Das Fußball-Unternehmen Werder (1) Der Werder-Konzern und seine Töchter

Das Mantra des unbefleckten Kontos beten Werders Entscheider gern herunter. Dabei weiß Werders Geschäftsführung sehr wohl, dass dieser Sichtweise (wie übrigens auch der gegenteiligen) eine gewisse Interpretationsfreiheit gut tut.
14.11.2015, 00:00
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Der Werder-Konzern und seine Töchter
Von Thorsten Waterkamp

Das Mantra des unbefleckten Kontos beten Werders Entscheider gern herunter. Thomas Eichin tat es zuletzt im Fußball-Talk „Doppelpass“: „Wir sind nach wie vor ein schuldenfreier Verein. Wir müssen nix zurückzahlen.“ Dabei weiß Werders Geschäftsführung sehr wohl, dass dieser Sichtweise (wie übrigens auch der gegenteiligen) eine gewisse Interpretationsfreiheit gut tut.

Denn was ist schon schuldenfrei? Werder ist schließlich ein mittelständisches Unternehmen, das investiert. Oft in Beine, aber auch ordentlich in Steine. Und natürlich wurde der 76,5 Millionen Euro teure Stadionumbau über eine erkleckliche Kreditaufnahme finanziert, wie es auch fast jeder Häuslebauer tut. Nur parkt der sein Darlehen in der Regel nicht bei der Tochter und dem Schwiegersohn. Ein Konzern kann das, wenn er Töchter hat und sie verheiratet, und so finden sich besagte Darlehen bei der Bremer Weser-Stadion GmbH. Die Konzernmutter, die Werder GmbH & Co. KG aA, ist 50-prozentiger Gesellschafter, und die Rolle des Schwiegersohns obliegt der Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.

Es ist ein schönes Beispiel für die Vorteile einer Struktur, die der Sportverein Werder Mitte 2005 mit der Ausgliederung seiner Lizenzspielerabteilung gebildet hat. Der WESER-KURIER beleuchtet vor der Jahreshauptversammlung am Montag den Konzern und seine Töchter in zwei Folgen.

Werder Bremen GmbH & Co. KG aA

In der Konzernmutter ist das Kerngeschäft gebündelt: der Sport. Was gleichermaßen das Problem ist. Werder formulierte die Risiken des eigenen primären Geschäftsfeldes in seinen Bilanzen über mehrere Jahre so: „Der Berufsfußball ... ist ... durch erfolgsabhängig stark schwankende Erträge ... gekennzeichnet. Dies bedeutet, dass ausbleibende sportliche Erfolge zu starken Ertragsreduzierungen bei relativ fixen Aufwendungen führen, was fatale Folgen für die Ergebnis- und Liquiditätssituation ... hat.“ Wahr gesprochen.

Wie wahr, erfährt die zweitpopulärste Bremer Kommanditgesellschaft nach der Brauerei Beck seit nunmehr vier Jahren. Sie veröffentlicht Bilanzen des Schreckens, in denen eine rote Zahl die nächste jagt und der gebetsmühlenartig beschworene Konsolidierungsprozess wie eine Fata Morgana am Horizont verharrt.

Die sportliche Dürre hält an, die stark gesunkenen Erlöse aus dem Spielbetrieb aber schrumpfen seit ein, zwei Jahren nicht mehr. Eigentlich also sollte sich die Ertragssituation stabilisieren, zumal Werder die Kosten massiv reduziert hat – im Großen wie im Kleinen: Der Spieleretat halbierte sich nahezu auf knapp 30 Millionen Euro, in den Büros wurde selbst an Kopierpapier gespart. Seltsamerweise macht Werder trotzdem munter Millionen-Verluste.

Die Preisfrage lautet: Wo ist das Leck, durch das sich immer noch die Millionen auf Nimmerwiedersehen verabschieden? Während mittlerweile die Geldhähne weitgehend konstant geöffnet sind (wenn auch längst nicht so weit wie früher)?

Einnahmequellen: Spielbetrieb, mediale Verwertungsrechte, Werbung, Transfers.

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Bremer Weser-Stadion GmbH

Hier stecken sie, die dicken Brocken mit dem großen Minuszeichen: die Darlehen aus dem Umbau des Weserstadions. Rund 70 Millionen Euro Schulden sollen es laut BWS-Geschäftsführer Zobel noch sein, die – rein formal – von der BWS bedient werden. Gesellschafter sind zwar je zur Hälfte die WfB (also vor allem die Stadt) und Werder. Die Werder GmbH & Co. KG aber steht in der finanziellen Verantwortung für Zins und Tilgung und überweist deshalb Jahr für Jahr Teile ihrer Zuschauereinnahmen. Stadionabgabe heißt dieses Werkzeug aus dem Konzern-Baukasten.

>> Lesen Sie hier Teil 2 der Geschichte

Stadionabgabe, das hieß anfangs: 25 Prozent aller Einnahmen aus den teuren Businessplätzen und Logen sowie zehn Prozent aus den übrigen Ticketverkäufen gehen in den Schuldendienst. Kalkuliert wurde dabei, wie man heute weiß, optimistisch: mit 17 Bundesligaspielen plus X, also plus DFB- und Europapokalspiele im Weserstadion. Mittlerweile ist der Vertrag mit der BWS modifiziert und soll dem Geldgeber Werder mehr Flexibilität gestatten.

Das ändert jedoch nichts daran, dass die Schulden abbezahlt werden müssen. Fünf Millionen Euro Tilgung sind jährlich vorgesehen, die Angaben über die aktuelle Zinszahlung schwanken zwischen 3,5 Millionen und 4,5 Millionen Euro. Grob neun Millionen Euro pro Jahr braucht das „schuldenfreie“ Werder demnach für die Schulden, die die BWS am Ende bedient. Bloß: Wie geht das, wenn die Einnahmeseite Lücken aufweist, was schon vorgekommen ist? Ein Geheimnis, das keiner so recht lüften mag.

Einnahmequellen: Stadionabgabe, Bandenwerbung (elektronische und statische), Gastronomiepachtvertrag, Vermietung (Gewerbe- und Büroflächen im Stadion; Stadion zum Beispiel für Abschiedsspiel)

Werder Bremen Payment GmbH

Wer im Weserstadion keine grüne Plastikkarte hat, ist aufgeschmissen. Kein Bier, keine Bratwurst – selbst wenn das Portemonnaie vor Euro überquillt. Denn zahlen kann man nur bargeldlos mit der Werder-Card – was weniger als Service für die Kunden, sondern vielmehr als Instrument zur Umsatzsteigerung in der Stadiongastronomie gedacht war.

Offenbar richtig gedacht. Schon in ihrer Geschäftsbilanz 2013/14 berichtete die Weser-Stadion GmbH, der Einsatz der Werder-Card habe „zu einem erheblich höheren gastronomischen Umsatz an den Kiosken“ geführt. Das mag der ein oder andere Kunde ob langer Schlangen kaum glauben – für die Payment GmbH, deren Existenz einzig auf der Werder-Card fußt, ist es ein Erfolg. Allein, so ohne weiteres überprüfen lässt sich die Erfolgsgeschichte nicht: Die Payment GmbH ist von einer Offenlegungspflicht ihrer Geschäftszahlen befreit. Womit sich die Frage stellt, wie es vier Jahre nach ihrer Gründung um die wirtschaftliche Situation dieser 100-prozentigen Werder-Tochter bestellt ist.

Einnahmequellen: Werder-Card

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