Israels Süden
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Stille Schönheit der Negev-Wüste

Bastienne Ehl 27.11.2018 0 Kommentare

Die Säulen Salomons sind ein natürlicher Teil der gigantischen Klippenwand im Timna Park und durch Erosion entstanden.
Die Säulen Salomons sind ein natürlicher Teil der gigantischen Klippenwand im Timna Park und durch Erosion entstanden. (Fotos: Bastienne Ehl)

Eilat. Nichts als Sand, Steine und Geröll – die braungraue, weite Landschaft beeindruckt schon aus dem Flugzeug heraus. Mit etwa
12 000 Quadratkilometern nimmt die Wüste Negev etwa 60 Prozent des Staates Israel ein, doch leben dort nur knapp zehn Prozent der Bevölkerung. Dann, mitten im einfarbigen Nirgendwo, taucht ein Rollfeld auf. Die Maschine landet auf dem Ovda Red Sea Airport. „Welcome to Israel“ steht auf dem einstöckigen Terminal, der an einen Wellblech-Container erinnert.

Ovda wurde 1982 ursprünglich als Militär-Flughafen gebaut. Doch je mehr Touristen die Negev-Wüste und den Süden Israels für sich entdeckten, umso mehr internationale Flüge landeten dort. Für 2018 erwartet Flughafen-Manager Hanan Moscovitz 280 000 Passagiere, Tendenz steigend. Viel zu viel für den kleinen Wüsten-Flughafen. Doch an der Alternative wird bereits seit einiger Zeit gebaut: der Ramon International Airport, benannt nach dem ersten israelischen Astronauten Ilan und dessen Sohn Assaf Ramon. Der Flughafen im Timna Tal wird nach seiner Eröffnung in dieser Wintersaison alle zivilen Flüge, die derzeit den Flughafen in Ovda nutzen, übernehmen, den kleinen Stadtflughafen mitten in Eilat ersetzen, und außerdem als Umleitungsflughafen für Israels Hauptflughafen Ben Gurion dienen.

Die Kleinstadt Mitzpe Ramon in der zentralen Negev-Wüste ist keine Schönheit.
1956 wurde sie für die Arbeiter errichtet, die Straße nach Eilat im Süden Israels gebaut haben. Heute wohnen etwa 5000 Menschen dort. Mitzpe Ramon liegt am nördlichen Rand eines einzigartigen Naturphänomens, dem Makhtesh Ramon. Makhtesh, das ist Hebräisch und heißt Krater. Es gibt mehrere Krater in der Negev-Wüste, doch der Makhtesh Ramon ist mit einer Länge von 40 und einer Breite von zwei bis zehn Kilometern der größte und damit weltweit einzigartig. Entstanden ist der Krater nicht durch Vulkane oder Meteoriteneinschläge, sondern über Jahrmillionen durch Erosion. Wie genau das vor sich gegangen ist, erklärt Guide Alen Gafny bei einer Jeep-Tour durch den Krater. Er redet gerne und leidenschaftlich über „seinen“ Krater. Seit 1995 führt er bereits Touristen durch den Makhtesh und weiß mehr über ihn als jeder Wissenschaftler, das behauptet er zumindest.

„Der Ramon Krater wird auf 220 Millionen Jahre geschätzt und entstand zu der Zeit, als dieses Land noch von einem Meer bedeckt war“, sagt Gafny. Der gesamte Krater ist ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet und trotz der lebensfeindlich anmutenden Bedingungen leben dort etwa 40 verschiedene Wüstentiere wie Schlangen, Nagetiere, Stachelschweine, Eidechsen, Skorpione und auch Schildkröten.

Weiter holpert der Jeep, über Geröll, steile Abhänge hinunter und durch tiefe Furchen bis Gafny auf einer Anhöhe Halt macht. Als die Sonne untergeht und Felsen, Hügel und Schluchten in ein unwirkliches Licht taucht, hört auch Alen erstmals für kurze Zeit auf zu reden und genießt die stille Schönheit der kargen Kraterlandschaft.

Etwa auf halbem Weg zwischen Mitzpe Ramon und Eilat erhebt sich zwischen Felsen, Staub und Steinen eine künstliche Oase, der Kibbuz Neot Semadar. „Alles, was wir hier anbauen, ist biologisch“, erklärt Shuli Hartman. Sie ist Sozialanthropologin und lebt seit einigen Jahren im Kibbuz, zusammen mit rund
90 Erwachsenen, 70 Kindern und etwa 50 Freiwilligen. Die Bewohner kommen aus allen Teilen der Welt, hauptsächlich aber aus Israel und Europa.

1989 hat alles angefangen. 19 sehr unterschiedliche Menschen kamen damals gemeinsam aus Jerusalem an diesen Ort, um dort zusammen zu leben und zu arbeiten. „Was diese Menschen zusammengeführt hat, waren dieselben Fragen: Was ist Freiheit? Was ist die Geschichte unseres Lebens? Was kommt nach dem Tod?“, erzählt Hartman. Diese Fragen wollte die Gruppe aber nicht intellektuell beantworten, sondern im alltäglichen Miteinander, beim gemeinsamen Arbeiten, Wohnen, Essen und während der Freizeit. „So hinterfrage ich meine Haltung jeden Tag.“

Am Ende des duftenden Rosengartens steht ein rosafarbenes, märchenhaft anmutendes Gebäude mit einem hohen Turm. Ein bisschen Disneyland, ein bisschen 1001 Nacht. Verschnörkelte Säulen, filigrane und mit Vögeln verzierte metallene Treppengeländer, Terrazzo-Fußböden, Holzskulpturen und aus Stein gemeißelte Eulenfiguren. „Das Haus der Künste entstand aus dem Wunsch heraus, gemeinsam etwas zu erschaffen“, sagt Hartman. In der Gründergruppe des Kibbuz waren Künstler und Handwerker unterschiedlicher Fachrichtungen. In mehreren Workshops wurde das Haus Stück für Stück entworfen und gebaut. So hat es schließlich auch 15 Jahre gedauert bis das Gebäude fertig war. Heute werden dort regelmäßig Kurse und Seminare angeboten.

Neben einer großen Dattelplantage bauen die Mitglieder des Kibbuz auch Trauben, Oliven, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Aprikosen an. „Alles, was wir nicht direkt verkaufen, verarbeiten wir weiter. Wir stellen Marmelade, Saft, Olivenöl und Wein her und verkaufen es in unserem Hofladen“, sagt Hartmann. In der kibbuzeigenen Molkerei wird Ziegenmilch weiter verarbeitet. Wer mitten in der Wüste Landwirtschaft betreibt, braucht neben jeder Menge Idealismus, vor allem eines: Wasser. „Das ist das Teuerste hier“, sagt Hartmann. Was die Gemeinschaft für Menschen, Tiere und Pflanzen braucht, kommt aus tiefen Brunnen. „Außerdem bereiten wir Gebrauchtwasser mit speziellen Anlagen wieder auf, anders kann man in der Wüste nicht überleben.“

Im Süden der Negev-Wüste, etwa 25 Kilometer nördlich von Eilat, liegt der Timna Park, der von drei Seiten von Klippen umgeben ist. Auf einer Fläche von 60 Quadratkilometern gibt es tiefe Schluchten, Sandsteinbögen, gigantische Felssäulen und bizarre Felsformationen wie den Spiralhügel oder den Pilzfelsen, allesamt geformt durch Erosion. „Dort findet man alle Farben zwischen schwarz und weiß“, sagt Tourguide Eitan Zohar. Man müsse nur ganz genau hinsehen. Und tatsächlich, bei eingehender Betrachtung schimmert das Gestein grün, rot, türkis, grau und in vielen Farben mehr. Der Grund für diese Vielfalt sind Mineralien im Gestein. Früher war das Timna Tal von einem Meer bedeckt. 500 Millionen Jahre ist das her. Das Meer ist weg, zurückgeblieben sind Mineralien wie Kupfer, Eisen und Mangan. Mitten im Park sind Reste antiker Minen zu finden, in denen vor mehr als 6000 Jahren Kupfer abgebaut wurde.

Die Mineralien sind auch der Grund dafür, dass die Temperaturen an manchen Stellen
45 Grad im Sommer überschreiten können. „Wenn sich das Gestein mit Eisenanteilen über den Tag so richtig aufgeheizt hat, kann es an manchen Stellen sogar mehr als 50 Grad heiß werden“, sagt Zohar und behauptet sogar, man könne dann Grillfleisch direkt auf einem Felsen brutzeln. So heiß es im Sommer werden kann, so kalt kann der Winter in der Wüste sein. „Minus sieben Grad Celsius hatten wir im Winter 2013, das war Rekord.“ Mit diesen extremen Bedingungen kommen nur wenige Spezialisten klar. „Steinböcke, Füchse, Wölfe und vier Vogelarten leben in der Wüste. Sie ernähren sich hauptsächlich von den Blättern des Akazienbaums“, sagt Zohar.

Genug von Sand, Steinen und Geröll. Die Stadt Eilat an der Südspitze Israels am Roten Meer erscheint nach der Einfachheit und Stille der Wüste wie eine Mischung aus Rimini und Las Vegas. Bunte Leuchtreklamen, Bars, ausgezeichnete Restaurants, Fahrgeschäfte direkt an der Strandpromenade und jede Menge Shoppingcenter. Um den Tourismus anzukurbeln, wird in Eilat keine Mehrwertsteuer erhoben. Große Containerschiffe liegen im Golf von Akaba. Denn Eilat ist Israels einziger Zugang zum Roten Meer und damit zum Indischen Ozean. Auch Kreuzfahrtschiffe machen dort auf ihren Touren Halt.

Auf gerade mal zwölf Kilometern Küste, zwischen den Grenzen zu Ägypten auf der einen und Jordanien zur anderen Seite, finden Touristen alles, was das erholungs- und erlebnishungrige Herz begehrt. Vor allem Israelis machen in Eilat Urlaub, aber auch Russen und immer mehr Europäer. Ein entscheidender Grund dafür sind die Temperaturen. Während es am israelischen Mittelmeer im Winter empfindlich kühl werden kann, liegt die Durchschnittstemperatur in Eilat in den Wintermonaten November bis März bei 22 Grad. Im Dezember kann sogar bei 22 Grad Wassertemperatur geschwommen werden.

Im Süden Eilats liegt der Coral Beach. Das fischreiche Korallenriff ist Naturschutzgebiet und ein beliebter Ort zum Schnorcheln und Tauchen. Wer nicht tauchen möchte, kann im verglasten Unterwasserobservatorium der beeindruckenden Unterwasserwelt des Roten Meeres näherkommen, Begegnungen mit einem anschmiegsamen Mantarochen inklusive. Am Delfin-Riff können Touristen die zutraulichen Tiere beobachten und mit ihnen schwimmen oder tauchen. Allerdings nur solange die Delfine dazu Lust haben. Denn die Tiere sind nicht eingesperrt und können jederzeit im Roten Meer verschwinden.

Durch seine Lage abseits von Westjordanland und Gazastreifen und den geringen palästinensischen Bevölkerungsanteil war Eilat selbst kaum im Brennpunkt des arabisch-israelischen Konflikts. Doch der Konflikt gehört zum israelischen Alltag. In der Negev-Wüste fährt man entlang der hohen und mit Stacheldraht gesicherten Grenzzäune zu Ägypten und Jordanien, vorbei an militärischen Stationen und Trainingslagern, Gräbern und Gefängnissen. Auch schwer bewaffnete Militärs gehören zum alltäglichen Bild. Man trifft sie auch am Imbissstand, genauso wie orthodoxe Juden, Araber und Schulkinder. Dort stehen sie gemeinsam in der Schlange, um eine der besten Falafel-Pitas der Welt zu essen.

Die Reise wurde unterstützt von Lufthansa und dem Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro.

Zur Sache

Israel

Anreise: Lufthansa fliegt seit Ende Oktober nonstop von Frankfurt nach Eilat. Informationen zu den Flügen unter www. lufthansa.de.

Für die Einreise nach Israel benötigen deutsche Staatsangehörige einen Reisepass, der sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein muss. Bis zu einem Aufenthalt von drei Monaten brauchen deutsche Staatsangehörige kein Visum.

Informationen im Internet zur Negev-Wüste unter https://new.goisrael.com; zum Timna Park unter www.parktimna.co.il.; zum Kibbuz Neot Semadar unter www.neot-semadar.com. sowie zu Eilat unter www.eilat.city/de.


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