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Zeaborn übernimmt Kerngeschäft des traditionsreichen Hamburger Schifffahrtsunternehmens
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Zech rettet insolvente Reederei Rickmers

Peter Hanuschke und Eckart Gienke 08.09.2017 0 Kommentare

Durch die aktuelle Übernahme durch das Konsortium wird die Reederei Rickmers nun nicht abgewickelt, sondern kann mit einem neuen Eigner weitermachen.

Unklar ist bislang, wie viele der insgesamt 2000 Arbeitsplätze in der Rickmers-Gruppe gerettet werden können. Fest steht, dass in der Konzernholding von 120 Mitarbeitern rund 80 ihren Job verlieren. Wie viele Arbeitsplätze durch die Übernahme der Shipmanagement-Sparte erhalten werden können, lasse sich momentan noch nicht sagen, sagte Dirk Römer, Sprecher von Zeaborn. Der Zukauf sei aber auf jeden Fall ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensgeschichte von Zeaborn.

Gegründet wurde das Unternehmen, das im Bereich Schwergut mit Mehrzweckschiffen mit Tragfähigkeiten zwischen 7500 und 30 000 Tonnen unterwegs ist, erst 2014. „Wir hatten uns von Anfang an das Ziel gesetzt, etwa 100 Schiffe im Management zu haben - das haben wir mit der Übernahme erreicht“, sagte Römer. Ebenso wollte Zeaborn als sogenannter vollintegrierter Schiffsmanager agieren. „Auch das ist uns mit der Übernahme gelungen.“ Die Hauptstandorte der Shipmanagement-Abteilung liegen in Hamburg, Singapur und Zypern. Als Kaufpreis sei ein zweistelliger Millionenbetrag vereinbart worden, heißt es in einer Pflichtveröffentlichung der Rickmers Holding.

Bei dem Konsortium mischt auch der ehemalige Eigentümer des Hamburger Unternehmens, Bertram Rickmers, mit. Ziel des Bieterkonsortiums sei es, die Shipmanagement-Aktivitäten auszubauen sowie in weiteres Wachstum zu investieren. Der Gläubigerausschuss der Rickmers Holding AG habe dem Abschluss bereits zugestimmt. Der Vollzug der Transaktion stehe noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.

Es sei zudem beabsichtigt, dass das Konsortium im Rahmen einer Gesamtlösung auch die restlichen Geschäftseinheiten der Rickmers-Gruppe - unter anderem Maritime Assets - im Wege eines Insolvenzplans übernehme. Ob für alle diese Bereiche auch Zeaborn infrage kommt, sei derzeit offen, so Römer. Man werde sich damit aber auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen, was sinnvoll sei.

Rickmers in Eigenverwaltung

Die Rickmers Holding AG hatte am 1. Juni Insolvenz angemeldet, nachdem die HSH Nordbank als einer der wichtigsten Gläubiger der Reederei einen außergerichtlichen Sanierungsplan abgelehnt hatte. Der operative Schiffs- und Geschäftsbetrieb der Rickmers-Gruppe wurde seitdem in Eigenverwaltung fortgeführt. Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens gelang es Insolvenzvorstand Christoph Morgen und Sachwalter Jens-Sören Schröder, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren.

Dabei dürfte es geholfen haben, dass die seit neun Jahren andauernde Talfahrt der Schifffahrt ihren Tiefpunkt hinter sich zu haben scheint. Eine Erholung der Märkte könnte nach Einschätzung von Branchenexperten bevorstehen. Eröffnet wurde das Verfahren am Mittwoch; es soll als Insolvenzplanverfahren bis zum Ende des Jahres abgeschlossen werden. Der Vorstand bleibt damit auch im eröffneten Verfahren im Amt und führt die Rickmers-Gruppe eigenverantwortlich fort.

Im Geschäftsbereich Maritime Services erbringt die Rickmers-Gruppe Dienstleistungen im Schiffsmanagement für die eigenen Schiffe und für Schiffe Dritter, zu denen technisches und operatives Management, Crewing, Neubauüberwachung, Beratungsleistungen und Dienstleistungen bei Versicherungen gehören.

Weiterhin in der Insolvenzmasse befindet sich der Geschäftsbereich Maritime Assets - dort ist die Rickmers Gruppe als Asset Manager für ihre eigenen Schiffe und Schiffe Dritter tätig. Außerdem stehen Unternehmensbeteiligungen wie am Makler Harper Petersen zum Verkauf.

Die Rickmers-Insolvenz war eine Folge der hartnäckigen weltweiten Krise in der Schifffahrt. In der Folge sind zahlreiche kleine Reedereien aus dem Geschäft ausgeschieden; die deutsche Handelsflotte hat sich um mehr als 1000 Schiffe verkleinert. Die Charter-Reedereien, die ihre Schiffe an die großen Linienreedereien wie Maersk oder Hapag-Lloyd vermieten, mussten ihre Schiffe verkaufen und die Flotten verkleinern oder schieden ganz aus dem Markt aus. Bei den Container-Linienreedereien hat die Krise zu einer globalen Konzentrationswelle geführt.

Die Rickmers Group hatte zum Ende des vergangenen Jahres 114 eigene und fremde Schiffe unter ihrem Management und war in 13 Ländern mit 16 Standorten präsent. Neben zahlreichen technischen und finanziellen Dienstleistungen gehörte auch die bereits an Zeaborn verkaufte Linienreederei für Stückgut, Schwergut und Projektladung zum Konzern. Im vergangenen Jahr erreichte die Rickmers Group einen Umsatz von 483 Millionen Euro und machte dabei 341 Millionen Euro Verlust. Die Netto-Finanzverschuldung wurde mit 1,46 Milliarden Euro angegeben.

Kurt Zech ist in Hamburg bereits mehrfach selbst oder über seine Stiftung bei insolventen Unternehmen eingestiegen, so bei dem Haustechnik-Unternehmen Imtech und bei der Agrarfirma KTG Agrar. Der Bremer ist ursprünglich Bau- und Immobilienunternehmer, unterhält aber auch eine Reihe von Hotels, unter anderem auf Sylt und in Hamburg, und entwickelt Handelsimmobilien. Der Unternehmer gehört auch dem Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen an und will sich maßgeblich an der Umstrukturierung der Bremer Innenstadt engagieren: Zech will unter anderem das Parkhaus Mitte kaufen, es abreißen und die freie ­Fläche als Ausgangspunkt einer neu zu bauenden Passage verwenden. So sollen neue Laufwege und modernere Einzelhandels­flächen entstehen. Zu dem Familienunternehmen gehören auch Industriebeteiligungen sowie Beratungsfirmen.

Folgen für Gläubiger unklar

Was die Übernahme für die Gläubiger einer Unternehmensanleihe von Rickmers bedeutet, war zunächst noch nicht klar. Viel Hoffnung können sie sich jedoch wohl nicht machen. Rickmers hatte sich während der Schifffahrtskrise im Jahr 2013 von Anlegern 275 Millionen Euro geliehen und dafür 8,875 Prozent Zinsen in Aussicht gestellt. Die Anleihe legte am Donnerstag kräftig zu und notierte bei einem Kurs von rund drei Prozent. Das heißt: Wer 1000 Euro investiert hat, bekommt 30 Euro zurück, wenn er das Papier über die Börse verkauft.


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Leserkommentare
ManUD7 am 22.10.2019 07:37
Wieso wird die Bevölkerung aufgehetzt? Jahrelang sieht man doch nur noch Mais. Und dieser dient weitestgehend zum Betrieb der Biogasanlagen. Dafür ...
Mangaguide.de am 22.10.2019 07:30
Ein Punkt in Flensburg fuer den Halter war ja geplant, wurde aber leider wieder verworfen.

Alternativ koennte man ja auch Feuerwehr, ...
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