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Mitmachaktionen am Osterdeich mit Särgebemalen, Probeliegen und mexikanischen Bräuchen
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Totenfest für die ganze Familie

Nadine Grohe 29.05.2017 0 Kommentare

Alternativer Totensonntag am BGH Weserterrassen, Nadine Grohe
Bunt soll das Holz werden an der Wiese vor dem Bürgerhaus Weserterrassen. Dafür pinselten kleine und große Besucher lebensfrohe Motive auf den Sarg, einen Apfelbaum etwa und einen Regenbogen. (Thomas Walbröhl Nadine Grohe, Nadine Grohe)

Mai an der Weser stattfand.

Unter dem Motto: „Feiern wir das Leben und den Tod“, fand ein bunter Nachmittag am Osterdeich statt, mit kreativen Angeboten wie Sarg bemalen, Urnen gestalten und Grabsteine meißeln. Entgegen der Tradition wird der alternative Totensonntag in Bremen zum ersten Mal im Frühling statt im Herbst veranstaltet. „Das soll Neuanfang und Schönes symbolisieren. Bunt statt Grau, aber ohne das eine gegen das andere auszuspielen – es soll sich ergänzen“, sagt Tom Schröpfer, Organisator und Mitarbeiter bei Trauerraum. Schröpfer ist seit sechs Jahren Bestatter im Unternehmen. „Bestatter ist ein Beruf, zu dem man sich nicht entscheidet, sondern man wächst rein, man landet in der Branche“, sagt er.

Alternativer Totensonntag am BGH Weserterrassen, Nadine Grohe
Linkes Foto: Die Veranstalter von Trauerraum, darunter Heiner Schomburg (hinten links) und Tom Schröpfer (vorne rechts); Mittleres Foto: Rita Whalley aus Findorff traut es sich, im Sarg einmal Probe zu liegen; Rechtes Foto: Claudia Lopez Olivera präsentiert mexikanische Bräuche zum Dia de los muertos. (Thomas Walbröhl Nadine Grohe, Nadine Grohe)

Bei sommerlichen Temperaturen war der Platz aufgebaut wie ein Sommerfest und auf den ersten Blick nicht als Totensonntag zu erkennen. Es war bunt geschmückt, ein Zirkuszelt und eine Jurte waren aufgebaut, es gab einen Pizza- und Pastawagen und Kinder malten Holzsärge bunt an. „Genau das ist unser Ziel: Die Deutschen haben einen anderen Umgang mit der Thematik Sterben, Tod und Trauer. Menschen sind oft befangen, und trotzdem hat jeder einen anderen Umgang damit, und das wollen wir hier auflockern und auch zeigen, dass es eine schöne Alternative gibt.“ Entstanden ist die Idee dazu angelehnt an den mexikanischen „Dia de los Muertos“, dem Tag der Toten in Mexiko. „Die Mexikaner zelebrieren den Tod und das Leben gemeinsam mit der Familie“, erklärt Schröpfer. „Darauf baut unser alternativer Totensonntag auf.“ Am Stand der Steinbildhauerei Katja Stelljes wird bereits fleißig gemeißelt und gehämmert. Dort kann man einen Grabstein gestalten. Direkt daneben findet man die Friedhofsgärtnerei Adrian, wo zwei bunte Grabbeispiele aufgebaut sind. Auf einem Mustergrab ist ein aus Blumen gestalteter Totenkopf, ein Symbol des mexikanischen Totentages. „Wir sind heute da, um zu zeigen, dass man als Gärtner Gräber auch kreativ gestalten kann“, sagt Thorsten Adrian, Inhaber der Gärtnerei. „Der Trend geht ganz klar in Richtung bunt, wild und weniger steif.“ Beliebte Grabblumen sind laut Adrian Begonien, da diese pflegeleicht und robust sind. „Aber auch Rosen werden immer beliebter.“

Nachmittags dann werden weiße Ballons gen Himmel fliegen gelassen, als Ritual zum Gedenken an das Leben und den Tod, und in einem kleinen Zirkuszelt gab es dann um 18 Uhr mit „Ruhe sanft“ Kabarett mit Stephan Franke.

Alternativer Totensonntag am BGH Weserterrassen, Nadine Grohe
Linkes Foto: Die Veranstalter von Trauerraum, darunter Heiner Schomburg (hinten links) und Tom Schröpfer (vorne rechts); Mittleres Foto: Rita Whalley aus Findorff traut es sich, im Sarg einmal Probe zu liegen; Rechtes Foto: Claudia Lopez Olivera präsentiert mexikanische Bräuche zum Dia de los muertos. (Thomas Walbröhl Nadine Grohe, Nadine Grohe)

Probeliegen im Sarg

Ein Highlight war der Altar von Claudia Lopez Olivera. Sie ist Mexikanerin und hatte damals einen deutsch-mexikanischen Verein in Bremen gegründet. Aktuell ist sie Spanischlehrerin und hat für den bunten Totensonntag einen traditionellen mexikanischen Altar aufgebaut. „Einmal im Jahr feiern wir Mexikaner am Dia de los Muertos mit den Seelen unserer Verwandten“, sagt Lopez Olivera. Traditionell wird der Tag der Toten in Mexiko vom 30. Oktober bis zum 2. November gefeiert.

Alternativer Totensonntag am BGH Weserterrassen, Nadine Grohe
Alternativer Totensonntag am BGH Weserterrassen, Nadine Grohe (Thomas Walbröhl Nadine Grohe, Nadine Grohe)

Prunkvolle und bunte Altäre werden dann aufgebaut und geschmückt. „Auf diesem Altar hat alles eine Symbolik – es hat viele christliche und präspanische Elemente wie zum Beispiel die Jungfrau Maria oder das Kreuz.“ Außerdem sind die vier Elemente vertreten: Feuer, Erde, Wasser und Wind. Auf jedem Altar stehen außerdem Wasser und Salz. „Denn die Seelen bekommen Durst nach ihrer langen Reise. Das Salz ist ein Reinigungselement.“ Damit die Seelen der Verwandten den Weg nach Hause finden, stehen Fotos von ihnen auf dem Altar, ihre Lieblingsgerichte, Kerzen, Weihrauch und natürlich Obst und Nachspeisen. „Das Totenbrot hat auch Tradition. Es ist ein süßes Hefegebäck mit Orange- und Anis-Aromen, das wir dann auch gemeinsam verspeisen“, erklärt Lopez Olivera. Für die Seelen verstorbener Kinder gibt es eine Ecke mit Süßigkeiten und Spielzeugen. An ihrem Stand konnte man ein Stück Totenbrot probieren oder einen Zucker-Totenkopf mitnehmen, auf dessen Stirn man Namen schreiben kann. Sie nennen sich Calavera Catrina. „Sie zeigen Skelette, die sich für eine reiche Person halten, aber keine sind“, sagt Lopez Olivera, „Doch nach dem Tod sind alle gleich – egal ob reich oder arm.“

Neben dem Altar konnte man in einem Kiefernsarg Probeliegen. Rita Whalley aus Findorff war so mutig. „Ich war erst ein wenig aufgeregt, denn man kennt es ja aus Gruselfilmen – das lebendig Begrabenwerden.“ Doch sie traute sich sogar, den Deckel schließen zu lassen, und schlägt sich tapfer. „Es war ein bisschen eng an den Schultern, aber nach oben hin war viel Platz„, sagt sie danach. “Und es roch so schön nach Holz.“ Doch auch Erinnerungen wurden in ihr geweckt. „Ich musste an meine verstorbenen Eltern denken, die auch in einem Sarg begraben wurden.“ Heiner Schomburg, Inhaber von Trauerraum, zeigt sich jedenfalls am Ende des Tages zufrieden: „Es mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber es ist ein Angebot, das wir gerne machen. Im Prinzip braucht man Bestatter nämlich nur für die Überführung. Der Rest kann auch von der Familie übernommen werden.“


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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