Werder Bremen Der verbesserte Arnautovic

Bremen. Beim 3:0-Erfolg gegen Inter Mailand präsentierte sich Marko Arnautovic so, wie ihn Fans und Verantwortliche bei Werder sehen wollen: schnell, trickreich, torgefährlich. Das gab es bislang viel zu selten. Trainer Thomas Schaaf ist von seinem schwierigen Angreifer überzeugt.
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Der verbesserte Arnautovic
Von Marc Hagedorn

Bremen. Es hätte ein typischer Arnautovic werden können. Ob er mit seiner Leistung zufrieden gewesen sei, wollte ein Reporter von Marko Arnautovic wissen. "Nein", antwortete Werder-Boss Klaus Allofs, der in diesem Moment des Weges kam und mitgehört hatte. Arnautovic, vom Zwischenruf seines Chefs sichtlich irritiert, hielt einen Moment lang inne. Und die Journalisten begannen zu überlegen: Was würde Arnautovic jetzt tun? Zurückbellen? Abwinken? "Oder was wolltest du sagen, Marko?", fragte Allofs. Weil er dies mit einem breiten Grinsen tat, wich die Spannung, und Arnautovic antwortete artig: "Ich bin zufrieden mit der Mannschaft."

Werders Sturmhoffnung hatte noch einmal die Kurve gekriegt. Selbstverständlich ist das bei ihm nicht. Marko Arnautovic, 21, ist in Bremen bisher eher durch Wortbeiträge außerhalb des Platzes aufgefallen. Jetzt am Dienstag gab er mal wieder auf dem Feld ein Statement ab. Marko Arnautovic hatte mit einer wunderbaren Direktabnahme das 2:0 für Werder gegen Inter Mailand erzielt. Dem tollen Tor folgten weitere Szenen, in denen Arnautovic erkennen ließ, was man bei Werder in ihm vermutet.

Schaaf: Er kann viel mehr

Arnautovic leitete den Ball schnell und klug weiter. Arnautovic setzte verlorenen Bällen nach. Arnautovic schoss noch ein weiteres Mal gefährlich aufs italienische Tor. Trotzdem sagte Thomas Schaaf: "Das war nur im Ansatz der Marko Arnautovic, den wir sehen wollen. Er kann viel mehr." Zum Beispiel kann er eine derartige Leistung ruhig über die gesamten 90 Minuten bringen. Denn der Arnautovic nach seinem Tor zum 2:0 war ein anderer Arnautovic als der vor seinem Treffer. Vor dem Treffer war er stehen geblieben, wenn der Ball weg war. Dann hob er lieber theatralisch die Arme, anstatt nachzusetzen. Vor dem Treffer spielte er im Zweikampf entweder körperlos oder, wenn er den Körper einsetzte, dann ungestüm.

Marko Arnautovic ist bestimmt auch Unrecht geschehen, seitdem er in Bremen ist. Er steckt in der Schublade mit der Aufschrift "Problemfall", woran er mit unbedachten Äußerungen und seinem aufreizenden Verhalten nicht schuldlos ist. Blöd nur, dass sich einige Medien dieses Bildes nur zu gern bedienen. Selbst die eigentlich seriösen Agenturen sind davor nicht gefeit. Arnautovics schon beinahe legendärer Ausruf vom "Saftladen" war offensichtlich aus dem Zusammenhang gerissen und brachte es bundesweit trotzdem zur Schlagzeile.

So cool, wie er sich gibt, und so hartgesotten, wie er gern tut, ist Marko Arnautovic aber scheinbar gar nicht. Nachdem in einer ziemlich bunten Fußballzeitschrift eine Geschichte über den verwüsteten Garten seiner Familie erschienen war, maulte Arnautovic wenig später beim Training die Reporter an. Dass seine Mutter Teil der Berichterstattung gewesen war, hatte ihm nicht gefallen. Also ergriff er Partei für sie. In diesen Momenten ahnt man, was etwa Klaus Allofs meint, wenn er davon redet, dass Marko im Grunde "ein ganz lieber Kerl" sei. Er kommt nur eben so selten dazu, das auch zu zeigen. Aber vielleicht ja jetzt.

Arnautovic gibt sich lernfähig

Dass ihn Zeitungen nach diversen vergebenen Tormöglichkeiten zuletzt schon "Chancentod" nannten, hat er zur Kenntnis genommen. "Kritik gehört dazu", sagt er und gibt sich lernfähig, "aber ich hoffe, dass ich heute damit angefangen habe, dass es so etwas nicht mehr zu lesen gibt." Wem das plötzlich viel zu glatt gebügelt klingt, für den gibt es aber auch immer noch den anderen Arnautovic. Auf die Frage, wann man ihn denn in der Champions League wiedersehe, sagte er, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt: "Nächstes Jahr."

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