Wechsel im Werder-Aufsichtsrat steht bevor

Bode soll auf Lemke folgen

Es ist das Ende einer Ära: Willi Lemke verliert den Machtkampf bei Werder und wird noch in diesem Jahr von Marco Bode an der Spitze des Aufsichtsrates abgelöst.
15.10.2014, 13:01
Lesedauer: 3 Min
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Bode soll auf Lemke folgen
Von Thorsten Waterkamp

Es ist das Ende einer Ära: Willi Lemke verliert den Machtkampf bei Werder und wird noch in diesem Jahr von Ex-Nationalspieler Marco Bode an der Spitze des Aufsichtsrates abgelöst. Möglicherweise geht der Wechsel schon kommende Woche über die Bühne.

Die Zeit von Willi Lemke bei Werder Bremen geht unwiderruflich zuende. Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten wird noch in diesem Jahr seinen Posten räumen und den Weg für Marco Bode freimachen. „Ich rücke ins zweite Glied, Marco wird mein Nachfolger“, sagte der 68-Jährige gestern. Zuvor hatte der 23 Jahre jüngere Bode exklusiv gegenüber dem WESER-KURIER seine Bereitschaft erklärt, die Lemke-Position zu übernehmen.

Die Ablösung Lemkes wird nicht mehr viel Zeit in Anspruch nehmen – deutlich weniger, als es sich selbst die zahlreichen Kritiker des SPD-Politikers erhofft hatten. Noch in diesem Jahr soll der Generationswechsel im Werder-Aufsichtsrat abgeschlossen sein, bestätigten Bode und Lemke. „Das wird nicht erst 2015 oder 2016 passieren“, bekräftigte Ex-Manager Lemke, während Ex-Nationalspieler Bode ankündigte: „Ich stehe ab sofort bereit.“ Lemke wird bis zum Ende seiner Amtszeit 2016 als einfaches Mitglied im Aufsichtsrat bleiben.

Die richtungsweisende Entscheidung fand durchweg ein positives Echo, bei Werder intern ebenso wie bei externen Beobachtern. Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel beispielsweise begrüßt den bevorstehenden Wechsel: „Das ist für Werders Zukunft eine kluge Entscheidung.“ Ähnlich sieht es auch Bodes Aufsichtsratskollege Hans Schulz: „Ein sehr positives Signal. Bei Werder tut sich was für die Zukunft.“

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Das Ende der Ära Willi Lemke hatte sich in den vergangenen anderthalb Wochen immer klarer abgezeichnet. Den Anfang machte die Geschäftsführung in Person von Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer, der in einem Zeitungsinterview den rigiden Sparkurs des Chefkontrolleurs öffentlich kritisierte. Lemke hatte wiederholt eine Verschuldung des Klubs nur zur Verpflichtung neuer Spieler untersagt. Die Fischer-Aussagen entwickelten eine Eigendynamik, in deren Folge Werders Geschäftspartner Günter Netzer im KURIER AM SONNTAG erstmals den Namen Bode für eine Lemke-Nachfolge ins Spiel brachte. Am Montag kündigte Lemke an, spätestens zum Ende seiner Amtszeit 2016 auszusteigen; einen Tag später sprach er von einem früheren Abschied und empfahl selbst Bode als seinen Nachfolger.

Für Marco Bode war damit am Mittwoch endgültig der Weg frei. „Es steht jetzt die konkrete Frage an, wie meine Haltung zum Thema Willi Lemke ist“, moderierte der 45-Jährige seine Ambitionen an – er wolle nun „nicht weiter zögern“ und bekanntgeben, „dass ich grundsätzlich für die Nachfolge von Willi Lemke bereitstehe“.

Die endgültige Entscheidung über die Neubesetzung fällt der Aufsichtsrat selbst. Zweifel an dem Wechsel auf dem Chefsessel gibt es jedoch nicht. Das sechsköpfige Gremium tagt voraussichtlich in der nächsten Woche. Damit wäre die Personalie noch weit vor der Mitgliederversammlung am 24. November beschlossene Sache.

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Marco Bode betritt mit der bevorstehenden Berufung Neuland. Zwar ist der Ehrenspielführer des SV Werder seit zwei Jahren Mitglied des Aufsichtsrates, in den Vordergrund allerdings hat es ihn nie gedrängt. Nun wird er ins Rampenlicht müssen: Mit der „exponierten Rolle“, wie er selbst seine künftige Rolle nennt, wird er zum Gesicht des neuen SV Werder.

Personell wird der Fußball-Bundesligist damit seine Metamorphose auf allen Ebenen vollzogen haben. Lemke und sein Widersacher Fischer, die beiden alten, mächtigen Männer in der grün-weißen Führungsriege, verabschieden sich praktisch gleichzeitig. Präsident Fischer (73) hatte schon vor Monaten seinen Rückzug zum Jahresende bekanntgegeben. Auf sportlicher Ebene sind Klaus Allofs und Thomas Schaaf längst Geschichte, gleiches gilt für die langjährigen Geschäftsführer Jürgen L. Born und Manfred Müller.

Mit Bode wird auch ein Richtungswechsel vollzogen. Denn der designierte Chefkontrolleur plädiert für eine moderate Verschuldung, die bei Werder bis vor zwei Wochen als undenkbar galt. Er werde sich nun mit „strategischen Fragen beschäftigen“, kündigte Bode an. Deren Stoßrichtung ist klar: „Wir im Aufsichtsrat sind alle dafür da, die Mannschaft zu unterstützen. Darauf sollte unser Fokus liegen.“

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