333 schönste Werder-Erlebnisse Die besten Geschichten unserer Leser (2)

Bremen. Der WESER-KURIER sucht die schönsten, skurrilsten und witzigsten Geschichten rund um Werder Bremen. Viele Leser haben uns schon geschrieben, machen auch Sie mit - die besten Erlebnisse werden dann in einem Buch veröffentlicht.
16.07.2010, 12:30
Lesedauer: 18 Min
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Bremen. Der WESER-KURIER sucht die schönsten, skurrilsten und witzigsten Geschichten rund um Werder Bremen. Viele Leser haben uns schon geschrieben, machen auch Sie mit - die besten Erlebnisse werden dann in einem Buch veröffentlicht.

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Hier sind die Geschichten unserer Leser:

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Mittwoch, 04.November 1987, später Nachmittag in Alt-Osterholz. Wie vorher besprochen, gehe ich zu meinem Kumpel Michael, der im Nachbarhaus wohnt, um ihn zur Fahrt ins Weser-Stadion abzuholen. Michael und ich sind zu dieser Zeit beide Anfang 20 Jahre alt, Nachbarskinder und natürlich Werder-Fans. Schon seit Kindertagen zogen wir gemeinsam mit Michaels Vater zu den Heimspielen unseres "ruhmreichen" SV Werder (so betitelte der damalige Stadionsprecher Karl-Heinz Calenberg immer die Mannschaft, bevor er die Aufstellungen bekannt gab).

An diesem Nachmittag war das Wetter ziemlich trist und unangenehm ("Schietwetter" eben) und genauso war auch die Stimmung in Michaels Jugendzimmer, als ich hereinkam und ihn da so vor dem Fernseher auf der Couch rumhängen sah. Etwas verdattert fragte ich: "Alter, was ist los? Wir wollen langsam zum Stadion", aber ich erntete nur ein missmutiges: "Ich hab keinen Bock dahin, lass' uns das Spiel im Fernsehen angucken". Nun muss man wissen - und eingefleischte Werder-Fans tun das - dass unsere Mannschaft das Hinspiel dieses Wettbewerbs zwei Wochen zuvor in Moskau mit 1:4 verloren hatte. Denkbar schlechte Vorraussetzungen also für die Rehagel-Truppe. Aber es war die Zeit der "Werder-Wunder", außerdem "Werder-Wetter" und schließlich auch noch ein Flutlichtspiel: drei schlagkräftige Argumente also, die für den unbedingten Live-Besuch des Rückspiels sprachen, während mir für Spartak Moskau nur ein Argument einfiel, nämlich deren Hinspielergebnis.

Mindestens 3:1 nach Argumenten für Werder also, doch der "Stubenhocker" schien zu diesem Zeitpunkt eine etwas andere Sicht auf die Dinge gehabt zu haben. Zugegeben, ausgesprochener Optimismus gehörte schon damals nicht zu unseren Charakterstärken, doch ich wollte partout ins Stadion. Da alle sportlichen Argumente irgendwo im Kinderzimmer verhallten, musste ich andere Geschütze auffahren und das konnte ich auch. "Hey, bist du doof? Wir haben die Karten schon gekauft, jetzt lass' uns endlich losfahren und wenn wir nur vor dem Stadion 'ne Bratwurst und ein Fischbrötchen essen, dann können wir ja immer noch nach Hause fahren". Und? Treffer, dieses Argument aus der kulinarischen Ecke saß! Selbstverständlich beschränkte sich unser Besuch auf dem Peterswerder dann nicht nur auf die Nahrungszunahme, sondern wir wurden Zeugen des wohl aufregendsten und spannendsten Europacupspiels, an das ich mich bis heute erinnern kann.

Bereits nach zehn Minuten führte Werder durch zwei Tore von "Sokrates" Neubarth mit 2:0. Zur Halbzeit stand es bereits 3:0. Zur Pause zogen dann derart dichte Nebelschwaden über Südgerade und Westkurve ins Stadion, dass wir zeitweise von der Ostkurve aus nicht mehr das Tor auf der Gegenseite erkennen konnten. Mein einziger Gedanke damals: Nein, nicht jetzt, kein Spielabbruch mit möglicher Neuansetzung der Partie. Jeder Besucher im Stadion spürte doch, dass an diesem Abend etwas ganz Großes passieren konnte. Doch es wurde weitergespielt. Und wie! Nach ca. 70 Minuten erzielten die Russen den Anschlusstreffer zum 3:1 und mir rutschte das Herz in die Hose. Ganz bestimmt ist auch dieses Gegentor Schuld daran, dass inzwischen diverse graue Haare auf meinem Haupt sichtbar werden! Aber egal, Gunnar Sauer erzielte ja noch das 4:1 in der regulären Spielzeit, was das Hinspielergebnis egalisierte und Verlängerung dieser Partie bedeutete. Riedle, Burgsmüller und irgendein Moskauer erzielten dann noch die Treffer zum 6:2-Endstand für Werder Bremen, welcher den Einzug in die nächste Runde sicherte.

Holger Müller, Ganderkesee

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Und es kommt der Tag, da nehmen auch unsere Kleinsten wahr, dass wir eine nicht unbedeutende Fußballstadt sind. Heute überraschte uns Alexandra (4 Jahre alt) mit dem Ausspruch, dass sie zukünftig nicht mehr mit unserem Auto fahren wolle. Auf die Nachfrage warum dem so sei, antwortete sie sehr bestimmt: "Mama, wir haben ein Bayernauto und ich bin doch Werderfan!" Ratlos schauen mein Mann und ich uns an. Upps, wir fahren einen roten VW-Golf und was nun? Kurzerhand haben wir uns eine Werderraute gekauft und auf die Heckklappe geklebt. Seitdem ist unsere Tochter wieder zufrieden und das Problem zwischen Bayern- und Werderfan ist auf norddeutsche Art gelöst.

Jutta Gerken

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Es ist schon einige Jahre her. Ein Freund aus Berlin besuchte mich. An diesem Wochenende spielte Hertha BSC gegen Werder und ich besorgte die Tickets. Wir saßen entspannt nebeneinander, aber wir hatten ein Problem. Jeder von uns feuerte "seine" Mannschaft an, wir hatten leider nur eine Trompete. Wenn Hertha stürmte, blies mein Freund, wenn Werder stürmte, blies ich ins Horn. Das ging eine Weile gut, bis ein Werder-Fan auf dem Platz vor uns sagte: "Wenn ihr euch jetzt nicht entscheidet, für welche Mannschaft ihr seid, gibt es Ärger." Unser Trompeten hielt sich danach in Grenzen. Soweit ich mich erinnere, endete das Spiel unentschieden und jeder war zufrieden.

Hans-Jörg Meißner, Bremen

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Als im letzten Jahr der Werder-Stromtarif geboren wurde, war es für meinen Mann und mich keine Frage, dass wir dabei sein wollten. Zum einem glaubten wir an den Erfolg der Mannschaft, was unserem Stromkonto zu Gute gekommen ist und zum anderen hofften wir natürlich auch, einen der ausgeschriebenen Preise zu gewinnen. Uns so sollte es auch kommen: Wir gewannen einen Werder Abend mit Stadionführung, gemeinsamem Essen der Gewinner in der EWE-Loge und einer exklusiven Autogrammstunde mit einem Werder-Vertreter.

Nun wurde gerätselt: Wer kommt da wohl? Kommt sogar ein Spieler? Vielleicht sogar einer aus der ersten Mannschaft? Kommt "nur" der Zeugwart? Die Spannung wurde während der gesamten Stadionführung aufrecht erhalten. Und dann war er da: Die Tür wurde geöffnet und herein kam tatsächlich ein Spieler - Markus Rosenberg. Schüchtern betrat er den Raum und wurde von über zwanzig neugierigen Augenpaaren erkannt und herzlich begrüßt. Nachdem geklärt war, dass er Deutsch spricht, fleißig Autogramme geschrieben und geduldig in diverse Kameras gelächelt hatte, fassten wir uns ein Herz und unterhielten uns sehr nett mit ihm.

Eines war sicher, Markus Rosenberg hatte sich mit diesem Abend zwar keinen Stammplatz in der Startelf von Werder erobert, aber dafür die Herzen zweier Fans. Zwei Tage später beim nächsten Heimspiel Werder gegen Stuttgart wurde Markus Rosenberg sogar in der 69. Minute eingewechselt. Wir freuten uns wie ein paar Kinder und riefen: "Markus, Markus". Dass ausgerechnet in dieser Begegnung "unser" Spieler aufs Feld durfte, war das Größte. Aber was nun mit der schönste Moment für uns war, waren einfach die vielen verdutzten Gesichter, die sich nach uns umdrehten und einfach nur dachten: was ist denn mit denen los, das ist doch nur Markus Rosenberg. Aber nicht mehr für uns.

Norma Flakowski, Bremen

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Vorsicht, Schwarzhändler!Da konnte man einfach nichts machen, damals, als der Spitzenfußball Ende der Fünfziger, Anfang der Sechzigerjahre für Werder noch in der Oberliga Nord stattfand: Der HSV – ich gebe es nur ungern zu – wurde immer Erster und Werder meistens Zweiter. Doch ein echter Werderfan gibt die Hoffnung nie auf! Da gönnten wir uns sogar als Jugendliche trotz meistens chronisch knapper Kasse auch mal den Besuch eines Auswärtsspiels am Rothenbaum, der damaligen Spielstätte unseres Lieblingsgegners. Zu siebt hatten wir uns zusammengetan und Tickets für die Busfahrt gekauft. Bei den Eintrittskarten setzten wir auf Schülertickets, die es nur in Hamburg gab. Doch je näher der Spieltag rückte, desto schlechter waren die Nachrichten aus Hamburg: Die Eintrittskarten wurden knapp. Da half nur eins: Einer von uns musste hinfahren und sie vor Ort beschaffen. Und wie das meistens im Leben so ist: Der mit der guten Idee sollte sie am besten auch ausführen.

Am Mittwoch vor dem großen Spiel am Wochenende machte ich mich per Anhalter auf den Weg. Es hatte gerade Zeugnisse gegeben, so dass ich genug Zeit für den Trip hatte und sogar eine Übernachtung in der Jugendherberge einplante. Vorher hatte ich meine Mutter telefonisch um ihr Einverständnis gebeten. Sie gab es schließlich schweren Herzens, als ich ihr glaubhaft versichern konnte, mich nicht wegen des Zeugnisses davon zu machen. Mein Vater hätte da wohl weniger Verständnis gehabt. Der meinte nämlich immer über Fußball, dass man doch am besten "allen 22 einen Ball geben" sollte.

An der Autobahnauffahrt nach Hamburg dauerte es eine Weile, bis sich schließlich der Fahrer eines eigentlich schon voll besetzten Autos meiner erbarmte und mir erlaubte, mich als Vierter auf die Rückbank zu quetschen. Es stellte sich schnell heraus, dass hier fußballbegeisterte Italiener aus Hamburg unterwegs waren, bei denen meine Aktion respektvolle Anerkennung fand. Sie ließen es sich darum auch nicht nehmen, mit mir nach einer Vorverkaufsstelle zu suchen und mich direkt vor der Tür des Kiosks abzusetzen. Forsch betrat ich den Laden und bat um sieben Schülerkarten für das HSV-Spiel gegen Werder. Der Mann hinter dem Tresen schaute mich entgeistert von oben bis unten an und schien zu überlegen, wodurch er mich wohl als Schwarzhändler identifizieren könnte. Seine erste Reaktion war auf jeden Fall strikte Ablehnung. Erst als ich ihm die ganze Geschichte erzählte und als Beweis meinen Werder-Mitgliedsausweis zeigte, wurde er zugänglicher und rückte schließlich die gewünschten Karten heraus. Inzwischen war es schon so spät geworden, dass ich nicht ungern in Hamburg übernachten musste – immerhin hatte die Stadt schon damals einiges für neugierige Jugendliche zu bieten...

Am Tag des Spiels lauerten an der Abfahrtsstelle des Busses unerwartete Gefahren: Zahlreiche Fans versuchten glücklichen Eintrittskartenbesitzern ihre Tickets abzuschwatzen. Tatsächlich wurde einer aus unserer Clique schwach. Meine Begeisterung hierüber hielt sich in Grenzen, doch ich hätte wissen müssen, dass er es dennoch ins Stadion schaffen würde. Trotz prall gefüllter Ränge war er irgendwann wieder bei uns. Übrigens: Werder gewann und wurde am Ende doch wieder nur Zweiter.

Klaus Schomaker, Bremen

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Es war in der Saison 2001/2002, in der Rückrunde. Ich war damals 6 Jahre alt und noch nicht allzu groß. Ich bin mit meiner Mutter, meinem großen Bruder und meinem Stiefvater ins Stadion nach Bremen gefahren. Da ich damals noch keinen Werderschal hatte, habe ich meinen Bruder gefragt, ob er mir einen von seinen geben könne. Erst sagte er nein, aber ich bettelte so lange, bis ich den Schal dann doch bekam. "Aber nur ausgeliehen", sagte mein Bruder. Das Spiel verlor Werder leider und mein großer Bruder war mies drauf. Als wir dann in der Straßenbahn zum Bahnhof fuhren, hing die eine Seite des Schals, den mein Bruder mir geliehen hat, auf dem Boden. Da schrie mein Bruder mich an, dass ich aufpassen solle, da er nicht wollte, dass der Schal dreckig werden sollte. Ich fing an zu weinen, als mein Bruder dann auch noch sagte, dass er die Bremer Leistung einfach nur schlecht fand. Da hab' ich gesagt, dass ich das Spiel eigentlich ganz gut fand und auch nicht der Meinung war, dass Bremen schlecht gespielt hat. Daraufhin nahm er mir den Schal weg und meinte: "Der gehört mir". Ich weinte wieder, bis ein älterer Herr, der dicht neben uns stand, zu mir sagte:"Wer so für seine Mannschaft einsteht, verdient auch ein Schal." Daraufhin gab er mir einen alten Werderschal und ich war richtig glücklich und bedankte mich, weil der Schal ziemlich alt war und man ihn bestimmt nicht wieder bekommen würde. So war der Tag - obwohl Werder verloren hat - richtig schön.

Jana-Raissa Peschke

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Im August 2004, kurz nach dem sensationellen "Double" zog ich beruflich nach Malaysia. Ein wunderschoenes, tropisches Land, knapp über dem Äquator - rund 11.000 Kilometer entfernt vom Weserstadion. Nach zwei Wochen in Kuala Lumpur, ich war spät abends mit dem Auto unterwegs, hielt an einer roten Ampel neben mir ein Streifenwagen. Der Polizist auf dem Beifahrersitz wies auf den Straßenrand und signalisierte mir, dort anzuhalten. So fuhr ich bei Grün an den Rand, wo der Streifenwagen hinter mir hielt. Der Sheriff stieg aus und schlenderte an meine Fahrertür: "Guten Abend, Sir. Sie sind zu schnell gefahren - viel zu schnell. Aussteigen. Die Papiere bitte".

Ich stieg aus und zückte meinen deutschen Pass und Führerschein. "Ah, Deutschland". Ein Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit, das ich noch nicht deuten konnte: Bestechlichkeit war bei der malaysischen Polizei durchaus ein Faktor – und bei einem Monatslohn von 400 Euro war ein Deutscher ein potentieller Großsponsor für ein Opferlamm. Zu meiner großen Überraschung begann der Sheriff: "Oliver Kahn, Michael Ballack, Schweinsteiger, Scholl... Ich bin ein großer Bayern-Fan!" und fuhr fort, diverse Spieler des FCB aufzuführen.

Schmerz! Mitten in der Nacht stehst Du einem malaysischen Polizisten gegenüber, der Dich beschuldigt, zu schnell gefahren zu sein – und obendrein noch ein Fan Deines Erzrivalen ist und Dich hier zutextet. Das kann ja heiter werden. "...Rumenigge, Breitner, Sepp Meier... und Franz Beckenbauer!" Gut aufpassen! Bloß jetzt nicht durch die Bayern provozieren lassen und einen Kommentar machen, der Dir hier, im einzigen Land auf diesem Planeten mit einer Wahlmonarchie, von diesem Fan womoeglich noch als "Majestätsbeleidigung" ausgelegt wird. Als der Scheriff seine Auflistung der Bayern-Ahnenreihe erschöpft hatte, hielt er befriedigt inne.Schweigen.

Dann begann er wieder zu grinsen: "Zu schnell gefahren - viel zu schnell!" und fügte strahlend hinzu: „Was müssen Sie denn in Deutschland dafür bezahlen?" Das war die Steilvorlage! - eine dezent formulierte Einladung zur "persönlichen Einflussnahme" – und mich den Preis bzw. die Regeln bestimmen lassen. Nun war es an mir, entspannt zu grinsen: "Also Herr Wachtmeister, in Deutschland ist das so: Sie sind Bayern-Fan – und ich komme aus Bremen. Mein Verein, der SV Werder Bremen, hat Ihre Bayern 3:1 in München geschlagen. So wurden wir Bremer Deutscher Meister ."

Der Sheriff schaute mich erstaunt an - gab er mir meine Papiere zurück und sprach freundlich: "Herzlichen Glueckwunsch und Gute Fahrt!"

Mathias Greger, Kuala Lumpur

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In den achtziger Jahren besuchte ich mit meiner Freundin die Heimspiele von Werdern Bremen. Wir befanden uns altersmäßig in den Vierzigern. Wie es sich gehörte, standen wir in der Ostkurve. Es könnte das Spiel gegen Kickers Offenbach am 26.11.83 gewesen sein, das 8 : 1 endete. Kurz vor Schluss dieses sehr erfolgreichen Spieles für Werder verließen wir das Stadion durch das Marathon–Tor, um nicht zu sehr ins Gedränge zu kommen. Plötzlich lief ein begeisterter Werder- Fan auf mich zu, setzte mir seinen Werder–Hut auf den Kopf und schrie: "Mensch, Oma, ich schenk dir meinen Hut."

Verena Schönert, Bremen

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Es war in der Zeit, als Rudi Assauer Manager bei Werder war und eine Autogrammstunde mit zwei Profis bei Realkauf in Delmenhorst abhielt. Der Termin am Vormittag eines Werktages war insofern schlecht gewählt, als nur einige Hausfrauen und ich als Student in den Semesterferien Zeit dafür und Interesse daran hatten. Während die Profis fleißig signierten, wurde von Assauer ein Quiz mit Fragen aus der Werder-Historie veranstaltet. Für jeweils eine (!) richtige Antwort lobte er eine Saisondauerkarte (!) als Preis aus.

1. Frage: Wann wurde der SV Werder gegründet? Für "1899" erhielt ich die erste Dauerkarte. 2. Frage: Wann war Werder Deutscher Meister? Für "1965" landete die zweite Dauerkarte bei mir. Nach meiner fünften richtigen Antwort in Folge mit entsprechender Belohnung reagierte Assauer ungehalten: "Schluss jetzt, Du darfst nicht mehr mitmachen !" Was sollte ich auch mit weiteren 5 Dauerkarten anfangen...

Dr. Wolfgang Hey, Stuttgart

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Es war beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in der Saison 2007/2008. Meine Frau und ich waren mit unserem kleinen Kumpel Mark, dem Sohn einer Freundin, zum Spiel gefahren. Es war sein erster Besuch im Weserstadion und dementsprechend aufgeregt war Mark. Wir hatten ihm vor dem Spiel eine Einwegkamera geschenkt, damit er Bilder von seinem ersten Werder-Heimspiel machen konnte. Wir waren etwa eine Stunde vor dem Spiel im Stadion und er fotografierte wild drauf los. Mark lief die Treppen hoch und runter und er konnte den Anpfiff nicht abwarten. Als Stolli dann vor dem Spiel der Vertragsverlängerung von Diego bekannt gab, jubelte der Lütte und freute sich, wie alle anderen im Stadion auch.

Die Aufstellung wurde laut mitgerufen und mit seiner euphorischen Art steckte er alle, die um uns herum saßen, an. Der Anpfiff erfolgte und innerhalb von 15 Minuten stand es 3:1 für uns. Mark war superglücklich und es machte Spaß, ihm beim Jubeln zuzusehen. Danach geschah nicht mehr viel, bis zur 89 Minute. Mark hatte sich mittlerweile mit ein paar Jungs in der Reihe vor uns angefreundet, aber aufgrund fehlender Tore etwas an Enthusiasmus verloren. Plötzlich stand er auf, stampfte mit dem Fuß auf den Boden und rief: "Man ey, Diego, schieß' endlich ein Tor!" Was geschah dann? Tatsächlich bekam Diego den Ball und zog ab. TOOOOOOR! Jeder im Stadion sprang auf und jubelte. Nicht so der kleine Kreis um unsere drei Plätze im Norden. Hier schaute alles ungläubig auf Mark, dann guckten wir uns alle an und lachten laut los. Als der Jubel vorbei war, sah mich Mark an und sagte: "Siehste, Diego hört auf mich!" Er sagte dies mit einer solchen Ernsthaftigkeit, die mich heute noch lächeln lässt. Er hat dieses erste Spiel bis heute nicht vergessen und erzählt immer noch davon, wenn wir zusammen zum Fußball fahren.

Stefan Hänßler, Varel

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Mein schönstes Werder-Erlebnis hatte ich im Zusammenhang mit dem Champions-League-Spiel gegen Chelsea am 22.11.2006. Ich arbeite im Amt für Straßen und Verkehr und stand an dem Abend an der Bahnhaltestelle Herdentor, um nach Hause zu fahren und das Spiel im Fernsehen zu schauen. An der Haltestelle sprachen mich plötzlich einige englischsprechenden Fans an und fragten, wie man zum Stadion kommt. Nach kurzen Erklärungsversuchen, dass sie an der Domsheide umsteigen müssen etc, ich aber nur in fragende Gesichter schaute, habe ich mir die Gruppe geschnappt und bin mit ihnen in eine Bahn gestiegen. Ich hatte ja zunächst den gleichen Weg.

In der Bahn versuchten wir es mit Smalltalk und plötzlich fragte einer der Engländer, ob ich eine Karte haben möchte. Ohne groß zu überlegen, sagte ich ja. Ich hatte aber noch eine Tasche mit Unterlagen bei mir und war zudem eher businessmäßig gekleidet. Spontaner Entschluss: zurück ins Büro, Tasche ablegen und wieder zurück Richtung Stadion. Die Engländer schauten etwas verdutzt, weil sie wohl hofften, dass ich sie weiter begleite. Wir verabschiedeten uns und ich ging davon aus, dass wir uns im Stadion wieder sehen würden.

Am Stadion angekommen, folgten die üblichen (eher wohl schärferen) Kontrollen und schon jetzt einige seltsame Blicke angesichts meiner Kleiderordnung. Im Stadioninnenraum dann die Gewissheit: Stehplatz Westkurve, viele Hardcorefans von Chelsea und von den Kollegen aus der Bahn keine Spur. Sie hatten wohl Sitzplatzkarten im Oberrang. Auch die Ordner im Block, die wohl aus England kamen, schauten etwas komisch und sprachen mich auch einige Male an - ich habe aber versucht, nicht groß aufzufallen. Das war aber ein Stück seelische Grausamkeit: Werder spielte richtig gut und ich konnte nicht so mitgehen wie sonst. Als dann das Tor durch Mertesacker fiel, wurde es noch schwieriger: wie freut man sich tierisch, ohne aufzufallen? Der Blick wanderte immer wieder zu den Chelsea-Fans. Merken sie, dass hier ein Fremdling im Block steht?

Mitte der zweiten Halbzeit zog dann plötzlich eine Hundertschaft Polizei im Block auf. Mir dämmerte es: die Fans sollen bis einige Zeit nach Spielschluss im Block gehalten werden. Ich fragte einen der Polizisten, wie ich hier jetzt noch rauskomme. Er sagte: Gar nicht! Ich erwiderte: Ich muss aber raus. Vermutlich hat er ansatzweise realisiert, was Sache ist. Er zeigte stumm auf den Ausgang, wies einen Kollegen an und man ließ mich gehen. Den Rest des Spieles habe ich dann auf einer Leinwand in einer Kneipe an der Hamburger Straße gesehen.

Mathias Müller, Stuhr

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Werderfans und seit Jahren Dauerkarteninhaber, verbrachten unseren Urlaub im Mai 2004, im Doublejahr, in Andalusien auf einer Rundreise. Da niemand ahnen konnte, dass die Saison so endet, planten wir unseren Urlaub bereits im Herbst 2003. Am 8. Mai 2004 verbrachten wir einen unvergesslichen Tag in der traumhaften Stadt Sevilla. Auf dem Programm der organisierten Reise stand ein Stadtbummel zur freien Verfügung an. Ich, natürlich den ganzen Tag im Werdertrikot unterwegs und voller Vorfreude auf das Spiel bei Bayern München. Je näher der Zeiger auf 15:30 Uhr rückte, desto nervöser wurden wir.

Noch immer war keine Kneipe oder Bar in Sicht, die eventuell das Spiel live zeigte. Freunde von uns, die das Spiel auf dem Domshof verfolgten, hielten uns dankenderweise per Handy auf dem Laufenden. Zur Halbzeit stand es 3:0 für Werder! Einfach unglaublich! Wir bummelten weiter durch die Stadt - und dann ein Wunder! Eine Kneipe, die Werder live zeigt. Wahnsinn. Wir gingen rein und stellen fest: man spricht Deutsch. Der Inhaber der Kneipe war ein Deutscher, alle Gäste deutsche Studenten und Bayernfans. Wir verbrachten einen Super-Nachmittag und freuten uns, den Rest des Spieles - der spanische Kommentar war egal, zu verfolgen. Das Ende der Begegnung ist bekannt: Werder gewann 3:1 in München und wurde zum vierten Male Deutscher Meister. Am Abend kamen wir wieder ins Hotel und keiner aus unserer Reisegruppe glaubte uns, dass Werder tatsächlich bei den Bayern gewonnen hatte. Da wir leider auch die Übergabe der Meisterschale in Bremen eine Woche später verpassten, fuhren wir wenigstens zum DFB-Pokalfinale gegen Alemannia Aachen (3:2) nach Berlin und konnten so den einen Teil des Doubles miterleben und genießen.

Katja und Thomas Neufeld, Langwedel

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In den 30er Jahren hatte Werder auch eine gute Truppe beisammmen und ganz besonderer Liebling aller Werder-Fans war Hennes Tibulski der von der äußeren Erscheinung her so etwas war wie heute David Beckham. Er war ein Idol und glänzte im Spiel durch eine unnachahmliche Technik, mit der er Gegenspieler aus- und Mitspieler anspielen konnte. Er war derjenige, der alle Freistöße schoss und diese mit Effet und zielgenau auf den Mitspieler zirkulierte. Und dann seine Gestik und Mimik, bevor er zur Ausführung schritt – wie ein König. Elfmeter schoss auch nur er, alle wurden verwandelt, meistens flach in die äußersten Ecken, die Torhüter hatten keine Chance.

Abbi Drewes hatte Hennes 1934 von Schalke nach Werder gelotst, während sein Bruder Otto Tibulski als Mittelläufer bei Schalke blieb. Hennes hat leider nur ein Länderspiel bestritten, 1931 in Hannover gegen Dänemark. Damals war er erst 22 Jahre alt. Warum er später nie wieder nominiert wurde, bleibt ein Rätsel. Seine Stammposition in der Werderelf war rechter Läufer. Geboren 1909, ist er schon 1976 gestorben – also mit 67 Jahren. Für alle von damals wird er unvergessen bleiben.

Und eine Episode mit ihm ist mir noch in lebhafter Erinnerung. Während eines Spiels war ein Zuschauer auf das Spielfeld gelaufen und störte natürlich den Betrieb. Hennes schlich sich von hinten an ihn heran, schnappte ihn am Kragen und Hosenboden, hielt ihn wie in einem Schraubstock, lief mit ihm im Höllentempo an den Spielfeldrand und katapultierte ihn dann in die Weitsprunggrube, wo er unsanft landete. Das Stadion brüllte vor Vergnügen und Begeisterung und Hennes – nachdem er sich symbolisch die Hände abgeklopft hatte – schritt wie ein Torero aufs Spielfeld zurück. Der Beifall nahm kein Ende.

Hans-Joachim Jaburg, Bremen

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Werder hatte sich im Mai 2006 die Vizemeisterschaft beim Hamburger SV gesichert und war somit für die Gruppenphase der Champions League 2006/2007 spielberechtigt. Mit Spannung verfolgte ich die Gruppenauslosung. Werder musste gegen den FC Barcelona, Levski Sofia und den FC Chelsea antreten. Das Auswärtsspiel gegen die Londoner fand schon zweieinhalb Wochen später statt.

Zusammen mit einem befreundeten Geschwisterpaar wollte ich mir den Auftritt gegen das Spielzeug von Roman Abramowitsch nicht entgehen lassen. Nun war Eile geboten. Urlaub wurde genehmigt und Flug sowie Hotel waren auch schnell gebucht. Nur bei der Ergatterung der Eintrittskarten mussten wir ein wenig schwitzen. Einige Tage später hatten wir jedoch drei Karten in der Hand.

Am Spieltag fuhren wir in Herrgottsfrühe mit dem Auto nach Hannover, um von dort aus in die britische Metropole zu fliegen. Im Laufe des Vormittags zogen wir ein straffes Touristen-Programm durch. Da ich London schon von vorherigen Besuchen kannte, konnte ich mich mit den kurzen Abstechern zum Tower, Buckingham Palace etc. gut abfinden. Das Spiel stand ja im Mitelpunkt der Reise. Im Hotel wurde uns dreien ein Zimmer zugewiesen, in dem locker noch doppelt so viele Personen hätten Platz finden können.

Nach einer ordentlichen Stärkung bei Pizza-Hut machten wir uns auf den Weg zum Trafalgar Square. Dort hatten sich die Werder-Fans zum Einstimmen auf das Spiel verabredet. Es wurde gesungen, Bier getrunken und mit Fußbällen rumgebolzt. Einer landete schließlich hoch oben zu Füßen Admiral Nelsons und blieb im Taubenschutz stecken. Wie abgesprochen machte sich der Mob zu einer bestimmten Zeit auf den Weg zur Stamford Bridge. Wir gingen singend und hüpfend zur U-Bahn-Station. Zur Feierabendzeit kamen jedoch nicht alle Werderaner zu den überfüllten Gleisen, da die Polizei die Drehkreuze sperrte, so dass wir uns eine andere Verbindung suchen mussten. Alles lief jedoch sehr diszipliniert und ohne große Polizeipräsenz ab. Hiervon können sich die Deutschen einmal eine Scheibe abschneiden.

Im Block waren unsere Plätze schon von anderen Fans belegt. Eine Diskusion über das ungeschriebene Gesetz, sich bei Europapokalauswärtsspielen irgendwo hinzusetzen oder zu stellen, war hier nicht sinnvoll. Gerne hätte ich das Spiel aus der ersten Reihe des Oberrangs verfolgt. Schließlich wies uns ein Ordner andere leere Sitze zu. Werder verlor das Spiel mit 0:2. Michael Ballack erzielte das zweite Tor vom Elfmeterpunkt. Der gefeierte Held der WM 2006 bekam von seinen Landsleuten natürlich noch ein paar unschöne Worte zu hören. Spieler Klose hatte die größte Chance für ein grün-weißes Tor.

Was ich nie vergessen werde, ist die Stimmung, die unter den Werder-Fans während des Spiels herrschte. Sie hörten einfach nicht auf zu singen. Nach 60 Spielminuten hatte ich fast keine Stimme mehr. Von den Heimfans kam so gut wie gar nichts. Selbst die Gegentore ließ uns nicht verstummen. Zu sehr hätte ich erlebt, wie die Stimmung im Block bei einem Werder-Tor explodiert wäre. Ich kann mich nicht erinnern, dass etwa 3.000 Auswärtsfans einmal so laut waren. Selbst Chelsea-Trainer José Mourinho hatte ein Lob für uns übrig! Den Abend ließen wir mit weiteren Bekannten, die wir in London getroffen hatten, in einer Bar und in einem Pub ausklingen.

Der nächste Tag sollte auch schon der letzte unseres Kurztrips sein. Nach einem britischen Frühstück fuhren wir mit der altbewährten U-Bahn nach Highbury, um uns das neue und das alte teilweise schon abgerissene Stadion des FC Arsenal von außen anzugucken. Die restliche Zeit bis zur Zugfahrt zum Flughafen Stansted nutzen wir für einen Bummel durch Harrods, die Oxford-Street und die Carnaby-Street.

Auf der A7 bzw. A 27 verfolgten wir im Radio die Champions League-Partie der "Gunners" beim HSV, der sich ebenfalls qualifiziert hatte. Muss ich erwähnen, dass die Engländer als Sieger vom Platz gingen? Ich freue mich immer wieder, in einer Stadt mit einem so erfolgreichen Sportverein zu leben. Städtetourismus haben wir so schon mehrmals wunderbar mit einem Werder-Auswärtsspiel in Europa oder in der Bundesrepublik verbunden. Wir warten gespannt auf die nächste Auslosung!

Jörg Wiltschko, Bremen

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