Ex-Werderaner spricht vor dem Nordderby Andreasen: "Ich hatte eine sehr gute Zeit in Bremen"

Bremen. Am Sonnabend kommt es für Leon Andreasen zum Wiedersehen mit den alten Kollegen von Werder. In Bremen spielte der Däne drei Jahre lang, nun steckt er mit Hannover 96 im Abstiegskampf. Im Interview spricht der Däne über das anstehende kleine Nord-Derby.
12.02.2010, 11:18
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Von Christian Otto

Bremen. Es waren gute Zeiten, die Leon Andreasen in Bremen erlebt hat. Nicht immer für ihn selbst, der sich als defensiver Mittelfeldspieler bei Werder nie recht durchzusetzen vermochte, wohl aber vom sportlichen Rahmen her - ab 2005 gehörte Andreasen drei Jahre lang einem Champions-League-Dauergast an. Zwei Jahre nach seinem Abschied aus Bremen hat sich seine Situation komplett verändert: Über einen wenig glücklichen Abstecher zum FC Fulham heuerte der Däne bei Hannover 96 an und erlebt nun mit, wie sein Klub in Richtung Zweitklassigkeit steuert. Vor dem kleinen Nordderby sprach Christian Otto mit dem 26-Jährigen über schwierige Zeiten bei 96 und das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub Werder.

Das Training in Hannover ist intensiver geworden, die Zweikämpfe werden härter. Ist das die logische Folge für eine Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt?

Leon Andreasen: Ich bin nach meiner langen Verletzungspause erst seit einer Woche wieder voll im Training und weiß nicht, wie es vorher war. Aber klar: Im Training wird voll zur Sache gegangen. Und wir brauchen das auch. Das ist Abstiegskampf pur. Meine Meinung ist: Man spielt so, wie man trainiert. Und wir trainieren hart.

Was hat sich seit dem Trainerwechsel und der Amtsübernahme von Mirko Slomka vor drei Wochen in Hannover verändert?

Andreas Bergmann war kein schlechter Trainer. Er hat vielleicht ein bisschen Pech in einer schwierigen Phase für uns alle gehabt. Aber Mirko Slomka ist natürlich ein anderer Typ. Der war schon in der Bundesliga und hat lange als Trainer gearbeitet. Der weiß genau, was er will und wie er das will. Er hat einen sehr guten Eindruck gemacht, als er bei uns angefangen hat. Klare Ansagen, aber trotzdem auch ein guter Mensch.

Bei der 1:2-Niederlage in Hoffenheim haben Sie nach ihrer langen Pause sofort wieder von Anfang an gespielt. Wie fit sind Sie denn schon wieder?

Ich war acht Monate wegen meiner Verletzung weg. Natürlich brauche ich noch ein bisschen. Aber ich fühle mich gut. Die Trainingsbedingungen mit dem Schnee und dem Matsch sind sehr schwer, und das merke ich auch in meinen Beinen.

Slomka hat, weil es bei 96 zuletzt so viele verletzte Spieler gab, in solchen Fällen ein behutsameres Vorgehen angekündigt - um neuen Verletzungen vorzubeugen.

Letztlich entscheidet der Trainer, wer wann wieder spielt. Aber wenn ich auf dem Platz bin, denke ich nur an meine Aufgaben. Auf dem Platz musst du Gas geben. Am besten 110 Prozent.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass es in der Trainingsarbeit bei 96 Nachholbedarf gibt. Ist hier in der Vergangenheit zu wenig oder zu weich trainiert worden?

Das ist schwer für mich zu sagen, weil ich doch so lange verletzt gefehlt habe. Unter Andreas Bergmann habe ich fast gar nicht trainiert. Aber unter Dieter Hecking war das Training auch okay, und wir sind gut zur Sache gegangen - so wie jetzt bei Mirko Slomka.

In Hannover macht häufig der Vorwurf die Runde, dass nicht alle Spieler den Ernst der Lage erkannt haben.

Es wissen alle, worum es geht. Das sieht vielleicht nicht immer so aus. Aber keiner von uns hier möchte absteigen.

In Hoffenheim haben Sie gesagt, dass nicht alle im 96-Team gekämpft hätten.

Das habe ich nicht gesagt. Das ist falsch berichtet worden. Ich habe nur gemeint, dass wir zwar ordentlich, aber nicht alle gut gespielt haben. Aber ich habe nicht über meine Mitspieler geschimpft. Wenn jemand nicht gut war, dann muss das unser Trainer sagen. Das ist nicht meine Sache.

Der Tonfall von Sportdirektor Jörg Schmadtke und Slomka hat sich deutlich verschärft. Ist es angemessen, wenn es in der Kabine auch einmal richtig laut wird?

Natürlich muss man Kritik annehmen. Und es muss auch einmal lauter werden. Solange das in der Kabine bleibt, finde ich das vollkommen in Ordnung. Wir wissen doch selber, dass wir keine Punkte geholt haben und deshalb zu Recht in der Kritik stehen. Wir wollen ja alle gewinnen und für Hannover kämpfen. Aber das ist keine leichte Situation für uns. Und wir schaffen das nur gemeinsam.

Mit dem Brasilianer Elson und dem Ivorer Arouna Koné hat Hannover in der Winterpause zwei neue Spieler ausgeliehen. Wie gut sind die beiden?

Sie sind noch nicht so lange in der Mannschaft. Aber zum Glück sprechen einige bei uns Französisch, so dass sie schnell integriert werden können. Es sieht gut aus mit den beiden. Die können uns auf jeden Fall weiterhelfen. Eine der großen Stärken von Koné ist, dass er schnell ist und den Ball im Sturm gut behaupten kann. Das können wir gut gebrauchen. Vor allem, wenn wir nur mit einem Stürmer spielen.

Ist es für Sie immer noch etwas Besonderes, gegen Werder Bremen zu spielen?

Es ist nicht so, dass ich vor dem Spiel nicht schlafen kann. Aber gegen Werder anzutreten, ist schon etwas Anderes. Ich hatte eine sehr gute Zeit in Bremen. Die haben mich als jungen Spieler aus Dänemark geholt, unter Thomas Schaaf habe ich mich entwickelt. In meiner Zeit dort bin ich Nationalspieler geworden. Aber wir wissen hier natürlich alle, dass Bremen eine sehr gute Mannschaft ist.

Deshalb sind Sie als aggressiver Abwehrspieler von 96 gegen Werder gefragt. Sie werden gegen Bremen auch ehemaligen Kollegen weh tun müssen.

Das ist Fußball, das gehört dazu. Ich spiele am liebsten auf der Sechser-Position mit einem Mann neben mir. Zuletzt war das Christian Schulz. Wer von uns beiden den aggressiveren Part übernimmt, wenn wir wieder so spielen, werden wir am Samstag sehen.

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