Werder Bremen Clemens Fritz gefällt in neuer Rolle

Bremen. Clemens Fritz ist gerade 30 Jahre alt geworden und denkt über seine Zukunft nach. Das wirft Fragen auf: Wo ist Clemens Fritz für Werder wertvoller - als Außenverteidiger oder im Mittelfeld? Und: Kommt für ihn noch etwas nach Werder?
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Clemens Fritz gefällt in neuer Rolle
Von Marc Hagedorn

Bremen. Auf der Homepage von Clemens Fritz herrschte in der vergangenen Woche Hochbetrieb. Weit über 100 Einträge ins virtuelle Gästebuch des Werder-Profis sind seit dem 7. Dezember dazugekommen. Die meisten Fans nutzten das Internet, um ihrem Idol schriftlich zum 30. Geburtstag zu gratulieren, den Clemens Fritz just an dem Tag feierte, als Werder in der Champions League Inter Mailand mit 3:0 besiegte. Das zweite große Fritz-Thema dieser Tage ist ein rein sportliches: Wo ist Clemens Fritz für Werder wertvoller - als Außenverteidiger oder im Mittelfeld?

"Ich finde, dass du der beste Abwehrspieler der Welt bist", hat Maxi dem Werder-Profi geschrieben. "Im Mittelfeld", findet dagegen Lona, "kommt ihr Zug nach vorne noch besser zur Geltung." Zieht man jugendliche Verliebtheit und weibliche Schwärmerei von solchen Aussagen ab, dann bleibt die Kernfrage: Soll Cheftrainer Thomas Schaaf Clemens Fritz auf seiner angestammten Position hinten rechts oder weiterhin zentral in der Mitte bringen? Der Spieler selbst wählt die Antwort, die am ungefährlichsten ist und die jeder Trainer am liebsten hört: "Ich spiele dort, wo ich der Mannschaft am meisten helfen kann."

Im Moment ist das im Mittelfeld: Clemens Fritz erledigt seinen Job dort solide (Dortmund, Wolfsburg) bis gut (St. Pauli, Inter). Er macht an der Seite von Mannschaftskapitän Torsten Frings die Räume eng, stellt Passwege zu und entwickelt Druck nach vorne. Ihm gefällt diese Rolle. "Man kann mehr Einfluss auf das Spiel nehmen", sagt er, "wenn man auf der Außenbahn spielt, dann schränkt das ein, dann kommt rechts nur noch die Seitenlinie."

Gut möglich, dass am kommenden Wochenende beim letzten Bundesligaspiel des Jahres gegen Kaiserslautern wieder Zeit für den Job an der Seitenlinie ist. Denn das Verletzungspech bleibt in dieser Saison ein treuer Bremer Begleiter. Jetzt hat es Dominik Schmidt erwischt. Schmidt war der große Nutznießer der Fritz-Versetzung. Der Nachwuchsmann hat zuletzt rechter Verteidiger gespielt - und das "ganz hervorragend", wie Fritz findet.

Während Schmidt ein Profiteur der neuen Situation war, hat Philipp Bargfrede zusätzliche Konkurrenz bekommen. Denn plötzlich hat Schaaf trotz knappen Kaders ein paar Alternativen gewonnen. Als gegen Inter die beiden defensiven Mittelfeldpositionen zu besetzen waren, hatte Schaaf die Wahl zwischen Frings, Fritz, Daniel Jensen und Bargfrede. Altstar Jensen und Senkrechtstarter Bargfrede blieben beim Anpfiff draußen. "Philipp ist ein hervorragender Fußballer", sagt Fritz, "und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese für ihn jetzt schwierige Phase auch was Gutes haben kann." So kann man etwa lernen, dass nicht immer alles nach Plan läuft und geradewegs zum Ziel führt.

Da muss Clemens Fritz niemand was erzählen. Er hat in der Regionalliga bei seinem Heimatklub Rot-Weiß Erfurt als Stürmer angefangen und Stürmer auch noch in seinem ersten Zweitligajahr beim Karlsruher SC an der Seite von Bruno Labbadia gespielt. Als beim KSC Stefan Kuntz als Trainer gehen musste, zog Nachfolger Lorenz-Günther Köstner den Stürmer Fritz ins Mittelfeld zurück. In Leverkusen, wohin er mit 23 gewechselt war, brach er sich in seinem zweiten Jahr das Wadenbein und musste 16 Monate lang mit Fußball aussetzen. Als er zurückkam, machte Michael Skibbe aus dem Ex-Stürmer einen Ex-Mittelfeldspieler, indem er ihn als Verteidiger aufstellte.

Vielleicht liegt es an diesen Erfahrungen, dass Clemens Fritz viele Dinge gelassener sieht als manch ein Kollege. Er stellt sich - anders als andere - auch nach Niederlagen unbequemen Reporterfragen. Und als Werder jüngst in Tottenham mit einer Notelf antreten musste, war es an Fritz, diesen Missstand auf der offiziellen Pressekonferenz mit schönen Worten zu kommentieren. Clemens Fritz, der Mannschaftsspieler, hat unverkennbar einen integrativen Wert für diese Werder-Mannschaft.

Dieses Image indes birgt die Gefahr, als jemand ohne Ecken und Kanten wahrgenommen und schnell mal übersehen zu werden. Wie aktuell, wenn über auslaufende Verträge geredet wird. Bis 2012 gilt das Arbeitspapier von Fritz mit Werder noch. Doch während Vereinsboss Klaus Allofs mit Tim Wiese und Per Mertesacker, deren Verträge ebenfalls 2012 enden, in Kürze Gespräche führen will, gibt?s im Fall Fritz offenbar nichts zu sagen. Nicht von Vereinsseite, nicht vom Spieler. "Ich habe in dieser Frage keine Eile", sagt Fritz. Nur so viel: "Ich kann mir gut vorstellen, meine Karriere bei Werder zu beenden." Wenn er das wirklich täte, hätte er viele Fans glücklich gemacht. Denn das dritte große Thema auf der Clemens-Fritz-Homepage fasst eine gewisse Anna stellvertretend für die Mehrheit ebenfalls im Gästebuch zusammen. Sie schreibt: "Ich hoffe, dass du noch ganz lange bei Werder bleibst."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+