„The Surge 2“ im Test
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Der Mensch-Maschinen-Metzger

Robert Bannert 02.10.2019 0 Kommentare

Protzt wieder mit riesigen und obendrein knallharten Maschinen-Bossen:
Protzt wieder mit riesigen und obendrein knallharten Maschinen-Bossen: "The Surge 2" vom deutschen Entwickler-Haus Deck13. (Deck13 / Focus Home Interactive)

Besonders hartgesottene Gamer zocken entweder retro - oder sie spielen „Dark Souls“. Oder eines von den vielen, vielen Spielen, die mittlerweile im Fahrwasser der erfolgreichen Action-Rollenspiel-Reihe des japanischen Entwicklers From Software verkehren. Der hatte vor acht Jahren einen Gegenentwurf zum Casual-Gaming präsentiert und damit einen unaufhaltsamen Trend losgetreten. Wichtigstes Merkmal dieses Sub-Genres: Hauptsache hart! Der Grat zwischen völliger Frustration und jenen Glücksgefülen, es nach unzähligen Anläufen doch noch weitergeschafft zu haben, ist ein schmaler.

Mit dem Frankfurter Spiele-Entwickler Deck13 findet sich auch in Deutschland ein zuverlässiger Lieferant für hochwertige Folter-Werkzeuge im Stile von „Dark Souls“: Nach dem Überraschungserfolg „Lords of the Fallen“ von 2014 legte das Studio 2017 mit „The Surge“ nach - und verlegte das sonst in einem Fantasy-Szenario angesiedelte „Souls“-Genre erstmals in eine Science-Fiction-Welt. Hier wurde ein Rollstuhl-fahrender Held in einen High-Tech-Anzug verpflanzt: Der stellte zwar seine Gehfähigkeit wieder her, dafür musste er sich durch einen Schrottplatz voller streitlustiger Cyborg-Zombies kämpfen.

Auch das zweite
Auch das zweite "Surge" schlägt mit seinem hohen Schwierigkeitsgrad in die "Dark Souls"-Kerbe. (Deck13 / Focus Home Interactive)

Für den nun veröffentlichten Nachfolger „The Surge 2“ erweitert Entwickler Deck13 das Ganze: Statt eines kleinen Industrie-Parks wurde hier gleich eine ganze Großstadt von einer hartnäckigen Cyber-Seuche befallen, die (mehr oder weniger) friedliebende Bürger in aggressive Mensch-Maschinen-Metzger verwandelt - Monstrositäten aus Fleisch, Haut, Nieten und stählernen Mordinstrumenten.

Für den Spieler bedeutet das vor allem mehr Bewegungsfreiheit, denn unter anderem darf er jetzt ausladende Outdoor-Gebiete nach Gegnern und Beute durchstreifen - darunter sogar eine Art Park, dessen satte Grünflächen einen angenehmen Kontrast zur sonst dominanten Stahl- und Beton-Wüste bilden.

Mit einem gigantischen Fundus aus Waffen und Upgrades ist der Nachfolger noch wesentlich taktischer als das erste
Mit einem gigantischen Fundus aus Waffen und Upgrades ist der Nachfolger noch wesentlich taktischer als das erste "Surge". (Deck13 / Focus Home Interactive)

Schade: Statt eines vom Spiel vorgegebenen Alter Egos mit interessanter Vorgeschichte konfrontiert „The Surge 2“ den Gamer mit einem Charakter-Editor und fordert ihn so dazu auf, sein eigenes Antlitz zu gestalten: Das lässt sich zwar auf vielschichtige Weise modifizieren, bleibt aber dafür bis zum Ende des Spiels blass und stumm.

Das Gute wird noch besser

Wer solche Brocken in die Stahl-Knie zwingen will, muss die richtige Ausrüstung an Bord haben und außerdem zielgerichtet kontern.
Wer solche Brocken in die Stahl-Knie zwingen will, muss die richtige Ausrüstung an Bord haben und außerdem zielgerichtet kontern. (Deck13 / Focus Home Interactive)

Auch die Bemühungen der Entwickler, ihre Cyber-Schlacht mit einer interessanten Geschichte und starken Charakteren zu servieren, ist leider nur bedingt gelungen: Das Storytelling von „The Surge 2“ wirkt über weite Strecken zu krampfhaft bemüht, um wirklich faszinieren zu können. Im Vergleich zum Vorgänger ist das fast schon ein Rückschritt: Der hat sich eine komplexere Geschichte gleich ganz gespart, dadurch aber wenigstens konsequent und auf angenehme Weise entschlackt gewirkt.

Zum Glück punktet Deck13 wieder bei der Kern-Disziplin seines Spiels und macht das ohnehin schon starke Kampfsystem des ersten Teils noch mal besser: Ab sofort darf der eigene Haudrauf gezielt einzelne Körperzonen des Gegners anvisieren. Anhand eines geschickt aufgeschlüsselten Farbcodes sieht man zudem gleich, wie das betreffende Segment geschützt ist. Auf diese Weise gewinnen die wunderbar martialisch und wuchtig inszenierten Gefechte eine taktische Komponente, werden aber zugleich spürbar anspruchsvoller als im Vorgänger.

Jetzt wird's persönlich:
Jetzt wird's persönlich: "The Surge 2" bemüht sich darum, Feinde und andere Charaktere erzählerisch genauer zu beleuchten. Leider klappt das nicht immer souverän. Die Stärke des Spiels ist nach wie vor eine andere. (Deck13 / Focus Home Interactive)

So kann der Held Nahkampfattacken nur noch abwehren, wenn er genau im richtigen Augenblick in die entsprechende Richtung kontert - ein Vorgang, der viel Übung und Nerven erfordert. Glücklicherweise bringt das zweite „Surge“ eine ganze Fülle an neuen Möglichkeiten mit, um den eigenen Kampfanzug mit Upgrades oder Waffen aufzumotzen. Außerdem wird der Spieler von ferngesteuerten Drohnen begleitet: Die schwebenden Roboter beharken riesige Boss-Roboter oder Zwischengegner mit Patronen, Strahlen und Marschflugkörpern - ein großer Spaß, der das Spiel nicht unbedingt einfacher, aber auf alle Fälle vielschichtiger macht.

Ein Spiel für Kämpfer

Das komplexe Kampfsystem, bei dem der Spieler verschiedene Körperzonen des Gegners genau anvisieren muss, ist der Star des Spiels.
Das komplexe Kampfsystem, bei dem der Spieler verschiedene Körperzonen des Gegners genau anvisieren muss, ist der Star des Spiels. (Deck13 / Focus Home Interactive)

Der Vorgänger war von allen „Dark Souls“-ähnlichen Action-Titeln derjenige, den Fans am einfachsten bändigen konnten und der dementsprechend auch für solche Spieler geeignet war, die frisch im Frust-Genre waren. Mit „The Surge 2“ betritt Deck13 jetzt endgültig Profi-Terrain: Der Ausflug in die Cyber-Metropole Jericho verlangt dem Spieler so viel Konzentration und Planung ab, dass Genre-Neulinge oft überfordert sind, altgediente „Souls“-Gladiatoren dagegen umso mehr zu tun haben. Die atmosphärische und erzählerische Dichte der großen Vorbilder erreicht auch das neue „The Surge“ nicht, doch spielmechanisch hat das Komplexitätsmonster dafür umso mehr auf dem Kasten. Profis fühlen sich pudelwohl - auch wenn sie gerade auf Konsole technische Schwierigkeiten wie verspäteten Textur- und Bildaufbau wegblinzeln müssen.


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