboten auch moderne Hundesportarten wie Canicross, Dogscooter und Bikejöring das Angebot ergänzen. „Vereinfacht gesagt handelt es sich bei diesen Sportarten um moderne Varianten des Zughundesports, bei denen der Hund durch das Gelände vorweg läuft“, erklärt Kalicinski. Hund und Halter sind dabei durch eine mit Ruckdämpfern ausgestattete flexible Leine von etwa zwei Metern Länge miteinander verbunden.

Das zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte entsprechende Regelwerk des DVG orientiert sich augenscheinlich an den Bedürfnissen seiner angeschlossenen Mitgliedervereine und betont ausdrücklich zumindest im Hinblick auf diese Sportarten eine Abkehr von allzu strikten Reglements sowie eine Öffnung entsprechender Turniere auch für Nicht-Vereinsmitglieder.

Der GPSV Bremen-Burg hofft, dass er durch die neuen Angebote neue Interessenten für den Vereinshundesport begeistern und gewinnen kann. Dirk Kalicinski betont aber auch: „Wie jeder Verein wünschen wir uns natürlich Mitglieder, die gerne hierherkommen, um gemeinsam mit ihren Hunden und den anderen Mitgliedern trainieren, aber auch bereit sind, sich ein wenig für das Vereinsleben zu engagieren. Wir sind ein Sportverein und keine Hundeschule, bei der man seine Tiere abgeben und bespaßen lassen kann – eine solche kostet Halter allerdings auch ein Vielfaches unseres Mitgliedsbeitrags.“


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Leserkommentare
juergenkluth am 23.10.2019 15:19
Das es überhaupt so weit gekommen ist, ist eine Frechheit. Das DSM ist nicht alleine Schuld, da sind auch immer wieder kommunale Politiker beteiligt ...
kretzschmar am 23.10.2019 15:04
So sieht das aus, 9 Millionen arbeiten im niedrig Lohn Bereich, (Mindestlohn) das sind die zukünftigen Renten Aufstocker. Was eigentlich eine ...
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