Werder Bremen heute in Köln Bewährungsprobe für Werders Teamgeist

Bremen. Über den Kampf zum Spielerischen zurückkehren - das will Werder Bremen heute im Auswärtsspiel beim 1. FC Köln. Nach dem Rückrunden-Auftaktsieg gegen Hoffenheim soll der Aufwärtstrend mit drei Punkten fortgesetzt werden. Wir berichten ab 18.30 Uhr im Liveticker.
22.01.2011, 13:00
Lesedauer: 3 Min
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Bewährungsprobe für Werders Teamgeist
Von Olaf Dorow

Bremen. Es tat sehr weh, das konnte jeder sehen. Leon-Aderemi Balogun und Petri Pasanen waren gegen Ende des Trainingsspiels mit den Köpfen zusammengestoßen. Balogun lag eine halbe Minute reglos auf dem Boden, ehe er aufstand und benommen ein paar Runden drehte. Pasanen musste versorgt werden, er blutete. "Es ist ein Cut. Wir müssen abwarten", sagte Werders Trainer Thomas Schaaf.

Es wird schon gehen. Es muss auch gehen, weil man ansonsten nicht mehr so richtig weiß, wie das gehen sollte. Pasanen wird in Werders Viererkette heute im Bundesliga-Spiel beim 1. FC Köln (18.30 Uhr bei uns im Liveticker) dringend gebraucht. Neben Naldo, Sebastian Boenisch, Wesley und Dominik Schmidt fällt für die Defensive auch noch Sebastian Prödl aus. Der Österreicher ist gesperrt. Auf der Bank wird nur noch ein Verteidiger sitzen: der Nachwuchsmann Leon-Aderemi Balogun.

Die allgemeine Stimmung kann man trotzdem mit "gut" bewerten, auch wenn die aktuelle Personallage schwer an die dunkle Hinrunde erinnert. Ein leblos wirkender Haufen war das jedenfalls nicht, der da gestern Nachmittag neben dem Stadionbad in der Pauliner Marsch in Bremen trainierte. Man feuerte sich gegenseitig an, die Trainingsgruppe verbreitete den Eindruck, etwas vorzuhaben. Hinterher bestätigte der Rechtsverteidiger Clemens Fritz diesen Eindruck. "Man spürt das. Das geht schon beim Warmmachen los", sagte er. Er sollte das beurteilen können, er ist schon seit viereinhalb Jahren bei Werder Bremen.

Hat Torsten Frings' Gewaltschuss zum 2:1-Sieg gegen Hoffenheim eine schwer taumelnde Mannschaft wachgeküsst? Auf einmal stellt sich auch das Trainingslager von Belek wieder in neuem Licht dar. Fritz verweist auf Trainingseinheiten voller Engagement - und darauf, dass das blamable 1:3 im Test gegen Eskisehispor auch etwas mit der allgemeinen Müdigkeit zu tun hatte. "Wir schalten wieder schneller um, wir kommen wieder schneller hinter den Ball", sagt Fritz. Das 1:3 gegen Eskisehispor war eine missratene Generalprobe, das 2:1 gegen Hoffenheim war eine gelungene Premiere.

Auf dem Weg zurück zum alten SV Werder muss Werder auch heute in Köln auf ein altes Hausmittel zurückgreifen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, das ist das banale Motto, aber es lässt sich gar nicht so einfach hineinpflanzen in eine Mannschaft, die vor nicht allzu langer Zeit noch Deutschlands führende Vergnügungsmannschaft gewesen ist. So erschreckend wenig Werder in der Hinrunde noch Werder war, so wenig kann Werder es sich im Moment leisten, Werder zu sein. "Schön zu spielen, das kann man im Moment von uns nicht erwarten". sagt Fritz.

"Wenn man ein Gefüge hat, wo Automatismen greifen, dann kann man auch Individualität einbauen. Wenn man aber Wege verdichten will, richtig stehen muss, dann sieht das anders aus, dann muss man mehr über die Gemeinschaft gehen. Dieses Verhältnis ist bei uns im Moment aber noch nicht pari", sagte Thomas Schaaf etwas verschwurbelt auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Sicherheit und Kompaktheit sei im Moment erstes Gebot. Gegen Hofffenheim bot Schaaf im Mittelfeld etwas überraschend Felix Kroos anstelle von Marko Marin auf, weil es besser in dieses Konzept passte. Safety first, Sicherheit zuerst, könnte man das Konzept nennen.

Womöglich setzt Schaaf heute Abend erneut auf diese Karte. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass Hoffenheim für eine andere Spielstärke steht als der 1. FC Köln. Marin, wegen seiner Gladbacher Vergangenheit immer noch Hassfigur für einige FC-Fans, könnte andererseits die FC-Verteidiger vor das eine oder andere unlösbare Problem stellen. Es wird spannend.

Das Spiel des Tabellen-13. beim Tabellen-16. mag für die Liga als Ganzes mäßig spannend sein, für den 13. wie den 16. umso mehr. Es ist geradezu richtungweisend. Werder hatte sich in seiner schlimmen Hinrunde selbst in die Lage gebracht, dass nun jedes Spiel wie ein Endspiel wirkt. Geht es schief, können höhere Ziele wohl endgültig vergessen werden. Höhere Ziele im allerallergünstigsten Fall könnte man so beschreiben: Vor rund einem Jahr hatte Werder auf einen Champions-League-Platz in der Rückrunde 13 Punkte Rückstand aufgeholt. Im Moment sind es elf Punkte.

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