Werder Bremen in der Champions League Chancenlos, aber nicht unzufrieden

Bremen. Viel zu erwarten war von Werders "letztem Aufgebot" nicht. Und das Team wurde den niedrigen Erwartungen dann auch vollauf gerecht. Ein biederes und harmloses Werder verlor mit 0:3 bei Tottenham. Die Verantwortlichen suchten anschließend mit der Lupe nach Positivem. Und fanden es sogar.
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Von Ben Binkle

Bremen. Viel zu erwarten war von Werders letztem Aufgebot am Mittwoch nicht. Und das Team wurde den ohnehin niedrigen Erwartungen auf dem Rasen der White Hart Lane vollauf gerecht. Ein biederes und harmloses Werder verlor ohne elf verletzte und gesperrte Profis mit 0:3 bei Tottenham Hotspur. Anschließend suchten Verantwortliche und Spieler mit der Lupe nach Positivem. Und fanden es sogar.

"Wir haben gute Sachen gesehen", bilanzierte Trainer Thomas Schaaf die einseitigen 90 Minuten in London. "Man kann nicht unzufrieden sein", meinte sogar Klaus Allofs. Der Werder-Boss hatte scheinbar Schlimmeres befürchtet. So erschien ihm das 0:3 am Ende wie ein Schritt nach vorne.

Dabei war auch Allofs der Klassenunterschied auf dem Rasen keineswegs verborgen geblieben. "Es war heute das Duell zweier ungleicher Mannschaften", so Allofs: "Tottenham ist derzeit nicht unsere Kragenweite." Und auch Per Mertesacker, Werders Kapitän an diesem tristen Abend, wollte gar nicht lange über das Ergebnis diskutieren ("Wir haben natürlich völlig zurecht verloren"), sondern lieber "das Positive herausfiltern". Doch was war das eigentlich, dieses Positive, das Spieler und Verantwortliche da gesehen haben?

Thomas Schaaf weiß eine Antwort: "Wir hatte Passagen, wo wir defensiv gut gestanden haben." Clemens Fritz auch: "Man hat gesehen, dass wir wollen." Widersprechen wird da wohl niemand. Doch wirken derartige Aufzählungen eher dünn - wie schon nach dem 0:2 gegen Enschede wurde auch in London wieder Normales als Besonderes verkauft. Eine gute Erscheinung, für die man am Mittwochabend keine Lupe brauchte, war Dominik Schmidt. Der Linksverteidiger zeigte ein ordentliches Debüt und nutzte die europäische Bühne, um etwas Eigenwerbung zu betreiben.

Deutlich mehr ins Auge als die spärlichen Lichtblicke, fielen die Bremer Defizite. Phasenweise stand Werders Abwehr tatsächlich ganz gut, phasenweise nahm sie sich aber auch altbekannte Auszeiten. Und was bringt es, 70 Minuten auf der Höhe zu sein, wenn ein Spiel 90 Minuten dauert? Drei Gegentore, dazu noch ein Elfmeter und mindestens drei weitere Großchancen der Spurs - zufrieden kann mit einer solchen Bilanz nur sein, wer die Ansprüche derart reduziert hat, wie Werder Bremens Verantwortliche im November 2010. Die waren schon froh, dass Werder an der White Hart Lane nicht wieder in seine Einzelteile zerfallen war.

"Wir sind nur hinterher gelaufen"

Wesentlich mehr Sorge als die Abwehrleistung machte dem Betrachter am Mittwochabend aber das Bremer Offensivspiel. Das fand nämlich schlichtweg nicht statt. Keine einzige Torchance sprang für Werder heraus. Zu verteidigen und dann auch noch anzugreifen - das scheint derzeit unmöglich zu sein. Werder Bremen ist zum fußballerischen Multitasking nicht fähig. "Leider fehlte uns oft der Weg nach vorne", formulierte Schaaf die Bremer Chancenlosigkeit. Clemens Fritz bringt es wesentlich deutlicher auf den Punkt: "Im Großen und Ganzen sind wir nur hinterher gelaufen."

Trainer Schaaf und Sportdirektor Allofs waren nach Abpfiff bemüht, die Leistung gegen Tottenham als Fortschritt zu verkaufen. Große Sprünge, so Schaaf, seien derzeit nicht zu erwarten. "Wir müssen kleine Schritte machen", sagt Schaaf. In London war es maximal ein Minimaler. Dumm nur, dass zwischen den Mini-Fortschritten von Frankfurt und Tottenham derart gewaltige Rückschritte wie der von Schalke liegen. Von der Stelle kommt Werder Bremen so jedenfalls nicht.

Es bleiben nur Durchhalteparolen und Zweckoptimismus. Per Mertesacker stellte dies im TV-Interview zur Schau ("Ich bin weiterhin positiv gestimmt"), auch Thomas Schaaf bemühte sich um etwas Licht am Horizont. "Wenn man so weiterarbeitet, wird man vielleicht auch wieder andere Ergebnisse sehen", sagte Schaaf. Dass ihm das kleine Wort "vielleicht" in die Aussage gerutscht ist, spricht Bände. Echter Optimismus fällt selbst dem Berufsoptimisten Schaaf dieser Tage schwer.

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