Rezension
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Rena Dumont: Paradiessucher

Sandra Baumgarten und Christian Glade 28.10.2013 0 Kommentare

Die Autorin Rena Dumont.
Die Autorin Rena Dumont.

Bremen. Anlässlich des Literaturfestivals "globale" veröffentlicht der WESER-KURIER fünf Rezensionen von Studierenden der Bremer Universität. Teil 2: Sandra Baumgarten und Christian Glade besprechen "Paradiessucher" von Rena Dumont.

Für die einen bedeutet das Paradies Reichtum und Wohlstand, für die anderen ist es ein freier Wille. Immer ist es jedoch das Streben nach Selbstverwirklichung und die Erfüllung lang gehegter Träume.

Paradiessucher, Rena Dumonts Debütroman, erzählt die Geschichte der 17-jährigen Lenka, die mit ihrer Mutter in einer tschechischen Kleinstadt lebt und versucht, ihren Traum von einer Schauspielkarriere Wirklichkeit werden zu lassen. Doch von den dortigen Schauspielkonservatorien erfährt das rebellische Mädchen nur Ablehnung. Die politischen und wirtschaftlichen Missstände in ihrer Heimat bestärken sie nur noch mehr in ihrem Vorhaben, das Land zu verlassen. Gemeinsam mit ihrer Mutter begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Paradies, das sie sich im vermeintlich freien Westdeutschland erhofft.

Doch dort angekommen holt die Realität sie ein. Acht Monate lang schlagen sich die beiden Frauen im Asylantenlager Königsee durch einen Alltag, der von Kleinkriminalität, einer ungleichen Zweckgemeinschaft und delikaten Missverständnissen geprägt ist. So wird der Besuch eines Supermarktes zum Abenteuer und Kiwis werden mit Schale gegessen. Erst als Lenka beschließt, die deutsche Sprache zu erlernen, kann sie aus ihrem Trott ausbrechen und kommt der Verwirklichung ihres Traumes wieder ein Stück näher.

Auch die Autorin Rena Dumont suchte ihrerseits das Paradies. Ihr Erstlingswerk enthält daher einige autobiografische Anteile, wie beispielsweise den Wunsch, Schauspielerin zu werden, den sich Dumont nach ihrer Emigration in Deutschland erfüllen konnte. Auch für sie war das Asylantenlager Königsee eine der ersten Zwischenstationen auf ihrer Flucht und sicherlich hatte sie ähnlicheIntegrations- und Verständnisschwierigkeiten wie Lenka, die sie hier mit Witz und Selbstironie schildert.

Vielleicht ist diese Nähe zu ihrer Figur der Grund, dass Paradiessucher so nachvollziehbar ist und sie nicht nur ein jugendliches Publikum erreicht. Es gelingt ihr, auf humorvolle Art und Weise den Leser für eine ernstzunehmende Thematik zu interessieren und gleichzeitig zu sensibilisieren. Ihre unkomplizierte Sprache, ein gutes Maß an Situationskomik und Lenkas pubertärer Charme gepaart mit jugendlicher Sorglosigkeit tun dabei ihr übriges.

Die Schriftstellerin zeichnet hiermit ein vielseitiges Bild vom Flüchten und Zurückwollen, von Wurzeln und Heimat und den Schwierigkeiten, in einer fremden Kultur und Gesellschaft anzukommen, ohne dabei allzu sehr das tragische Schicksal des Emigrantenseins herauszustellen oder zu verharmlosen. Dass sich der Roman damit in den aktuellen Diskurs um Flucht, Asylantenlager und Integration einschreibt, der durch die jüngsten Ereignisse in Syrien und die vielen Emigranten, die in Deutschland Schutz suchen, eine unvergängliche Aktualität beweist, steht außer Frage. So können Lenka und Rena Dumont als ein hoffnungsvolles Beispiel für manchen Migranten stehen und ihm vom Suchen und Finden ihres Paradieses erzählen.

Paradiessucher. Roman. 304 Seiten. Hanser Verlag. München 2013. 14.90 € 


Party- und Freizeit-Bilder

Hier sind die Ermittler
Die große Vorschau: Das bringt die neue "Tatort"-Saison
Veranstaltung für Ihre Region
Papierstau Kolumne
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Aktueller Mittagstisch in Bremen