Werder Bremen Alles auf Anfang

Bremen. Werder Bremen stand nach einer Bundesliga-Hinrunde zuletzt im Jahr 1995 so schlecht da wie im Moment. Neudeutsch würde man empfehlen: Bitte auf Reset drücken. Diese Hinrunde war wirklich zum Vergessen. Das "Wort zum Montag" von Olaf Dorow.
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Alles auf Anfang
Von Olaf Dorow

Bremen. Der Mensch hält gern an Gewohntem fest. Das haben mehrere Jahrhunderte und vermutlich auch Tausende soziologische Studien bewiesen. Im Fußball, welcher soziologisch gesehen für so manchen Mitmenschen ein sehr bedeutsamer, vielleicht gar der einzig denkbare Lebensraum ist, gilt das in ganz besonderer Weise.

Dass es zum Beispiel im Fußball kein Hätte, Wenn und Aber gibt, das wussten schon unsere Urväter. Es dient Fußballern bis heute als passendes Argument, wenn nach dem verloren gegangenen Spiel auf Spielverlauf, Ergebnis und Tabelle geblickt wird. (Man kann natürlich umgekehrt argumentieren.

Wenn, ja wenn der Stürmer getroffen, jener Verteidiger mitgewirkt hätte, aber dieser Schiedsrichter auch das elfmeterreife Foul gesehen hätte, ja dann... Aber so reden nur Warmduscher, und wer braucht schon Warmduscher im Fußball?) Ein liebgewonnenes Ritual ist auch der Hinweis, dass Vergangenes nicht zählt im Fußball. Manchmal muss solch ein Hinweis reichen als frohe Botschaft, so wie es jetzt kurz vor Weihnachten im Fall Werder Bremen der Fall ist. In den vergangenen 30 Jahren holte Werder Bremen zwar dreimal die Meisterschale, gleich fünfmal den Pokal, einmal gar den Europapokal und sehr oft Millionen Euro in der Champions League.

Aber, vorbei ist vorbei, es muss darum fürs Tagesgeschäft Gott sei Dank auch das Jahr 1980 nichts bedeuten, als Werder abstieg. Oder 1999, als erst nach einem dritten Trainertausch binnen einer Saison der Abstieg abgewendet war.

Oder 1995, als Werder das letzte Mal so schlecht wie jetzt dastand nach der Hinrunde. Damals hatte eine Mannschaft, der man ebenfalls einen Spitzenplatz zutrauen durfte, zwar 13 Gegentore weniger kassiert, aber noch zwei Punkte weniger gesammelt als diesmal.

Was soll das Tagesgeschäft auch mit der Historie anfangen? Sie könnte berichten, dass 1980 ein Trainerwechsel Werders Abstieg nicht vereitelte, 1995 aber wohl. Und dass 1999 wie gesagt erst ein zweiter Trainertausch griff. Was heißt das schon in einem Metier, in dem sich jede Sekunde die Situation ändert? Ist es da ein Erfolgsrezept, zu sagen: Wir machen das so wie damals vor 11 Jahren?

Werder kann also ohne schlechtes Gewissen die Vergangenheit ruhen lassen und der Rückrunde entgegenblicken. Das ist doch schon mal was. Nicht jedermann kann so vorgehen. Manch einer schleppt die Vergangenheit seinen Lebtag mit sich herum. Allerdings sollten sich die Werderaner beim Lass-uns-das-alles-vergessenund Lass-uns eine-bessere-Rückrunde-spielenvon Gedanken freimachen, die lauten: Eigentlich sind wir doch die Guten.

Sie müssten sich alle auf null stellen. Müssten aufhören zu bedauern, dass Naldo so lange ausfiel, Pizarro ja auch so oft und all die anderen. Müssten nicht denken, sie hätten ja eigentlich einen ausreichend guten Kader. Müssten sich nicht darauf verlassen, dass sie doch für schnellen Angriffsfußball stehen. Werder hatte im letzten halben Jahr kein Tempo, keinen Spielmacher. Keinen Angriff, der Gegner fürchten ließ. Spielte kein Pressing. Fiel zu oft auseinander, war zu oft keine statt eine Mannschaft. Hatte zu wenig Konkurrenzkampf um die Stammplätze. Hatte zwar gesagt, die Mannschaft besitze Qualität, das wurde aber nie bewiesen. Hatte zwar gesagt, dass Arnautovic ein Star werden könnte, doch auch das blieb in der Möglichkeitsform. Neudeutsch würde man empfehlen: Bitte auf Reset drücken. Diese Hinrunde war wirklich zum Vergessen.

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